Wie sich N24 bei Springer in die Zukunft rettet

Hätte Mathias Döpfner die ProSiebensat.1-Gruppe im Jahr 2005 übernehmen können – das Unternehmen Axel Springer stünde heute vermutlich ganz anders da. Besser allerdings nicht. Mit der Übernahme des Nachrichtensenders N24, der einst zu P7S1 gehörte, greift sich Döfpner acht Jahre später den Baustein, den er im Sinne seiner Strategie brauchen kann. Denn Verlage brauchen Bewegtbilder. Und für N24 ist der Kauf die Rettung unter ein neues Dach.

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Döpfner hatte 2005, nachdem er die Sendergruppe P7S1 nicht übernehmen durfte, einen Strategieschwenk vollzogen. Was Bewegtbilder anging, sollte der Konzern nun eigene Angebote aufbauen. Motto: Kostet weniger, dauert dafür aber länger.
Gleichzeitig stieg der Handlungsdruck bei N24. P7S1- Konzernchef Thomas Ebeling hatte den Sender 2010 mit Kusshand an seinen Manager Torsten Rossmann und Stefan Aust abgegeben, die sich ihrerseits Investoren ins Boot geholt hatten. Laut Berichten zahlten die Käufer damals nur 25.000 Euro, die Restrukturierung des Berliner Senders wurde von den Münchnern noch spendiert. Dazu gab’s auch die Produktionsfirma MAZ & More TV, die u.a. das Frühstücksfernsehen für Sat.1 besorgt (hier ein MEEDIA-Interview mit Rossmann aus dem Jahr 2010). 
Warum war Ebeling so daran gelegen, N24 loszuwerden? Nachrichten, so zitierte ihn mal die Süddeutsche Zeitung, seien vielleicht für Politiker wichtig, aber nicht für alle Zuschauer. Vor allem aber ist die originäre und qualitativ anständige Produktion von Nachrichten teuer – läst sich aber nicht ganz so gut vermarkten, also von Werbeschaltungen refinanzieren. Freilich brauchen die Sender auch von P7S1 News, das ist für Vollprogramme verpflichtend. Und darum belieferte N24 fortan die Sender der Gruppe mit News – für etwa die Hälfte der Produktionskosten, die unter dem Dach der Münchner angefallen wären. 2012 schrieb der Sender nach eigenen Angaben immerhin schwarze Zahlen. (Nachtrag: Bei N24 heißt es, der Sender habe "immer schon" schwarze Zahlen geschrieben.)
Als einen Nebenschauplatz gab es in diesem Zusammenhang über die Jahre noch die Debatte, wie unabhängig N24 wirklich ist. P7S1 blieb stets auf dem Laufenden, was die Finanzen des Senders anging. Im Kaufvertrag stehe laut SZ auch ein Vorkaufsrecht für die Sendergruppe.
Mit dem Verkauf an Springer sind einige Probleme und Fragen nun vermutlich vom Tisch. Erstens: N24 bekommt seine Unabhängigkeit von P7S1 und damit auch eine Bestandsgarantie unter dem Dach von Springer. Als Sendermarke, wohlgemerkt. Was sich intern bei N24 ändert, wird sich zeigen. Zweitens: Wie lange man die P7S1-Sender noch mit Nachrichten beliefert, wird sich ebenfalls zeigen – solange der Deal währt, dürfte das im neuen Verbund ein lukratives Nebengeschäft sein.
Drittens: Springer verschmelzt die Digitalredaktion von N24 mit der Welt-Redaktion und schafft Synergien. Das Wort wird zweifellos oft missbraucht, hier könnte es nun endlich mal zutreffen. Denn News-Plattformen von Verlagen brauchen dringend Bewegtbildangebote. Sie lassen sich besser monetarisieren, sie sind ideal mobil abrufbar, sie werden immer häufiger nachgefragt. Klarer Fall, dass die Art der Videos, die künftig entstehen, sich auch ändern wird und muss.
Kurz gesagt: Der Kauf ist für N24 die Rettung – und Springer kann aus N24 mehr machen, als der Sender heute ist. Und am Ende des Tages ist die Investition, die nicht die Welt gekostet haben dürfte, auch ein Investment ins Marketing. Botschaft: Springer hat eine konsequente Digitalstrategie, auch für Inhalte. An dieser Botschaft waren nach dem Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften an die Funke Mediengruppe Zweifel aufgekommen. 

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