Das ZDF im Jugendrausch: „Aspekte“ wird wilder

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"Aspekte"-Moderatoren (v.l.): Tobias Schlegl, Katty Salié, Jo Schück

Am 7. Februar startet "Aspekte" in eine neue Ära: Als Live-Sendung mit Publikum will das ZDF mit seinem Kulturmagazin am Freitagabend verstärkt junge Zuschauer anlocken. Eine "HalliGalli"-artige Social-Media-Dröhnung drohe aber nicht, sagt Co-Moderator Tobias Schlegl im Interview mit MEEDIA.

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Seit seiner Entstehung im Jahr 1965 hat das Kulturmagazin „Aspekte“ viele Veränderungen durchgemacht. Vor allem hat sich das Magazin weg vom elitären Medium der Hochkultur hin zum zugleich unterhaltenden Format gewandelt. Diese Entwicklung will die Redaktion fortsetzen: Am 7. Februar ist am Freitagabend um 23 Uhr im ZDF ein sichtlich verjüngtes „Aspekte“ zu sehen. Und: Eine Viertelstunde länger, also 45 Minuten, werden Katty Salié, Tobias Schlegl und Jo Schück über Neues aus allen Winkeln der Kulturwelt berichten. Erstmals vor Publikum und mit Live-Gästen. Im vergangenen Jahr hatte die Sendung im Durchschnitt 930.000 Zuschauer und einen Marktanteil von 5,3 Prozent – bei einem ZDF-Jahres-Durchschnitt von 12,8 Prozent. Tobias Schlegl, der von Viva über ProSieben und den NDR ins ZDF gefunden hat, erklärt im Gespräch in Berlin, was „Aspekte“ von „Circus HalliGalli“ unterscheidet.

Herr Schlegl, ab Februar wird „Aspekte“ live vor Publikum ausgestrahlt. Als Gäste für die neuen Sendungen sind bereits Künstler wie Maximo Park und Jan Delay angekündigt. Für ein vor Jahrzehnten gestartetes Kulturmagazin im ZDF also Rock’n’Roll. Heißt das, dass Zuschauer in Zukunft auch betont jugendlich mit Hashtags und Facebook-Verweisen bombardiert werden?
Nein, und wir werden auch nicht aus dem Internet vorlesen. Sicher werden wir auch „Aspekte“-Accounts bei Twitter und Facebook bespielen. Aber ich finde es schwierig, diese Verzahnung von Fernsehen und Internet zwanghaft in eine Sendung einzubauen. Bei mehreren Unterhaltungsformaten hat man ja auch schon gesehen, dass das nicht wirklich funktioniert.

Welche Formate fallen Ihnen da ein?
Für Talkshows ist es zum Beispiel sehr einfach, sich Feedback von den Zuschauern aus dem Netz zu holen und User-Fragen vorzulesen. Aber letztendlich ist das auch nichts anderes als Zuschauer per Telefon dazuzuschalten oder Briefe und Postkarten vorzulesen. Ich bin skeptisch, ob es aktuell Formate gibt, die die Online-Welt gewinnbringend integrieren.

ProSieben gelingt es sehr gut, sich mit „Circus HalliGalli“ über den entsprechenden Hashtag regelmäßig auf Twitter ins Gespräch zu bringen. Was halten Sie davon?
„HalliGalli“ ist eine Unterhaltungssendung im Privatfernsehen. Damit können und wollen wir uns nicht vergleichen. Wir versuchen mit dem neuen Format, das „Aspekte“-Niveau zu halten, aber auch die Jüngeren mitzunehmen, die vorher die „heute show“ gucken. Und das soll uns weniger übers Netz als viel mehr über die Künstler gelingen, die zu uns in die Sendung kommen. Wir haben Zusagen von Thees Uhlmann und Jan Delay, und wenn man denen nicht die üblichen Fragen nach der neuen Platte und dem letzten Videodreh stellt, dann finde ich das total spannend. Ich möchte gerne das Fernsehen machen, das ich auch gucken würde. Und dazu habe ich bei „Aspekte“ jetzt die Möglichkeit.

