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Das Ende des TV, wie wir es kennen

Hierzulande erwirtschaften Privat-TV-Konzerne wie die RTL Group und ProSiebenSat.1 exzellente Renditen. Und der Pay-TV-Anbieter Sky steuert erstmals in seiner Geschichte auf eine unterm Strich schwarze Jahresbilanz zu. Schaut man allerdings in die USA, sieht die Zukunft der Gattung TV dort gar nicht rosig aus. Das US-Blog Business Insider hat eine Reihe von Fakten und Statistiken zusammengestellt, die fürs klassische lineare Fernsehgeschäft schwierige Zeiten ahnen lassen.

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Die Zahlen, die Business Insider unter der martialischen Überschrift “TV Is Dying, And Here Are The Stats That Prove It” (“TV stirbt und hier sind die Statistiken, die es beweisen”) zusammengetragen hat, beziehen sich hauptsächlich auf das Kabelfernsehgeschäft in den USA. Nicht alles davon ist auf europäische oder gar deutsche Verhältnisse übertragbar – einiges aber womöglich schon.

So hatten die US-Kabel-TV-Anbieter im 3. Quartal 2013 den größten Kundenschwund aller Zeiten zu beklagen. TV, Breitband-Internet- und Telefon-Anbieter hätten in den drei Monaten brutto 687.000 zahlende Kunden verloren und nur 574.000 neue hinzugewonnen. Die Kundenbasis ist netto also um 113.000 geschrumpft.  Seit 2010 würden sich die Kündigungen von Kabel-TV und Breitband-Verträgen auf fünf Millionen summieren.

Gleichzeitig sinken die Einschaltquoten bei den großen US-Kabel-TV-Anbietern. Sogar die Quoten für US-Spitzensport, wie Baseball- oder Basketball-Übertragungen sinken – vor allem bei der jungen Zielgruppe. In diesem Jahr könnte die Zahl der Kabelfernseh-Abonnenten in den USA erstmals unter die 40-Millionen-Marke fallen. Sogar die Zahl der Haushalte in den USA, die überhaupt einen Fernseher besitzen, sinkt seit 2011 leicht ab.

Warum diese Entwicklung? Die Antwort scheint mal wieder im unaufhaltsamen Aufstieg des mobilen Internet zu liegen. Noch stärker als die Kabel-TV-Nutzung in den USA sinkt, steigt die Nutzung von mobilen Video-Inhalten auf Tablets und Smartphones dramatisch an, und zwar gerade bei Tablets zur abendlichen TV-Primetime. In der US-Medienszene werden Tablets und Co. darum auch Vampir-Medien genannt – sie kommen nachts raus …

Und: Lineares Fernsehen bekommt mit On-Demand Diensten wie Netflix (USA), iTunes oder hierzulande Maxdome, Videoload, Watchever und Lovefilm immer stärkere Konkurrenz. Verdeckt wird diese fürs TV nachteilige Entwicklung dadurch, dass die Werbe-Ausgaben dem veränderten Nutzerverhalten (noch) nicht gefolgt sind. TV vereint nach wie vor den Großteil der weltweiten Werbespendings auf sich, u.a. auch deshalb weil Digitalwerbung es noch nicht geschafft hat, adäquate Werbeformate für Image-Werbung zu entwickeln. Es dürfte allerdings nur eine Frage der Zeit sein, bis die Werbeausgaben den Zuschauern ins Digitalreich folgen. Dann könnten für die TV-Branche weltweit sehr schwierige Zeiten anbrechen.

In den USA schaffen es Pay-TV-Anbieter noch durch höhere Preise den Rückgang an Abonnenten zu überkompensieren. Will heißen: Weil dem einzelnen Abonnenten mehr Geld abgeknöpft wird, steigen die Umsätze obwohl die Abo-Zahlen fallen. Dies ist eine überaus gefährliche Strategie, weil man die Preisschraube nicht endlos anziehen kann und am Ende mit deutlich geschrumpfter Kundenbasis dasteht. Dies ist übrigens genau dieselbe Strategie, die viele Verlage bei ihren Zeitungen und Zeitschriften anwenden, die Auflage verlieren.

Nachrichten vom Tod des TV dürften derzeit noch reichlich übertreiben sein. Die Zeichen, dass die TV-Branche mit der Digitalisierung künftig deutlich größere Schwierigkeiten als bisher bekommt mehren sich aber.

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