Hier küsst der GQ-Chef seinen Online-Leiter

Das Männer-Lifestyle-Magazin GQ aus dem Hause Condé Nast hat mit der Aktion "Mundpropaganda" eine mächtige Welle losgetreten. Das Magazin überredete prominente, heterosexuelle Männer, sich vor der Kamera zu küssen und damit ein Statement gegen Homophobie abzugeben. Da durfte GQ-Chefredakteur José Redondo-Vega nicht kneifen und ging in den "Nahkampf" mit GQ.de-Leiter Andreas Laux. In MEEDIA erzählt Redondo-Vega wie es war, warum die Aktion weitergeht und welche Medienmänner er gerne knutschen sehen würde.

Anzeige

Und, wie war’s?

Ich schätze den Kollegen Andreas Laux ja sehr. Aber aktuell ist er Bartträger. Für mich ist das also eine doppelte Premiere – ich küsse zum ersten Mal einen Mann und dazu noch einen Bartträger. Es hat sehr gekitzelt.

Bammel gehabt?

Es kostet natürlich Überwindung, klar. Meine ganze Erziehung lief bei mir vor dem inneren Auge ab. Das war ein bisschen so, wie wenn man vom Zehn-Meter-Turm im Schwimmbad springt. Und ich bin noch nie vom Zehn-Meter-Turm gesprungen …

Seid Ihr überrascht von der Menge und Art der Resonanz auf „Mundpropaganda“?

Eindeutig ja! Wir haben natürlich gehofft und vermutet, dass viel gepostet und kommentiert wird. Die Welle, die dann kam, hatte aber keiner von uns vorher erwartet. Ich hatte sogar aus der einen oder anderen Ecke mit einer eher negativen Kommentierung gerechnet. Das sehen wir zumindest auf unseren Portalen bislang aber überhaupt nicht. Es hat mich überrascht und auch berührt, dass die Aktion einen so großen und positiven Widerhall gefunden hat.

Was war der konkrete Anlass für die Kampagne?

In den vergangenen Monaten haben wir immer mal wieder mit Aktivisten gesprochen. Häufig war zu hören, dass Homophobie derzeit zunimmt. Es ist bemerkenswert, dass wir uns im Zeitalter der angeblich so liberalen Gesellschaft mit ihren Sozialen Netzwerken über so ein Thema noch unterhalten müssen. Aber Homophobie ist weiterhin überall Thema: in Russland, Europa, Asien, den arabischen Ländern, Afrika … GQ ist ein per se männliches Magazin, ganz egal ob das nun hetero- oder homosexuelle Männlichkeit betrifft. Also gehört das Thema bei uns auf die Agenda. So entstand die Idee zu der Kampagne.

Die Medienbranche gilt als super-offen und mega-tolerant. Gibt es im Medienbusiness Homophobie?

Die Lifestyle-Branche ist vielleicht einen Tick offener und kreativer und es bewegen sich überdurchschnittlich viele homosexuelle Menschen darin. Aber wir dürfen uns nichts vormachen: Homophobie fängt in unserer eigenen Branche an. Da wird manchmal eine vermeintliche Volksmeinung transportiert, um Auflage zu machen. Es gibt leider immer wieder sehr aktuelle und sehr schmierige Beispiele dafür, dass unsere Branche hier nicht als Vorbild gelten kann.

Was war die schönste und was die dämlichste Reaktion auf die Mundpropaganda?

Die dämlichste Reaktion war, dass ein Promi bei der Anfrage sofort den Hörer aufgeknallt hat.

Wer?

Das sagen wir natürlich nicht. Die schönste Reaktion war, dass ein anderer Promi einen Lachkrampf bekommen hat und als er wieder sprechen konnte begeistert zugestimmt hat. Herbert Grönemeyer hielt das auch von Anfang an für eine super Idee. Er wollte aber nur mitmachen, wenn August Diehl sein Partner ist. Es hat uns dann fast an den Rand des Wahnsinns getrieben, die beiden für das Shooting zusammenzubringen. Und jahrelang haben sich Moses Pelham und Thomas D. öffentlich bekriegt. Die haben sich dann zwar irgendwann versöhnt, das aber noch nie so offensiv gezeigt wie jetzt bei dieser Aktion. Ich rechne das beiden hoch an, so offen mit dem Thema umzugehen ist für die Rapperszene auch nicht gerade selbstverständlich. Es gibt ganz viele wunderschöne Anekdoten rund um die Aktion.

Was wäre die absolute Traumpaarung aus der Medienszene?

Ganz einfach: Kai Diekmann und Mathias Döpfner – das wäre mein persönlicher Traum.

Habt ihr Kai Diekmann schon angefragt?

Noch nicht. Die Aktion soll aber keine Eintagsfliege sein. Das Blog bleibt, der Hashtag bleibt, die Facebook-Seite bleibt. Wir müssen uns nun überlegen, welche neuen Paarungen wir da finden. Persönlich würde ich mich sehr freuen, wenn diese beiden Herren daran teilnehmen würden.

Kai Diekmann dürfte kein Problem sein, der macht wahrscheinlich alles mit, so wie er derzeit drauf ist. Döpfner dürfte die härtere Nuss sein …

Ich glaube, man darf Mathias Döpfner da nicht unterschätzen. Er ist als liberaler Geist immer für eine Überraschung gut.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige