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Projekt Eisberg: neue Aufgaben für Spiegel-Online-Chef Ditz

Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner (r.), SpOn-Chefredakteur Rüdiger Ditz
Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner (r.), SpOn-Chefredakteur Rüdiger Ditz

Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner treibt den Umbau der Redaktion weiter voran. Nachdem kürzlich der Rückzug von Martin Doerry aus der Chefredaktion bekanntgegeben wurde, berichtet die Berliner Zeitung nun, dass Spiegel Online Chefredakteur Rüdiger Ditz womöglich neue Aufgaben als geschäftsführender Redakteur übernehmen soll.

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Rüdiger Ditz, früher Co-Chef bei Spiegel Online und seit Büchners zeitweiligem Abgang als Chefredakteur zur dpa alleiniger SpOn-Chef, soll laut Berliner Zeitung künftig als geschäftsführender Redakteur das “Projekt Eisberg” leiten. Ob er dabei gleichzeitig Chefredakteur Spiegel Online bleiben kann? Unwahrscheinlich. Die Stelle des geschäftsführenden Redakteurs wäre neu geschaffen beim Spiegel und klingt im Vergleich zu Chefredakteur nach einer handfesten Degradierung – was alle Beteiligten sicherlich heftig bestreiten würden. Hinter dem Projektnamen “Eisberg” verbindet sich das gewollte Zusammenwachsen von Print- und Online-Redaktion beim Spiegel. Das Eis zwischen Print und Online beim Spiegel zum Schmelzen zu bringen, ist wahrlich eine große Aufgabe.

Außerdem deutet der Name das von Spiegel-Chef Wolfgang Büchner verfolgte Freemium-Modell an, das er in einem FAZ-Interview ausführlich erläutert. Demnach soll das Basis-Angebot von Spiegel-Online kostenlos bleiben. “Wir würden einen großen Teil der Reichweite und damit der Anzeigenerlöse verlieren”, sagt er. Stattdessen will er die digitale Ausgabe des Spiegel aufwerten und attraktiver machen. Wenn Leser auf der SpOn-Homepage auf eine Spiegel-Geschichte stoßen, müssten sie sich registrieren. Büchner will Leser locken, die wenn sie mehr lesen wollen, zahlen müssen. Die digitale Spiegel-Ausgabe habe 2013 eine “Auflage” von 50.000 Exemplaren gehabt und rund 5 Mio. Euro Umsatz gemacht, so Büchner in der FAZ. Er sei sicher, da gehe noch mehr.

“Projekt Eisberg”, das klingt erstmal nach Titanic, Untergang und Katastrophe. Ist aber wohl anders gemeint. Das Basis-Angebot von Spiegel-Online wäre die Spitze des Eisbergs, die aus dem Wasser ragt. Darunter, bzw dahinter verbirgt sich noch viel mehr. Und wer das lesen will, soll zahlen. Lesern klarzumachen, dass sich das Bezahlen für das “Mehr” lohnt, wird kein leichter Job.

Gleichzeitig versucht Büchner offenbar, die Führungsmannschaft des Spiegel zu ordnen. In der FAZ gesteht er, dass er sich seinen Einstieg als Chefredakteur “in der Tat nicht so schwierig vorgestellt” hat. Gemeint ist der Wirbel um die Berufung des früheren Bild-Mannes Nikolaus Blome als Leiter des Berliner Spiegel-Büros, was fast zu einer Revolte in der Redaktion geführt hätte.

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Zuletzt hat der Spiegel bekanntgegeben, dass der langjährige Spiegel-Vize Martin Doerry aus der Chefredaktion ausscheidet und nur noch als Autor arbeitet. Für Doerry findet Büchner im FAZ Interview nur gestanzte Politikerworte: “Martin Doerry hat mit seiner hervorragenden Arbeit in den vergangenen sechzehn Jahren maßgeblich zum Erfolg unseres Magazins beigetragen, er hat den ‘Spiegel’ geprägt. Nun beginnt ein Veränderungsprozess, für den wir das Team in der Chefredaktion neu aufstellen.” Das ist Pressemitteilungsprosa pur.

Die Berliner Zeitung schreibt, die Redaktion sei von Doerry Demission entsetzt gewesen. Und nun soll Büchners früherer Co-Chef bei Spiegel Online, Rüdiger Ditz, also vielleicht geschäftsführender Redakteur werden. Ein Posten der für gewöhnlich in der Hierarchie klar unterhalb eines Chefredakteurs angesiedelt ist.

In der Spiegel-Redaktion kursiert schon länger die Spekulation, dass Büchner neben seinem beiden Print-Stellvertretern zwei Stellvertreter für Online benennen will. Bei Print sind die Posten verteilt: Klaus Brinkbäumer bleibt Vize, für Doerry rückt Clemens Höges, bisher Leiter des Auslandsressorts, als stellvertretender Chefredakteur nach. Namen, die für die Posten der Online-Vizes gehandelt wurden sind Florian Harms, der jetzt schon stellvertretender Chefredakteur bei Spiegel Online ist, und  Barbara Hans, derzeit Ressortleiterin Panorama. Bestätigt wurde dies freilich nie. Sollte da trotzdem was dran sein bleibt die Frage, was mit der zweiten stellvertretenden Chefredakteurin bei SpOn, Jule Lutteroth, geschieht. Die Frage, welche Aufgaben Rüdiger Ditz übernehmen könnte, scheint sich ja nun geklärt haben.

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