Die Presse konnte bereits rund zwanzig Minuten aus den Probesendungen sehen. Dabei hat Ihr neuer Moderatorenkollege Jo Schück dem Deutsch-Rapper Casper aber auch die üblichen Promo-Fragen gestellt. Wird das bei Uhlmann und Delay also anders sein?
Das kommt immer auf den Gast an. Wir haben in jeder Folge ein Schwerpunktthema, bei den Probesendungen waren das zum Beispiel die Themen Spionage oder der Bau des Berliner Schlosses. Da ist es natürlich schwierig, immer einen passenden Künstler zu finden, der sich zum Thema äußern kann. Aber allein dass diese Künstler zu „Aspekte“ kommen, ist schon ein Statement. Im ZDF gab es abseits des „Fernsehgartens“ bisher keine Sendung, in der Künstler live auftreten konnten. Wir haben jetzt ein Format geschaffen, das nicht nur unterhaltend ist, aber so kredibil, dass die Künstler gern kommen.

Natürlich freuen sich Künstler über jede Sendung, in der sie ihre Arbeit promoten können. Wird „Aspekte“ durch die Neupositionierung nicht zur Marketingplattform für Stars?
Wir werden uns ganz bestimmt nicht für Promo-Zwecke missbrauchen lassen und laden auch nicht jeden Künstler ein. Ich bin ein großes Fan von Thees Uhlmann und freue mich sehr, dass er kommt. Genauso möchte ich aber auch das abbilden, was ich noch nicht kenne. Wenn also jemand aus der Klassik, Aktionskunst oder dem Poetry Slam kommt, dann finde ich das genauso toll. „Aspekte“ soll eine wilde Mischung sein. Wir wollen anecken und die Leute mitreißen.

Die Sendung wird weiterhin auf dem Sendeplatz am Freitag um 23 Uhr laufen. Ist „Aspekte“ so flexibel aufgestellt, dass Sie auch spontan aktuelle Themen aufgreifen können? Wenn eine Julia Engelmann zum Beispiel an einem Mittwoch mit ihrem Poetry-Slam-Text das Netz aufmischt, findet sie dann an einem Freitag bei Ihnen statt?
Da muss man von Fall zu Fall sehen, ob man noch früh genug dran wäre. Ich finde übrigens, dass der beste deutsche Poetry Slammer Bas Böttcher ist. Den würde ich gerne mal in die Sendung holen. Julia Engelmann halte ich eher für ein kurzfristiges Internet-Phänomen, das wir nicht unbedingt aufgreifen müssen. Klar könnte man sie einladen und sie fragen, wie ehrlich sie ihren Text eigentlich gemeint hat oder ob sie nicht einfach nur einen Song übersetzt hat. Aber wir sind keine Hype-Sendung. Ich würde lieber Trends setzen, anstatt auf einen Zug aufzuspringen.

Thees Uhlmann, Maximo Park und Jan Delay kennt doch nun aber auch schon jeder.
Ein bisschen Namedropping wird uns zu Beginn ja auch mal erlaubt sein, oder? Ansonsten wird man aber garantiert noch viel Neues bei uns entdecken können. Ich veranschauliche das mal am Beispiel Amazon: Wenn man da die neue Platte von Maximo Park bestellt – was man im Übrigen nicht tun sollte, weil Amazon böse ist -, dann werden einem andere Empfehlungen aus genau dem gleichen Genre ausgespuckt. Das ist unglaublich langweilig, weil man so niemals auf die Berliner Symphoniker aufmerksam würde. Genau das leisten wir. „Aspekte“ wird ab Februar eine kulturelle Wundertüte sein, die sich aber gleichzeitig auch die Zeit nimmt, die Themen zu vertiefen.

Das Gespräch mit Tobias Schlegl führte Mark Heywinkel

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Alle Kommentare

  1. Well, ich arbeite im software-business, hab nen 170 iq…und brauch (ob vermeidung von google, facebook &co) 30 fucking minutes um euch ne mail zu schicken!?! Welches klientel wollt ihr ansprechen? Bullshit!!! Aber euer beitrag zum islam war toll… Und eure neuern moderatoren sind ebenso toll. Macht euch bitte als einfachen google-search kontakt freier erreichbar

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