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So sieht Büchners Spiegel-Strategie aus

Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner hat am Montagvormittag seine Strategie für das Nachrichtenmagazin vorgestellt. Nicht nur verändert sich der Erscheinungstag – MEEDIA berichtete – sondern auch das gedruckte Heft und, für die Zukunft noch wichtiger, der digitale Spiegel. Nach MEEDIA-Infos soll das Magazin im ersten Halbjahr 2014 eine veränderte Optik bekommen. Der digitale Spiegel soll um Rechercheergebnisse erweitert werden. Spiegel Online bleibt kostenlos und soll mobiler werden.

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Büchner hatte seinen Job im September angetreten, war dabei wegen der heftig umstrittenen Personalie Nikolaus Blome ins Kreuzfeuer geraten. Er ist nun etwa 100 Tage im Amt. Am Montag verkündete der Chefredakteur gegenüber Ressortleitern des gedruckten Magazins und Spiegel Online seine Marschrichtung. Laut Teilnehmern der Ressortleiterrunde sind dies die wichtigsten Eckpunkte:
Spiegel Online bleibt weiter kostenfrei. Die Website solle sich weiter von Wettbewerbern über ein Reichweitenmodell absetzen, aber auch qualitativ zulegen. Die Nutzung werde in Zukunft vor allem mobil sein, darauf soll die Seite optimiert werden. Es soll noch mehr Bewegtbilder als bisher auf der Seite geben.
Der digitale Spiegel, also die digitale Version des gedruckten Magazins als App, soll attraktiver – und offenbar deutlich aggressiver angeboten werden. Der Ausbau hat die Schlagworte Dialog, Recherche und Alert. Dialog sind dabei Wege für Leser, mit der Redaktion bzw. den jeweiligen Autoren Kontakt aufzunehmen. Alert bedeutet, dass Nutzer des digitalen Spiegel über aktuelle Themen auf dem Laufenden gehalten werden, zum Beispiel per Mail oder Push-Meldungen aufs Handy oder Tablet. Künftig sollen die Stories geteilt werden können.
Unter dem Stichwort Recherche scheint sich das aufwändigste Projekt zu verbergen. Zahlende Nutzer sollen zu jedem Beitrag zusätzliche Informationen und Rechercheergebnisse abrufen können. Büchner soll das Prinzip intern einmal "Eisberg" genannt haben – hinter jeder Story stecken Dokumente, Bilder, andere Infos und Materialien. Zu denen erhalte nun jeder Nutzer Zugang. Es gehe um mehr Transparenz.   
Die Stories aus dem gedruckten bzw. digitalen Spiegel sollen nach dem Willen der Chefredaktion offensiver bei Spiegel Online "beworben" werden. Gratis gab’s bisher immer eine Handvoll Beiträge aus dem Heft, über die Woche verteilt. Damit scheint nun Schluss zu sein. Nun soll jede auf der Homepage angerissene Geschichte aus dem Spiegel zu einer Aufforderung zur Registrierung führen. Paid Content beim Spiegel ist damit gewissermaßen der Spiegel selber, der nun ganz ins Netz gestellt wird, aber nur noch gegen Geld zu lesen ist.
Die Redaktionen Print und Online rücken enger zusammen, eine Zusammenlegung von Print- und Online-Ressorts ist aber anscheinend zunächst nicht vorgesehen. Es soll offenbar mehr Absprachen zwischen Print und Online geben. Gleichzeitig sollen aber Kauf-Spiegel und Spiegel Online deutlicher als bisher unterscheidbar sein. Neu im Heft eingeführt wird das Ressort "Netzwelt", das es bei SpOn bereits gibt.
Der Bezahl-Spiegel soll im ersten Halbjahr optisch weiterentwickelt werden. Art Director Uwe Beyer habe den Ressortleitern erste Entwürfe vorgestellt. Der Hefteinstieg solle sich ebenfalls ändern, und es solle künftig einen Leitartikel geben. Ein Team soll sich offenbar auch um die legendäre Spiegel-Sprache kümmern, die künftig mehr "auf Augenhöhe" mit den Lesern klingen soll. Und ab 2015 erscheint der gedruckte Spiegel immer schon am Samstag.

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