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Porno-Abmahner kündigt neue Wellen an

Erstmals hat sich Thomas Urmann zu Wort gemeldet, jener Anwalt von dessen Kanzlei U+C die Massen-Abmahnwelle in Bezug auf das Porno-Streaming-Portal RedTube losgetreten wurde. Gegenüber dem Anwalt Christian Solmecke erklärte Urmann, dass die aktuelle Abmahnwelle von geschätzten 10.000 Abmahnungen erst der Anfang gewesen sei. Er rechne in Zukunft noch mit vielen weiteren Abmahnungen wegen angeblich illegaler Online-Streamings.

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Hintergrund: In den vergangenen Tagen wurden zig tausende Internet-Kunden der Deutschen Telekom von der Regensburger Kanzlei U+C abgemahnt, weil sie angeblich illegal Pornofilme über das Internet-Streaming-Portal RedTube angeschaut hätten. Urmann erklärte, dass auch gegen andere Provider außer der Telekom Auskunftsbeschlüsse ergangenen seien. Seine Kanzlei habe wegen der Masse der Fälle allerdings nicht alle Abmahnungen gleichzeitig verschicken können. Auch sei RedTube nicht die einzige Streaming-Plattform, die überwacht werden könne.

Bislang waren Rechtsexperten davon ausgegangen, dass das bloße Anschauen eines Films im Netz nicht illegal ist, zumal wenn der Nutzer nicht erkennen kann, dass es sich bei dem Streaming-Portal Urheberrechte verletzt werden. Dem widerspricht nun der Anwalt Thomas Urmann gegenüber dem Anwalt Christian Solmecke, der viele Abmahn-Opfer vertritt. “Hier ging es doch um Progressive Downloading. Fragen Sie mich nicht zu den technischen Details, aber auf Wikipedia ist nachzulesen, dass nach dem Anschauen eines solchen Streams nachher die gesamte Datei im temporären Ordner auf der Festplatte liegt“, wird Urmann zitiert. U+C vertritt wenig überraschend die Rechtsauffassung, dass das temporäre Ablegen einer Datei im Speicher mit dem Ziehen und verbreiten einer Kopie gleichzusetzen ist.

In der unklaren Frage, wie die Abmahn-Anwälte überhaupt an die IP-Adressen der Nutzer gelangten, schweigt Urmann und beruft sich auf seine anwaltliche Schweigepflicht. Die Kanzlei führe derzeit rund 500 Telefonate mit Abgemahnten. Urmann:  “Natürlich sind da auch Hausfrauen dabei, die jetzt ihren Männern die Hölle heiß machen. Letztlich sind die Gespräche jedoch alle sehr sachlich und nüchtern.“ Urmann gehe davon aus, dass in den kommenden Jahren noch viele Abmahnungen wegen Streaming-Nutzung folgen.

In der Zwischenzeit haben sich erste Betroffene gegen die aktuelle Abmahnwelle juristisch zur Wehr gesetzt. Mindestens ein Strafantrag wurde gestellt und es läuft eine negative Feststellungsklage. Verbraucherschützer raten dazu, die Abmahnung von U+C wegen der erheblichen Zweifel an deren Rechtmäßigkeit zunächst nicht zu zahlen.

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