Job-Studie: Überstunden machen dumm

Wer mehr arbeitet, ist auch produktiver? Von wegen! Eine jüngst diskutierte Studie behauptet: Wer mehr arbeitet, wird dümmer. Eine Erkenntnis, die vor allem Freiberuflern zu denken geben sollte. Denn wer kennt das nicht: Am Wochenende schnell das Postfach aufgeräumt, den Kunden vertröstet und ein neues Projekt angestoßen. Die Forscher behaupten: Wer dauerhaft Überstunden macht, dessen Vokabular schrumpft. Auch die Intelligenz nehme im Vergleich zu Kollegen ab, die nur 40 Stunden pro Woche arbeiten.

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Die Studie unter der Leitung des Finnish Institute of Occupational Health, die im American Journal of Epidemiology veröffentlicht wurde, sieht klare Unterschiede bei Arbeitnehmern, die permanent Überstunden schieben im Vergleich zu ihren “normal” arbeitenden Kollegen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren testete man die Teilnehmer auf Faktoren wie Intelligenz, Sprachschatz und Sprachvermögen. Die Erkenntnis: Wer durchschnittlich 55 Stunden pro Woche arbeitete, verfügte über ein kleineres Vokabular und zeigte geringere Intelligenz. Neben psychischer Beeinträchtigung ließen sich bei den Probanden auch vermehrt körperliche Beschwerden festmachen, darunter chronischer Bluthochdruck sowie Herzerkrankungen. Beide stehen in Zusammenhang mit Stress.
Kurioserweise kommt die Studie auch zu dem Schluss, dass vor allem Menschen mit höherer Bildung dafür prädestiniert sind, mehr Überstunden zu machen. Sie waren es auch, die weniger schliefen als ihre Kollegen und bei denen sich ein höherer Alkoholkonsum feststellen ließ. Überspitzt formuliert sind es also die intelligenten Menschen, die sich durch ihren Job dümmer machen.
Der Business Insider zitiert passenderweise den Manager-Coach Tasha Eurich mit den Worten: “Wir werden tatsächlich dümmer, wenn wir zu viel arbeiten.” Sara Robinson von AlterNet zitiert eine weitere Studie, wonach Teams mit einem Arbeitspensum von 80 Stunden pro Woche genauso viel schaffen wie Teams mit 40 Stunden pro Woche. Die Erklärung: Die Ausfälle nehmen bei derartig vielen Überstunden schon nach drei Wochen zu. Hinzu kommt, dass Teams nach einer arbeitsintensiven Phase mehr Zeit benötigen, um sich von den Strapazen zu erholen.
Das Fazit: Wer die Produktivität seiner Mitarbeiter langfristig garantieren will, sollte davon absehen, Überstunden zur Regel zu machen. Selbst kurzfristige Phasen mit einem extrem hohen Arbeitsaufkommen haben längerfristige Auswirkungen auf die Effizienz der Arbeiter. Nicht umsonst etablierte Henry Ford seinerzeit die 40-Stunden-Woche mit fünf Arbeitstagen. Denn auch wenn sich die Arbeitswelt rapide verändert und das Individuum zu mehr Leistung drängt, hat sich gezeigt: Die menschliche Physis und Psyche passen sich längst nicht so schnell an die Gegebenheiten an, wie sich der Markt das vielleicht wünschen würde.

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