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„Substanz“: Von der Pleite zur digitalen Magazingründung

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Ein Wissenschaftsmagazin, das ausschließlich digital auf Smartphones und Tablets erscheint - das ist das Ziel von Georg Dahm und Denis Dilba. Die beiden Journalisten aus Hamburg sammeln für Substanz, so der Name des Magazins, derzeit auf der Crowdfunding-Plattform Startnext Geld für die Anschubfinanzierung. Das Projekt ist die Konsequenz aus zwei Print-Pleiten.

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Die Macher haben zuvor für die Financial Times Deutschland und die deutsche Ausgabe des New Scientist gearbeitet. Beide Titel wurden eingestellt. Die beiden Ex-Printler gründeten die Fail Better Media GmbH und versuchen, ein rein digitales Magazin zu etablieren. Substanz ist eine risikoreiche Wette, dass es eine ausreichend große wissenschaftsinterssierte Leserschaft gibt, die bereit ist, dafür auf dem iPad Geld zu bezahlen.

Mit den Printpleiten, deren Resultat Substanz gewissermaßen ist, gehen die beiden Blattmacher gekonnt um. „Haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh“ bringt Dahm den Fakt auf den Punkt, in zwei Jahren gleich zwei Print-Einstellungen begleitet zu haben: 2012 bei der Financial Times Deutschland, 2013 beim New Scientist. Dort hat der 43-Jährige mit seinem Kollegen Dilba zusammengearbeitet, der zu den Gründungsredakteuren des vom Spiegel für Deutschland lizenzierten Magazins zählte.

Das Motto von Substanz lautet „Wissenschaft neu erzählt“. Das bedeutet für die Gestaltung des Magazins: kein tagesaktuelles Klick-Gehasche, sondern gut recherchierte Hintergrundartikel. Die Autoren sollen dabei entsprechend viel Zeit bekommen, um besondere Geschichten zutage zu fördern. Der Inhalt soll die Form bestimmen. Das bedeutet: Reportagen werden nicht in ein Layout gepresst oder unnötig gekürzt.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, das beispielsweise Spektrum der Wissenschaft das wöchentliche PDF Spektrum Die Woche veröffentlicht, das kostenpflichtig vertrieben wird. Zudem ist der Markt der Wissenschaftspublikationen letztlich nicht so klein – doch wird er dominiert von Print-Marken, von denen es zumindest teilweise digitale Ableger gibt. Substanz positioniert sich in der Gründungsphase dagegen als voll-digitale Spielwiese für neue darstellungs- und Erzählformen.

Wie Substanz dann letzten Endes aussehen soll, ist noch unklar. Das Magazin will ein Experimentierfeld für neue Darstellungsformen sein, heißt es. So könne eine Geschichte als Fließtext, mit Multimedia-Elementen, Infografiken, Filmen, als Slideshow und als Comic erzählt werden. Zur Themenauswahl erklärt das Team recht kampfeslustig: „Unser Themenplan richtet sich nicht nach Pressemitteilungen. Und wenn es sein muss, treten wir auch mal jemandem gepflegt vors Schienbein“.

Dahm und Dilba sind sich sicher: „In Deutschland fehlt ein anspruchsvolles, zeitgemäßes Wissenschaftsmagazin.“ Als Zielgruppe haben die beiden Journalisten nicht nur Schüler und Lehrer sowie Akademiker im Visier, sondern alle, die derzeit „im Netz nach Niveau“ suchen. Auf Startnext suchen die Digital-Blattmacher nach Investoren.

Die Substanz-Macher erklären freizügig, dass die veranschlagten 30.000 Euro bei weitem nicht ausreichen werden. „Auf diesem Weg werden wir Kapital brauchen. Mehr Kapital, als die Startnext-Kampagne einbringen wird“, heißt es auf der Aktionsseite. „Wir werden Kredite aufnehmen müssen. Je mehr Crowdfunding-Geld wir einsammeln können, desto weniger müssen wir uns verschulden – und desto günstigere Bedingungen bekommen wir bei der Bank.“ Unterstützen können Interessierte mit Beiträgen von 3,14 Euro bis 5.500 Euro. Für die extragroße Finanzspritze versprechen die Macher Freigetränke auf der Launch-Party und dem Pre-Launch-Event, ein 1-Jahres-Abo und einen Anzeigenplatz.

Wird die Finanzierung ein Erfolg, soll Substanz auf Smartphones und Tablets mit iOS und Android sowie als App für normale Rechner erscheinen. Um zu zeigen, wo die Reise hingehen soll, sind Dahm und Dilba bereits in Vorleistung gegangen und haben nach eigener Aussagen ein Teil ihrer Ersparnisse investiert. Von den anvisierten 30.000 Euro hat Substanz mittlerweile mit 139 Unterstützern rund 6000 Euro eingesammelt. 44 Tage läuft die Crowdfunding-Aktion noch.

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