Das wundersame Wachstum der Print-Leser

Publishing Lässt sich die Media Analyse zur Ermittlung der Leserzahlen von Zeitschriften noch ernst nehmen? Auch die neueste Ausgabe der ma wird wieder für heftige Diskussionen sorgen. So haben sich die Leserzahlen der meisten Magazine - trotz bekannter rückläufiger Auflagen - mal wieder erhöht. Einige Beispiele zeigen, wie offensichtlich antiquiert das ma-Modell mit Umfragen inzwischen ist. MEEDIA nennt Beispiele und zeigt die Rankings der neuesten ma Pressemedien 2014 I.

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Das Parade-Beispiel in Sachen ma-Irrsinn ist Springers Computer Bild Spiele. Seit Jahren ist die Leserzahl des Magazins stabil. So lasen laut ma 2010 I noch 2,00 Mio. das Games-Magazin. Nun, vier Jahre später, sind es 2,04 Mio. Ein Plus von 40.000 Lesern. Im selben Zeitraum – den vier Jahren zwischen den IVW-Quartalen IV/2009 und IV/2013 ging die verkaufte Auflage des Magazins aber um fast 63% (!) zurück. Mittlerweile kaufen nur noch 101.825 die Computer Bild Spiele. Angesichts der Leserzahl von 2,04 Mio. müssten sich also im Durchschnitt etwa 20 Leute eine Computer Bild Spiele teilen. Wer soll solche Zahlen noch glauben?

Auch die Ausrede, über Bordexemplare, Lesezirkel und sonstige Verkäufe würden viel mehr Leute ein Magazin in die Hände bekommen als der einzelne Kiosk-Käufer, zieht in diesem Fall nicht. Denn: Computer Bild Spiele verfügt derzeit über kein Bordexemplar, nur 37 sonstige Verkäufe und auch nur 618 Lesezirkel. Für 2 Mio. Leser können diese wenigen Hefte nicht verantwortlich sein.

Insgesamt gibt es in der ma Pressemedien 2014 I gegenüber der Vorwelle 2013 II satte 88 Reichweiten-Gewinner, aber nur 69 Verlierer. Selbst unter den 25 Top-Titeln überwiegen die Aufsteiger – mit 15 zu 10. Angesichts der Auflagen-Entwicklung der vergangenen Jahre – die jüngsten Zahlen sehen Sie hier – nicht nachvollziehbar. Da kann Christian Goedecke, Vorstand Publikumszeitschriften der agma noch so oft Sätze zu Protokoll geben wie diesen hier: „Die stabilen Reichweiten gerade in den onlineaffinen jungen Zielgruppen zeigen, dass Zeitschriften nicht durch das Internet ersetzt werden“.

Auch Titel wie TV Movie, der Focus und die Bunte haben laut ma Leser gewonnen. Die Bunte ist mit einem Plus von 440.000 Lesern sogar der Aufsteiger Nummer 1 der jüngsten media analyse. Mit 4,08 Mio. Lesern liegt sie wie die Computer Bild Spiele über der Zahl von vier Jahren (3,86 Mio.). Auch hier ein Vergleich mit der verkauften Auflage: In den vergangenen vier Jahren verlor die Bunte hier laut IVW fast 19%. Dahinter folgt bei den Gewinnern die Neue Post, die 12,9% gegenüber der Vor-ma gewann und sich in den vier Jahren von 2,25 Mio. auf 2,83 Mio. Leser verbesserte. Laut IVW gingen aber 14,4% der Käufer verloren. Auflagen-Verlierer TV Movie belegt zudem Platz 3 der Aufsteiger, die Computer Bild Spiele absurderweise Rang 4.

Im Verlierer-Ranking finden sich TV Spielfilm und tv 14 ganz vorn, auch Der Spiegel gehört mit einem Minus von 2,1% zu den Absteigern.

Reichweitenstärkste Zeitschrift des Landes bleibt natürlich die ADAC Motorwelt: mit 15,74 Mio. Lesern. Dahinter folgen das TV-Supplement rtv und als erste am Kiosk erhältliche Zeitschrift der stern, der sich um 2,4% verbesserte. Gewonnen haben in der Top Ten auch Prisma, TV Movie, Bild der Frau und Focus, mehr als 10% auf den weiteren Rängen wie erwähnt die Bunte und die Neue Post.

Auf den Rängen 26 bis 50 gibt es drei weitere Titel, die ihre Reichweite – laut ma – um mehr als 10% steigerten: Computer Bild Spiele, Für Sie und Das neue Blatt.

Bei den Sonntags- und Wochenzeitungen hat die Bild am Sonntag 1,6% verloren, in den vergangenen vier Jahren von 10,07 Mio. auf 9,33 Mio. Leser zarte 7,3%. Bei der Auflage im selben Zeitraum aber fast 25%. Die Zeit und die Welt am Sonntag legten zu, die F.A.S. verlor hingegen.

Spaß macht es keinen großen mehr, diese Print-ma-Zahlen zu analysieren. Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse agma muss sich im Jahr 2014 mehr denn je fragen, ob eine Erneuerung der Methodik nicht dringend erforderlich ist, wenn man nicht jegliche Relevanz für die Print-MA verlieren will. Denn auch Media-Agenturen, die Anzeigen aufgrund von MA-Zahlen buchen, werden solche wundersamen Zahlen nicht dauerhaft mitmachen, wenn sie sich nicht ständig gegenüber ihrer Kundschaft rechtfertigen wollen. Dabei geht es auch gar nicht darum, die Print-Reichweiten schlechter darzustellen als sie sind – es geht ganz einfach darum, sie endlich realistisch darzustellen.

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