Bullys gescheitertes Sitcom-Experiment

Diese verdammten Erwartungen! Bevor Michael “Bully” Herbig zum gefeierten deutschen Kino- und Comedystar aufstieg, malochte er jahrelang im ProSieben-Nachtprogramm mit der skurrilen Sketchcomedy “Bullyparade” und erarbeitete sich Kultstatus. Wenn Bully nun mit wieder eine Comedyreihe bei ProSieben macht, sind die Erwartungen natürlich entsprechend hoch. Allerdings war die Sitcom “Bully macht Buddy” leider ganz und gar nicht komisch.

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Zunächst einmal die Rahmen-Infos: Bully macht ‘nen neuen Kinofilm, der “Buddy” heißt. Im Vorfeld erzählt die sechsteilige Sitcom “Bully macht Buddy” bei ProSieben die fiktive Entstehungsgeschichte des Films. Parallel gibt es im Internet das fiktive Klatsch-Portal Glozz.de, das auch in der Sitcom vorkommt und ausschließlich “Bully macht Buddy”-Nachrichten sowie Werbung für den Kinofilm transportiert. Marketingfuzzis würden wohl von einer absolut neuartigen 360-Grad-Comedy sprechen. Brrr.

Der Bully selbst ist aber ja ein Guter. Das erkennt man sogar an der leider notorisch unlustigen ersten Folge “Bully macht Buddy”. Herbig hat us-amerikanische Sitcoms offenbar sehr genau studiert. Das Sofa-Setting in Bullys Wohnung erinnert von Ferne an “Friends” & Co und das Kneipensetting lässt Erinnerungen an den Sitcom Oldie “Cheers” wach werden. Dazu gibt es allzu aufdringlich eingespielte Lacher und Ping-Pong-Dialoge. Es wirkt so ein bisschen, als hätte Bully in seinem TV-Labor an einem Sitcom-Versuchsaufbau gebastelt und experimentiert nun damit so ein bisschen herum.

Dabei ist es noch nicht einmal so, dass die Dialoge oder Ideen objektiv unlustig wären. Unter Labor-Bedingungen müsste man sagen, dass der Humor-Nachweis positiv ausfällt. In der wirklichen Welt, draußen vor den TV-Geräten muss man aber dann seltsamerweise nicht lachen und fremdelt auf ganz unbestimmte Weise mit dieser Reihe. Warum?

Zunächst einmal kann sich “Bully macht Buddy” nicht entscheiden, ob das Format nun eine Sitcom sein will oder die Parodie auf eine Sitcom. Rick Kavanians dicke, prollige Schwester, die bei Bully einzieht, ist so ein Handlungs-Einfall, der ins Groteske überzogen ist. So etwas würde es bei einer echten Sitcom nicht geben – hier wird also erkennbar parodiert. Gleichzeitig bemüht sich Bully, die Beziehung der Hauptfigur zu seiner entfleuchten Ex-Freundin mit echter Emotion auszustatten und er gibt der Bully-Figur in der Serie eine eher traurig-komische Note. Das würde dann wieder eher dafür sprechen, dass es sich um eine echte Sitcom handelt. Beide Welten – die Sitcom-Parodie und die Sitcom – passen aber nicht zusammen. Dieser Widerspruch killt alles Komische.

Der Tür-auf-Tür-zu Nummernrevue-Charakter, die Dialoge, die Selbstironie – alle Zutaten sind im Prinzip da – nur funktionieren sie nicht richtig. Ricks Proll-Schwester oder die gnadenlos überzeichnete Klatschreporterin sind too much. Zwei nette Momente gab es trotzdem: Einmal als ein doofes Kind Bully im Aufzug an den Kopf wirft, dass die Animationen im “Hui Buh”-Film mit Bully scheiße waren. Der Blick, den Bully dem Knaben da zuwirft, ist wirklich komisch. Warum? Weil der Bub die Wahrheit spricht und man nicht damit gerechnet hätte, dass Bully so gnadenlos zu sich selbst ist. Das war ein authentischer Sitcom-Moment. Die zweite gute Nummer war ausgerechnet der Abgang von Pop-Sirene Sarah Connor, bei dem Bully ihren verpatzen Hymnen-Auftritt thematisiert, bei dem sie das Deutschland-Lied mit falschem Text geträllert hatte. Respekt vor soviel Chuzpe und auch vor Frau Connor, die da mitspielte.

Vielleicht könnte sich die Bully-Sitcom entwickeln. Auch viele große Vorbilder brauchten relativ lange, bis sie richtig Fahrt aufnahmen – siehe etwa „Seinfeld“ – die Mutter aller Sitcoms. Nur sechs Folgen “Bully macht Buddy” reichen aber niemals aus, um die Figuren sich Sitcom-typisch entwickeln zu lassen. Bully ist ein guter Mann, sein Sitcom-Experiment ist aber leider gescheitert. Die wahrscheinlich beste deutsche Sitcom bleibt “Pastewka”.
Hier kann man die erste Folge "Bully macht Buddy" auf Bullybase.de anschauen.

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