Soll Bilanz Springers Image aufpolieren?

Die Wirtschaftspresse gilt nicht unbedingt als Genre, das sich zurzeit für Markteinführungen empfiehlt. Und doch macht gerade eine Geschichte die Runde, die diesem Trend entgegenliefe, würde sie sich denn bewahrheiten. Demnach soll die Axel Springer AG, eher papieraverser Medienkonzern, den Launch der Wirtschaftszeitschrift Bilanz in Deutschland planen. CEO Mathias Döpfner wolle damit auch seine Reputation als Verleger wiederherstellen. Journalisten werden für das Projekt bereits gehandelt.

Anzeige

Offiziell nimmt die Springer AG keine Stellung zu der Spekulation. Berichte u.a. bei Horizont und New Business bestätigen allerdings Informationen von MEEDIA, das ein Wirtschaftsitel bei Springer in der Mache ist. Dem Vernehmen nach werden derzeit Mitarbeiter für eine Redaktion in Berlin gesucht. Gehandelt für eine leitende Position wird auch Arno Balzer, der beim ManagerMagazin geschasste Chefredakteur. Für Balzer wäre die Rückkehr unter Springer-Flagge ein Coup.
Recht dürfte ihm die Spekulation zum jetzigen Zeitpunkt aber dennoch nicht sein, klagt er doch vor dem Arbeitsgericht in Hamburg gegen seine Kündigung beim ManagerMagazin. Arno Balzer wäre für ein recherchegetriebenes Wirtschaftsformat in der Tat eine naheliegende Wahl. Er ist einer der am besten vernetzten Wirtschaftsjournalisten der Republik, das attestieren ihm sogar seine Kritiker. Balzer selbst schreibt auf MEEDIA-Nachfrage aus dem Urlaub, er spiele bei einem solchen Projekt "keine Rolle". Als weiteren möglichen Kandidaten für ein solches Entwicklungsprojekt bringt Horizont Beat Balzli in Stellung, der für Springer die Handelszeitung in der Schweiz leitete und nun in der Welt-Chefredaktion arbeitet.
Käme es zum Start eines Wirtschaftsprojektes – in welcher Form und mit welcher Besetzung auch immer – wäre das in jedem Fall eine Überraschung. Zum einen, weil das Segment Wirtschaft kein Selbstgänger mehr ist, siehe den Schiffbruch der G+J Wirtschaftsmedien. Eigene Wirtschaftsmedien, beispielsweise Euro am Sonntag und Euro, hatte Springer vor einiger Zeit bereits verkauft. Starke Marken können sich zwar auf dem Markt weiter behaupten, doch bis ein neuer Titel reüssieren könnte, würden Jahre vergehen. Denkbar wäre freilich, eine intelligente Print/Digital-Strategie zu fahren – Springer experimentiert im Hintergrund nicht zufällig mit digitalen Inhalteportalen.
Fragt sich dennoch: Würde die renditeorientierte Axel Springer AG ein Wirtschaftsmedienprojekt nur aus Prestigegründen finanzieren? Oder gibt es tiefer gehende Interessen? Was wären digitale Wirtschaftsformate, die mit einem übersichtlichen Kostenapparat funktionieren könnten? Und – mal ganz groß gedacht – steht angeblich nicht die Financial Times zum Verkauf?

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige