Microsofts Eigentor gegen Google

Im Netz ist eine Kampagne aufgetaucht, die Bewusstsein dafür schaffen will und gleichzeit davor warnt, woher Google Datensätze seiner Nutzer zieht und was die Suchmaschine anstellt, um Nutzerdaten zu monetarisieren. Hinter der Kampagne steht - und das sogar ganz offensichtlich - der Softwarehersteller und Google-Konkurrent Microsoft. Die Aktion ist eine eindeutige Anti-Google-Offensive, die sich allerdings als Eigentor entpuppt. Wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen.

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Scroogled heißt die Kampagne, mit der das IT-Unternehmen aktuell gegen Suchmaschinenbetreiber Google schießt. Offiziell als Aufklärungsmission verpackt, erklärt der Software-Hersteller, an welchen Stellen, wie oft und welche Daten Google über Gmail-Konten bezieht, um sie durch ihre Algorithmen laufen zu lassen. Ebenfalls erklärt die Kampagne, wie Google mit den Daten Werbekunden lockt, also Geld verdient. Die Erkenntnisse aus dem Aufklärungsstreifen, den Microsoft extra produzieren ließ, sind nicht neu – und deshalb nicht brisant.
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Interessanter ist die Aggressivität, mit der Microsoft Google diskreditieren will. Neben dem Video existiert eine Kampagnen-Seite im Web, die „aufklären“ und Google mit Hilfe einer Petition sogar stoppen will, die E-Mails seiner Nutzer mitzulesen.
Gleichzeitig haben sich die Verantwortlichen von Microsoft wohl gedacht, die Investitionen für die Kampagne mithilfe eben dieser wieder hereinzuholen. In einem eigens angelegten Scroogled Store können Unterstützer Basecaps, T-Shirts und sogar Kaffee-Tassen mit dem Aufdruck „Keep calm while we steal your data“ erwerben.

Microsoft versucht nicht zum ersten Mal Web-Nutzer zum Boykott von Google zu bewegen. Auch die Kampagne "get scroogled" ging 2012 live. Vor fast genau einem Jahr ergriff Microsoft mit seiner Suchmaschine Bing die Initiative. Damals wurde kritisiert, dass zahlende Händler in Google bessere Rankings bekommen sollten.
Für Microsoft ist die Aktion ein Eigentor. Denn auch der Software-Hersteller bedient sich bei den Daten seiner Kunden. Der E-Mail-Dienst Outlook arbeitet ebenfalls mit Cookies, um „Interaktionen mit Microsoft-Websites und –Diensten verfolgen und personalisierte Dienste anbieten zu können". Auch werden Daten abgespeichert, um „mithilfe von automatisierten Verfahren Informationen aus E-Mail-Nachrichten, Chats oder Fotos“ zu filtern, die dabei helfen sollen, gegen Spam vorzugehen oder die eigene Produktpalette weiterzuentwickeln, heißt es in den Nutzungsbedingungen.

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