ZDF 2014: Verlust trotz Mehreinnahmen

Böser hätte man es kaum ausdrücken: „Es gibt drei Bereiche unseres Landes, die haben direkten Zugang zu den Schatzkammern der Bürger: die Banken, die Kirchen und der öffentlich-rechtliche Rundfunk“, schreibt Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart in seinem Morning Briefing. Sein Sarkasmus bezieht sich auf die Recherchen seiner Redaktion, wonach die neue Rundfunkgebühr ARD/ZDF kräftige Mehreinnahmen von rund 100 Mio. Euro pro Jahr bescheren würden, die zudem längst eingeplant seien.

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Dabei würde öffentlich-rechtlichen Anstalten noch immer argumentieren, dass sie gar nicht wüssten, ob sie tatsächlich mit einem Plus aus der GEZ-Nachfolgegebühr rechnen können. Selbst die unabhängige Finanzkommission KEF geht mittlerweile allerdings auch schon Mehreinnahmen von rund 80 Millionen Euro aus.

Quelle für die Recherchen des Handelsblatts ist der Haushaltsplan des ZDF, der der Wirtschaftszeitung offenbar vorliegt. Demnach könnte alleine das Zweite im nächsten Jahr mit einem Plus von 24,962 Millionen Euro rechnen. Insgesamt sorge dies bei den Mainzern für eine Rekordeinnahme von insgesamt 1,766 Milliarden Euro. Inklusive Werbeeinnahmen könnte ZDF-Chef Thomas Bellut für 2014 mit einem Budget von 2,063 Milliarden Euro planen.

Trotzdem wird das ZDF das Jahr 2014 mit einem Minus abschließen. Denn laut dem Haushaltsplan steigen alleine die Kosten für die Mainzer-Programme auf 2,157 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr wäre dies ein Plus von 6,8 Prozent.

Den Anstieg begründet der Sender mit den teuren Sportrechten, die vor allem in diesem Jahr mit einer Fußball-Weltmeisterschaft, einer Winterolympiade und einer Leichtathletik-WM anfallen würden. Ähnlich wütend wie ihr Herausgeber sind die Handelsblatt-Autoren, Hans-Peter Siebenhaar und Kai-Hinrich Renner, über den Umstand, dass niemand das ZDF gezwungen hätte, die Sportrechte zu den horrenden Preisen zu kaufen. Wenn sie die Lizenzen nicht bekommen hätten, weil diese das eigene Budget übersteigen hätten, dann hätte halt ein Privatsender übertragen. Für Steingart ist der Umgang der öffentlich-rechtlichen Sender mit dem Geld der Bürger längst die „Geschichte einer Anmaßung“.

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