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Fall Schwarzer eine „kleine, etwas andere Spiegel-Affäre“

Die Diskussion um die Steuersache Alice Schwarzer teilt sich. Die einen beschäftigen sich mit der Frage, ob der Spiegel den abgeschlossenen Fall überhaupt hätte aufgreifen dürfen. Die anderen setzen sich mit dem Verhalten der Feministin auseinander. So schreibt die taz: „Alice Schwarzer ist also eine Täterin, die knallhart ihre Eigeninteressen maximiert hat“.

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„Den eigenen Standpunkt als moralisch höherwertig auszuweisen ist eine anstrengende Sache, vor allem wenn man gerade auf frischer Tat ertappt wird“, schreibt Michael Hanfeld in der FAZ. „Hätte Alice Schwarzer auf ihrer Website einfach einen Punkt gemacht (‚Das Konto war ein Fehler. Den bedauere ich von ganzem Herzen‘), ginge die Aufregung schnell vorbei. Doch wird diese anhalten, weil und solange sie auf ihrer Opferrolle beharrt.“

Auch auf ihrer „Deutschland und die Welt“-Seite beschäftigt sich die FAZ mit dem Aufreger. Dort kommen die Frankfurter zu dem Schluss: „Rechtlich könnte der Fall allerdings noch ein Nachspiel haben und zu einer kleinen, etwas anderen Spiegel-Affäre werden. In ihrem Blog geht Alice Schwarzer in die Offensive und bezichtigt das Nachrichtenmagazin, das den Fall öffentlich machte, der Rufschädigung. ‚Mehrere Medien hatten sich entschlossen, aus rechtlichen wie ethischen Bedenken, von einer Veröffentlichung Abstand zu nehmen. Der ‚Spiegel‘ allerdings mochte der Versuchung nicht widerstehen. Er pfeift darauf, dass er damit illegal handelt'“.

Passend dazu verrät Hans Leyendecker in der Süddeutschen Zeitung: „Auch den Blättern Bild und Focus war der Sachverhalt in Sachen Schwarzer bekannt. Es gab sogar schon bei einem Medium ein Skript des Vorgangs, der in der Republik kursierte. Beide Blätter haben den Steuerfall Schwarzer nicht veröffentlicht. Dass der Spiegel es tat, muss nicht gegen ihn sprechen.“ Weiter schreibt der Investigativ- und Rechts-Experte der SZ: „Nach Bekanntwerden der Veröffentlichung ihres Steuerfalls hat Schwarzer eine inhaltlich eher fatale Stellungnahme verfasst, die sie zum Opfer einer großen, allgemeinen Verschwörung macht. Die Ichbezogenheit dieses Textes und ihre Lust, hinter allem ein Komplott zu vermuten, irritieren schon sehr. Aber rechtfertigt diese Antwort im Nachhinein den Bruch des Steuergeheimnisses?“

„Alice Schwarzer halluziniert einen Rufmord“, erklärte die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt in der Talkshow „Hart aber fair“. Weiter sagte sie: „“Wenn man einen Fehler gemacht hat, dann steht man dazu, anstatt sich als Opfer zu inszenieren.“
Besonders hart geht Ulrike Herrmann in der taz mit der Verlegerin und Frauenrechtlerin ins Gericht. „Alice Schwarzer ist also eine Täterin, die knallhart ihre Eigeninteressen maximiert hat. Dennoch wäre sie nicht Alice Schwarzer, wenn sie sich nicht zum Opfer stilisieren würde.“ Das Blogposting, in dem Schwarzer sich zu dem Fall äußert, hält Herrmann schlicht für „bisweilen schmerzhaft peinlich“.

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„Eine Frau, die mit höchstem moralischen Anspruch kämpft, diesen zu ihrer schärfsten Waffe macht, darf kein unversteuertes Vermögen in der Schweiz bunkern“, kommentiert Ernst Elitz in der Bild. Weiter schreibt er: „Diese Tat trifft nicht nur ihren guten Ruf. Es trifft die Frauen, die ihr stets vertrauten. Da ist es peinlich, dass Schwarzer sich jetzt als Verschwörungsopfer sieht. Als sei die Sache rausgekommen, weil sie gegen Ehegattensplitting ist und Prostitution mit aller Leidenschaft bekämpft.“

Auch Franz Josef Wagner schreibt Schwarzer in der Bild: „Alice Schwarzer ist die erste Frau, die ich kenne, die Schwarzgeldkonten in der Schweiz hat. Nie hätte ich es von ihr gedacht. Nie hätte ich gedacht, dass Geld ihr wichtig ist. Ich glaube, dass sie einfach dusselig war. Mit Geld und so. Wie Frauen eben so.“

Im Spiegel-Blog kommentiert Jürgen Dahlkamp: „Ausgerechnet Schwarzer, die Journalistin, greift die Überbringer der schlechten Nachricht an, die Journalisten, in diesem Fall die des Spiegel, der den Fall öffentlich gemacht hatte. Sie tut es mit der ihr eigenen Selbstgerechtigkeit, spricht von einem ‚Dammbruch‘, von einer ‚Persönlichkeitsverletzung‘, einer ‚Denunzierung‘. Ausgerechnet sie, die selbst mit dem Satz ‚Das Private ist politisch‘ die Tür weit aufgemacht hatte. Dann nämlich, wenn das Private für eine gesellschaftliche Fehlentwicklung steht. So wie in ihrem Fall.“

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