Steinbrück sieht Entpolitisierung der Medien

Peer Steinbrück und die Medien, das wird keine tiefe Freundschaft mehr. Zu oft trat der SPD-Kanzlerkandidat in PR-Fettnäpfchen oder fühlte sich falsch verstanden. In einem Interview mit der Zeit beklagt sich der gescheiterte Merkel-Herausforderer nun, in der Berichterstattung seien Grenzen überschritten worden. Steinbrück: "Es gibt doch tatsächlich einen Journalismus, der im Wettbewerb um Klicks, Quote und Auflage banalisiert, alles personalisiert und vieles skandalisiert.“

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Besonders übel stieß Steinbrück offenbar auf, dass ihn zwei Zeitungen drei Wochen vor der Wahl „in die Nähe der Stasi und des KGB" ziehen wollten. "Das werde ich so schnell nicht vergessen. Mein lieber Scholli!“. Gleichzeitig betonte der SPD-Kandidat an mehreren Stellen, er wolle gar nicht über sich persönlich sprechen, sondern über den "Umgang zwischen Politik und Medien" generell.

Doch freilich ist das schwer zu trennen – persönliche Kränkungen und die Sicht auf den Medienbetrieb und die Politik von oben oder der Seite. Siehe dieses Zitat: „Ich habe nicht gedacht, dass ein Teil der Medien bereit sein könnte, sich an einer solchen Entpolitisierung zu beteiligen und stattdessen Nebensächlichkeiten hochzujazzen“, so Steinbrück im Gespräch mit Tina Hildebrandt und Hans-Werner Kilz.

Für einen Politprofi, der seit Jahrzehnten Teil der medialen Berichterstattung ist, sind das fast schon naive Erkenntnisse. Zumal sich Steinbrück mit dem berühmten "Stinkefinger"-Titelbild im SZ-Magazin auch selber an einer gewissen Verflachung der Sitten beteiligt hat. "Beim zweiten Nachdenken", erzählt der Politiker, hätte er die Auswahl für das Titelbild vermutlich zurückgezogen. Stattdessen habe er seinem Sprecher gesagt: "Komm, lass laufen." Und fügt hinzu: "In einer emotionalen Reaktion auf manchen journalistischen Ausflug in meine Psychologie."

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