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Presserat rügt Junge Freiheit und Bild.de

Die drei Beschwerdeausschüsse des Deutschen Presserats haben zum letzten Mal in diesem Jahr getagt. Bei insgesamt 103 Beschwerden sprachen die Medienwächter sechs Rügen aus. Für die Zeile „Zigeuner können Sozialhilfe bekommen“ kassierte die Junge Freiheit eine Rüge wegen Diskriminierung. Bild Online dagegen setzte in einer Story über vorzeitigen Samenerguss auf zu viel PR-Material. Gleich zwei Rügen gab es, weil zwei Titel bei unzulässige Koppelgeschäften erwischt wurden.

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Nicht so häufig entscheiden sich die Pressewächter dafür, Kommentare zu rügen. Im Fall der Leipziger Volkszeitung geschah dies allerdings nun, weil in einem Meinungstext über eine NPD- und eine Antifa-Kundgebung von „braunem und rotem Abschaum“ die Rede war. „Menschen als ‚Abschaum‘, also Abfall, zu bezeichnen, verletzt die Menschenwürde der Betroffenen“, merkte dazu nun der Presserat an.

Ebenfalls wegen eines politischen Themas wurde die Junge Freiheit gerügt. Die Zeitung berichtete über die Entscheidung des Landessozialgerichts Essen, dass auch Einwanderer aus Bulgarien und Rumänien Anspruch auf Sozialleistungen in Deutschland haben, mit der Zeile „Zigeuner können Sozialhilfe bekommen“. Nach Meinung des Presserates hätte die Junge Freiheit damit suggeriert, dass das Gericht eine Sonderregung für eine bestimmte ethnische Minderheit im Sozialrecht geschaffen hätte. „Für die willkürliche Heraushebung dieser Minderheit durch die Redaktion sah der Ausschuss keinen sachlichen Grund. Sie wirkt diskriminierend.“

Eine öffentliche und eine nicht-öffentliche Rüge sprach der Ausschuss gegen Bild Online aus. Bei der Nicht-Öffentlichen ging es um eine Story, bei der das Boulevard-Portal namentlich über einen Landtagsabgeordneten berichtet hatte, der in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden war. Solche Berichte gehören, nach Meinung der Medienwächter, in den Bereich der Privatsphäre.

Die öffentliche Rüge kassierte Bild.de dagegen für einen nicht als PR gekennzeichneten Text über die medikamentöse Therapie bei vorzeitigem Samenerguss. "Die Redaktion hatte darin umfangreich Material einer für den Medikamentenhersteller tätigen PR-Agentur wörtlich übernommen und nicht entsprechend gekennzeichnet“, erklärte der Presserat.

Zudem wurde der Dingolfinger Anzeiger und die Modellbauzeitung RC-Freizeit wegen Koppelgeschäften gerügt. So soll die Zeitung die redaktionelle Ankündigung einer Kabarettveranstaltung von der Schaltung einer Anzeige abhängig gemacht haben.

Der Chefredakteur der RC-Freizeit soll einem Leser, der nach Testberichten zu bestimmten Produkten gefragt hatte, mitgeteilt haben, dass man über diese Produkte weder berichtet habe noch berichten werde. Grund sei, dass die Hersteller in der Zeitschrift keine Anzeigen schalteten. „Redaktionelle Berichterstattung auf diese Weise von Anzeigenaufträgen abhängig zu machen, ist nicht mit dem Trennungsgrundsatz nach Ziffer 7 Pressekodex vereinbar“, argumentiert der Presserat.

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