„Schlagen uns besser als die Konkurrenz“

Die Selbstbeschreibung fällt schon einmal wenig bescheiden aus: „Wir sind das Haus der populären Medien. Wir wissen, was die Menschen bewegt." Mit diesen Sätzen startet Verlegerin Yvonne Bauer die Bilanz-Präsentation ihres Konzerns. Tatsächlich scheint der Erfolg ihre Recht zu geben. So wird 2013 der globale Umsatz wohl um elf Prozent auf rund 2,36 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr steigen. Der Anteil des Digitalgeschäftes an den Gesamteinnahmen liegt noch immer bei nur vier Prozent.

Anzeige

Bauer sieht seine Zukunft vor allem auf den drei Feldern Print, Radio und Digital, wobei die internationale Ausrichtung des Konzern weiter voranschreiten wird. In Australien übernahmen die Hamburger die ACN-Gruppe und sind nun in Down-Under der Top-Zeitschriften-Playern. In England sind sie die Nummer zwei auf dem Radiomarkt, und selbst in den USA haben die Hamburger mit InTouch oder Woman`s Weekly eine herausragende Stellung im Vertriebsgeschäft.
In Deutschland gelang es dem Bauer-Management, das Geschäft, vor allem das Print-Segment, weitestgehend stabil zu halten. Eine Leistung, die zur Zeit nicht viele Verlagsmanager vorweisen können. So wird am Ende des Jahres wohl nur ein Minus von 1,9 Prozent beim inländischen Umsatz stehen. 2012 lagen die Einnahmen bei 845 Millionen Euro. Für 2013 rechnet Deutschland-Chef Jörg Hausendorf mit 829 Millionen Euro.
Ein Plus erzielte hierzulande dagegen der Vertrieb im Einzelverkauf. 2012 lag dieser noch bei 412 Millionen Euro. 2013 wird er um eine Million auf 413 Millionen Euro steigen. Das liegt vor allem daran, dass Bauer durch die Zukäufe von Cosmopolitan oder die guten Ergebnisse von Maxi und Happinez mehr hochpreisige Hefte absetzt als noch vor zwölf Monaten.
Bei den Anzeigen liegt das Minus bei 4,2 Prozent. Die Verluste könnten sich allerdings noch leicht erhöhen. Trotzdem hält Hausendorf fest: „Wir stehen besser da als der Markt." Er belegt dies mit Vergleichszahlen des Grosso-Verbandes: Für die Gesamtbranche rechnet der Verband mit einem Grosso-Minus von 7,16 Prozent und einem negativen Umsatz von 4,24 Prozent. Bauer dagegen kommt auf ein Grosso-Minus von 2,3 Prozent und ein Umsatzplus von 0,1 Prozent.

Als ein klares Bekenntnis zu Print versteht das Medienhaus auch den Umstand, dass sie noch immer aktiv weitere Zeitschriften an die weltweiten Kioske bringen. 2012 verlegte Bauer 580 Titel. Zwölf Monate später sind es 618.
In den kommenden Monaten scheint sich das Unternehmen verstärkt um die Anzeigenerlöse kümmern zu wollen. So gab sich die Verlegerin viel Mühe, die Print-Vermarktung möglichst klar vom Fernsehen zu trennen. „Zeitschriften sind ideale Werbemedien. Reichweiten und Preise sind hier, insbesondere im Vergleich zu TV, kaum zu schlagen. Das gilt umso mehr, wann man in Betracht zieht, dass die Nutzungssituation einer Zeitschrift ausgesprochen intensiv ist, während Fernsehen sich zunehmend zum Nebenbei-Medium entwickelt.“
Grundsätzlich meint sie, dass man zukünftig an Bauer – zumindest in der begehrten Frauenzielgruppe – nicht mehr vorbeikomme. Hintergrund dieser Aussage sind die neuen starken Premium-Marken wie die Cosmopolitan in Deutschland oder Elle und Harpers Bazar in Australien.

Noch immer kein echter Faktor bei den Hamburgern scheint das Digitalgeschäft zu sein. Stolz verweist das Management zwar auf den Umstand, dass man mit 130 Titeln in Apples Newsstand die Nummer Eins sei, doch ansonsten hat das Mobile- und Web-Geschäft noch immer viele ungenutzte Potenziale. Im Jahr 2013 werden die Einnahmen aus diesem Bereich bei 86 Millionen Euro liegen. Im Vergleich zum Vorjahr (66 Millionen Euro) ist das immerhin eine Steigerung von rund 30 Prozent.

Ganz ohne Digital-Zukäufe kamen die Hamburger dann allerdings doch nicht aus. Für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag übernahm das Medienhaus den polnischen Digitalmarketing-Experten Sunrise Sysetems. Laut Andreas Schoo der Marktführer in ganz Ost-Europa.

Grundsätzlich wehren sich die Hamburger allerdings heftig gegen den Vorwurf, sie würde den digitalen Wandel verschlafen. Sie gingen nur anders damit um und setzten noch immer offensiv und erfolgreich auf Print. „Alle die, die nur Rumjammern, kümmern sich einfach zu wenig um ihre Zeitschriften“, sagt Yvonne Bauer kämpferisch. „Wir investieren Zeit, Know-how und Geld“ in die Weiterentwicklung des Portfolios. Alleine 2013 wurde so ein dreistelliger Millionenbetrag in die Werbung investiert. Das prägnante Fazit der Verlegerin lautet: „Wir schlagen uns besser als die Konkurrenz."

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige