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SPD-Medienholding in der neuen Wirklichkeit

Die Gewerkschaft Verdi will mit der Mediengruppe Madsack in Tarifverhandlungen für die Mitarbeiter des verlagseigenen Kunden Service Center (KSC) in Tarifverhandlungen treten. Auf Grund der wirtschaftlich angespannten Lage lehne der Verlag Gespräche über einen Haustarifvertrag allerdings ab. Unterstützung findet er bei Madsack-Mitgesellschafter ddvg, der Medienholding der SPD. Jetzt wollen die 80 Mitarbeiter am Donnerstag demonstrieren.

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Das Beispiel KSC zeigt, wie Verlage in angespannten Zeiten mit Tochterunternehmen umgehen – und wie möglicherweise politische Ziele der SPD von Unternehmen, an denen die Partei beteiligt ist, konterkariert werden. "Wir demonstrieren vor der ddvg in Hamburg, weil wir eine andere Erwartungshaltung an den SPD-Gesellschafter bei der Mediengruppe Madsack haben, als deren kategorischem nein zu Tarifverhandlungen", sagt Lutz Kokemüller, Landesfachbereichsleiter von Verdi Niedersachsen. 
Die Medienholding verteidigte ihre Position, keine Gespräche über Haustarife für die rund 80 Angestellten führen zu wollen, bereits in einem Schreiben an die Mitarbeiter. Die Gewerkschaft veröffentlichte dies im Internet. Darin schreibt Jens Berendsen, Geschäftsführer der ddvg: Die "neue Wirklichkeit mit sinkenden Auflagen und sinkenden Anzeigenerlösen begrenzt die Spielräume der Verlage bei Personal- und Sachkosten in einer Art und Weise, wie wir sie vorher nicht gekannt haben." Der Verlag hätte ihnen versichert, dass es ein Problem damit gäbe, die Gehälter der Mitarbeiter unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens zu gestalten.

"Falls aber genau dies für Sie Bedingung eines konstruktiven Dialogs ist, müssen wir das zur Kenntnis nehmen. Aber wir bitten Sie zu beachten, dass die wirtschaftliche Situation des Unternehmens sich so darstellt, wie die Geschäftsführung es auch Ihnen mitgeteilt hat. Es geht hierbei nicht um ‚Angstmache‘, sondern darum, die ökonomischen Rahmendaten offenzulegen und zur Kenntnis zu nehmen", heißt es weiter. Dabei müssen die Manager eingestehen, dass sie keinen direkten Einblick in die Geschäftsbücher der Mediengruppe haben. Die ddvg hält 23,1 Prozent an Madsack. 
Weiter verteidigt Berendsen die aktuellen Investitionen des Verlages. "Diese Expansion der Mediengruppe Madsack ist nichts anderes als eine Überlebensstrategie des Unternehmens in einem schrumpfenden Markt. Triebfeder hierfür waren nicht die Gier der Gesellschafter oder der Größenwahn der Geschäftsführung, sondern eine Analyse dessen, wie sich der deutsche Zeitungsmarkt verändern wird. Die Mediengruppe Madsack gehört dabei zu einer Handvoll von Verlagen, die sich als Konsolidierer verstehen und deshalb gute Chancen haben, gestärkt aus diesem Strukturwandel hervorzugehen." Um den Konzern über Wasser zu halten, sei auch die KSC und ihre Mitarbeiter wichtig. Deshalb hätte man bei Madsack die Defizite aus dem Call-Center-Geschäft jederzeit eingeplant.
"Wären die Zeiten andere, würden sich viele der jetzt oder im Fall von KSC schon vor längerem aufgeworfenen Fragen nicht stellen: Bei wachsenden Umsätzen und Erträgen würde kaum ein Verlag über Ausgründungen, Fremdvergaben und Personalabbau nachdenken. Leider sind diese Zeiten für Verlage auf absehbare Zeit vorüber, und die Verlage müssen sich neu strukturieren", so Berendsen.
"Die bisherigen Statements der SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks und des ddvg-Geschäftsführers, Jens Berendsen, passen nicht zu dem Eintreten der SPD in der Öffentlichkeit, wenn sie sich für gute und gutbezahlte Arbeit einsetzen. Wir erwarten von dem sozialdemokratischen Minderheitengesellschafter, dass sie als Gesellschafter eine Stimme für Tarifverhandlungen sind. Bisher stehen sie auf der Seite der Verweiger", so Kokemüller. Die Gewerkschaft ruft die KSC-Mitarbeiter für Donnerstag, den 5. Dezember 2013, zum gemeinsamen Streik vor den Geschäftsräumen der ddvg in Hamburg auf.
Die KSC ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Mediengruppe Madsack. Zwar würden die Löhne der Mitarbeiter um den von der SPD geforderten und im Koalitionsvertrag festgehaltenen Mindestlohn liegen, betont Konkemüller. Allerdings arbeiten die KSC-Mitarbeiter ohne jegliche Tarifbindung, die seit Jahren im Interesse der Gewerkschaft liegt. Den Vorwurf, sich als SPD-Medienholding gegen die Interessen der Partei zu stellen, verteidigt ddvg-Chef Berendsen: "Schließlich gibt es hier institutionelle Interessengegensätze zwischen Gewerkschaft und Unternehmen. Dies gilt auch für Unternehmen, an denen die ddvg beteiligt ist."

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Vor knapp einem Jahr musste die ddvg bereits die Insolvenz der Frankfurter Rundschau hinnehmen, an der sie als Gesellschafter beteiligt war.

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