Ikea zensiert Lesben im eigenen Magazin

Zwei lesbische Frauen, die gemeinsam ein Kind in London aufziehen: Das ist für Ikea und sein Kundenmagazin Family zu viel - zumindest in Russland. Weil das dortige Recht positive Äußerungen über Homosexualität unter Strafe stellt,, streicht der Möbelriese vorsorglich die Doppelseite mit den zwei lesbischen Frauen aus der russischen Ausgabe. Damit umgeht der Konzern einen möglichen Rechtsstreit mit dem Kreml. Es ist nicht das erste Mal, dass Ikea das eigene Magazin oder den Katalog zensiert.

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“Bei Ikea haben wir zwei Richtlinien hinsichtlich der Kommunikation”, erklärt Ikea-Sprecherin Ylva Magnusson im Aftonbladet. “Erstens geht es um Inneneinrichtung. Zweitens: Wir folgen dem Gesetz.” Die russische Gesetzgebung hätte Einschränkungen, was die Förderung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften angeht. Den Vorwurf des Opportunismus auf Kosten der Schwulen-Community will Ikea aber nicht auf sich sitzen lassen. Man wolle “neutral” bleiben. “Wir denken, dass unsere Unternehmungen in Russland einen positiven Effekt auf die Gesellschaft haben können.” Da stellt sich die Frage: Für welche Teile der Gesellschaft? Und für welche nicht?

Denn schon 2012 sorgte das schwedische Möbelhaus für Schlagzeilen, als es den eigenen Katalog zensierte. Ikea entfernte in der Katalog-Version für Kuwait, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate alle Abbildungen von Frauen. Offenbar nahm die Möbelkette Rücksicht auf religiöse Empfindlichkeiten. In Europa kommentierte daraufhin Magnusson, dass der Konzern "einen klaren Verhaltenskodex" mit der Gleichstellung von Männern und Frauen als Bestandteil habe. "Wir hätten reagieren und erkennen müssen, dass der Ausschluss von Frauen aus der Saudi-Arabien-Version des Kataloges in Konflikt steht zu den Werten der Ikea-Gruppe."

Im September dieses Jahres löschte Ikea außerdem Bilder von der russischen Webseite. Darauf waren vier Jugendliche zu sehen, die bunte Skimasken trugen. Wenige Monaten zuvor waren Mitglieder der Punkband Pussy Riot inhaftiert worden, die für das Tragen bunter Masken bekannt geworden waren. Auch hier argumentierte Ikea damit, man arbeite jenseits von Politik und Religion. “Wir können nicht zulassen, dass unsere Werbung für irgendeine Kampagne genutzt wird,” hieß es in einer Stellungnahme.

Für die jüngste Zensur erntet das Unternehmen jetzt Kritik. Schwulenrechtlerin Ulrika Westerlund erklärtel: “Ich finde es enttäuschend, dass Ikea so einfach aufgegeben hat.” Niemand wisse genau, was in diesem Fall als Propaganda gewertet würde. “Wenn Ikea den Beitrag nicht gestrichen hätte, wäre das ein guter Test gewesen.”
Immerhin kann Ikea auch anders: In Italien zog sich der Möbelriese den Zorn von Traditionalisten zu, als er mit zwei homosexuellen Männern Werbung für seine "Family"-Card machte.

Update 21.11.2013, 14.12 Uhr: Weil offenbar keine vernünftige Diskussion ohne Diskriminierung möglich ist, haben wir die Kommentarfunktion deaktiviert.

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