JvM windet sich aus Sexismus-Shitstorm

Aufschrei vor der Weihnachtsfeier. Man kann ja mal einen raushauen, dachte sich Jung von Matt – und erlaubte sich auf der Facebook-Seite einen ziemlich männlichen Scherz. Zu sehen ist, bzw. war: Ein Dekolleté, das weibliche Vorzüge betont. Begleitender Text des Postings: "Wir freuen uns jetzt schon auf die Weihnachtsfeier am Freitag. Klamotteninspiration für die Damen?!" Am Dienstag machte die Werbeagentur einen Rückzieher, löschte den Post und entschuldigte sich.

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Wenn es der provokante Abschluss im Jahr des #aufschreis sein sollte – der Scoop ist JvM gelungen. Im negativen Sinn. Die hochdekotierte Kreativagentur von der Elbe löste am Montag einen vorweihnachtlichen Shitstorm mit Anlauf selbst aus. Auf der Facebook-Fanpage zu sehen war ein raffiniertes Dreiecks-Dekolleté, das die Brüste einer namen- und kopflosen Protagonistin in Szene setzte. Nicht, wie es Miley Cyrus, Lil’ Kim oder Heidi Klum tun würden – es gab durchaus noch eine ganz Menge verhüllte Haut. Und sogar ein Schleifchen.

Gelöschtes Facebook-Posting der Agentur JvM

Doch die begleitende Botschaft war so geistreich wie ein Stammtisch nach der vierten Maß: „Wir freuen uns jetzt schon auf die Weihnachtsfeier am Freitag. Klamotteninspiration für die Damen?!“ Ok: Ein Schenkelklopfer für echte Agentur-Macker eben. Nur: Aus der Nummer kommt der Social Media-Manager eher nicht mehr raus. Außer man meint, eine radikale Löschung des gesamten Posts samt Kommentaren würde das Posting aus der Welt schaffen.

WTF-Moment:  Wie, um alles in der Welt, konnte dieses Posting passieren?

Natürlich raste der Web-Mob wie auf Bestellung: „Sexistische Kackscheiße für alle?!“, fragte sich Malte Tietjen. „Für eine "Kreativagentur" ziemlich unkreativer, plumper Scheiß, den ihr da postet“, fällte Julia Anna ein vernichtendes Urteil.

„Wow. Ernsthaft, Jung von Matt? Dachte zuerst an ein Fake, traurig, dass das Bild und der Text wahr sind“, äußerte sich Sarah Geser unisono kopfschüttelnd. „Hoffe, dass als nächstes die Nachricht kommt, dass diese Seite gehackt wurde und irgendein Vollidiot dieses Bild gepostet hat.“ Es ist der klassische WTF-Moment: Wie, um alles in der Welt, konnte bitteschön dieses Posting passieren?

No-Go-Montagsabend-Posting: Aus der Hüfte rausgehauen
Der Post wurde gestern um kurz nach 18 Uhr eingestellt – und offenkundig danach erst einmal vergessen. Aber, siehe da: Um 10 Uhr morgens postete JvM: "Verstanden! Mit dem Bild sind wir klar übers Ziel hinausgeschossen. Wir entschuldigen uns für den Fehlgriff und nehmen den Post von der Seite." Die Kommentatoren sind gespalten: Die einen behaupten, so schlimm sei das Posting ja nicht gewesen. Die anderen meinen wie Jürg Wyss: "Und damit ist auch all die Kritik an Eurem Verhalten so einfach gelöscht? Pffft. Begriffen habt Ihr nicht viel. Fail."

Einer smarten Werbeagentur angemessen wäre es gewesen, das dümmlich-provokante Posting wäre nur die Ouvertüre für eine Kampagne in eigener Sache mit Hintergedanken gewesen. Mit einer Auflösung, bei der alle gesagt hätten: Oh, da hat sich ja mal jemand was bei gedacht. Die Agenturheinis haben verstanden, wie Social Media funktioniert. Nur, leider leider: Hinter dem Posting steckte nur ein doofer und belangloser Herrenwitz.

Es war 2006, als Jean-Remy von Matt die Bloggerbanausen mit den legendären Worten "Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern?" vorknöpfte. Blogs, das wären schließlich nicht weniger als "Klowände des Internets", echauffierte sich der Agentur-Mitbegründer seinerzeit. Wir verstehen: Auch JvM-Mitarbeiter sind ganz gut im Absondern von Klopostings. 

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