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Eine Ohrfeige für die Weser-Kurier-Chefin

Keine schöne Weihnachtsüberraschung für Silke Hellwig: Die umstrittene Chefredakteurin des Bremer Weser-Kuriers (WK) wird weitgehend entmachtet. Zum Januar bekommt sie einen Co-Chefredakteur an die Seite gestellt, der auch presserechtlich verantwortlich ist. Kommissarisch übernimmt dies der 61-jährige Peter Bauer, bis ein regulärer Zweit-Chef gefunden ist. Ob die Doppelspitze eine Dauerlösung bleibt oder ob Hellwig nach dem Auslaufen ihres Vertrags in wenigen Jahren ersatzlos abgelöst wird, ist unklar.

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Die heute 50-jährige Silke Hellwig war im September 2011 vom damaligen Vorstandsvorsitzenden der Bremer Tageszeitungen AG, Ulrich Hackmack, an die Spitze des WK geholt worden. Damit ist sie auch Chefredakteurin des identischen Zwillingsblatts Bremer Nachrichten und der Regionalausgabe Verdener Nachrichten. Wie schon bei ihrem früheren Arbeitgeber Radio Bremen (RB) machte sich Hellwig auch in der Zeitungsredaktion schnell bei vielen unbeliebt. Denn sie gilt als schroff, autoritär, unkommunikativ und viel zu kontrollierend.Nicht zuletzt wegen ihr verließen nach und nach mehrere renommierte Journalistinnen und Journalisten den WK. Doch Verlagschef Hackmack hielt immer die schützende Hand über sie. Bis er selber im April 2013 abtreten musste – nach einem vor Gericht ausgetragenen Streit zwischen den beiden Eignerfamilien.

Beim verbliebenen dreiköpfigen Restvorstand beklagte sich zuletzt auch der Betriebsrat über Hellwigs Führungsstil. Was letztlich den Ausschlag für ihre Entmachtung gab, wurde bisher nicht bekannt. War es die Sorge ums Betriebsklima? Ist der Vorstand mit der profilloser gewordenen Zeitung unzufrieden? Macht er Hellwig für den Auflagenschwund verantwortlich? Bei ihrem Amtsantritt vor gut zwei Jahren lag die verkaufte Auflage einschließlich E-Paper bei 162.789 Exemplaren – im letzten Quartal waren es nur noch 157.229.

Der Vorstand selbst äußerte sich zu der Personalie nur so: Mit der Doppelspitze wolle der Verlag "sowohl die crossmediale Ausrichtung der Redaktionen schneller vorantreiben als auch die journalistische Qualität der Ausgaben Weser-Kurier, Bremer Nachrichten und Verdener Nachrichten weiter erhöhen". Hellwig werde sich künftig "schwerpunktmäßig vor allem publizistischen Aufgaben widmen" und nicht länger die presserechtlich Verantwortliche sein. Dem kommissarischen zweiten Chef Peter Bauer obliege ab Januar „insbesondere die Koordination und Organisation der verschiedenen Redaktionen einschließlich aller sich daraus ergebenden Aufgaben“ – und zwar solange, "bis ein neuer Chefredakteur gefunden ist". Damit ist nach Aussage von Insidern allerdings nicht gemeint, dass jetzt schon für Hellwig ein Nachfolger gesucht wird, sondern lediglich, dass Bauer bald durch einen regulären zweiten Chefredakteur abgelöst werden soll. Ob der dann dauerhaft neben Hellwig im Amt bleibt oder ob er sie beerben soll, wenn ihr Vertrag in vermutlich drei Jahren ausläuft – darüber gibt es in Redaktionskreisen unterschiedliche Einschätzungen.

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Immerhin hat der Vorstand ihr nach MEEDIA-Informationen auf einer Abteilungsversammlung kurz vor Weihnachten das Vertrauen ausgesprochen. Aber das kann auch nur eine Floskel gewesen sein. Am einleuchtendsten erscheint die Prognose, dass sich der Verlag nach Hellwigs Vertragsende von ihr trennen wird. Bis dahin, glaubt ein Informant, "wird sie als Autorin de luxe mitgeschleift und soll das tun, was sie am besten kann, nämlich schreiben". Dass Bauer nun die presserechtliche Verantwortung erhält und wohl auch für Personalfragen zuständig wird, ist nach Einschätzung einer anderen Quelle "eine absolute Ohrfeige" für die bisherige Alleinchefin.

Mit Bauer als neuem starkem Mann könnte die Redaktion allerdings vom Regen in die Traufe geraten. Vor Hellwigs Zeiten war er mal stellvertretender WK-Chefredakteur, bis er die Geschäftsführung der Verlags-Ausgründung "Pressedienst Nord" (PDN) übernahm – einer nicht tarifgebundenen Tochterfirma, die mittlerweile fünf von acht Lokalausgaben der WK-Mediengruppe im Bremer Umland produziert. Als Bauer noch direkt im Bremer Pressehaus amtierte, klagten Redakteure über seinen Führungsstil: Er sei impulsiv, beschimpfe Kollegen und reiße sexistische Witze. Angeblich soll er sich in den letzten Jahren beim PDN aber geändert haben. Jedenfalls sieht man ihm im WK mit gemischten Gefühlen entgegen. Einer wird nicht mehr lange mit dem 61-Jährigen zu tun haben: Der bisherige Chef vom Dienst, Frank Schulte (39), übernimmt spätestens im April die Leitung des RB-Regionalfernsehmagazins "buten un binnen" und kehrt damit zu seinem früheren Arbeitgeber zurück. Hellwig hatte ihn erst 2012 zum WK geholt. Warum er bald wieder geht, wurde bisher nicht bekannt. Bei "buten un binnen" wird er Nachfolger von Redaktionsleiter Guido Schulenberg, der im Januar eine Teamleitung im dann frisch reformierten gemeinsamen Nordwestradio von RB und NDR übernimmt.

Und noch eine Neuigkeit vom Bremer Personalkarussell: Im Frühjahr hatte der Verlag des Weser-Kuriers angekündigt, die Druckvorstufe zu schließen und den Kundenservice auszulagern. Dafür sollten fast 55 Beschäftigte zum Jahresende entlassen werden – ein Tabubruch bei der Bremer Tageszeitungen AG, die bisher immer auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet hatte. Wie MEEDIA jetzt aber aus Gewerkschaftskreisen erfuhr, wurde für die allermeisten Betroffenen letztlich ein Interessenausgleich gefunden: Sie seien in eine Transfergesellschaft gewechselt oder hätten Abfindungen bekommen. Also doch eine halbwegs frohe Weihnachtsbotschaft.

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