Anzeige

Die olympische Social Media-Posse

Die mediale Aufmerksamkeit war Vasily Konov gewiss – zumindest für ein paar Stunden. Der Chef des russischen Nachrichtensenders R-Sport wurde weltweit mit der Aussage zitiert, dass Journalisten, die über die Olympischen Winterspiele berichten, auf die sozialen Medien verzichten müssen. Sonst würden sie ihre Akkreditierung verlieren. Nur Stunden später stellte IOC-Sprecher Mark Adams jedoch klar: Natürlich könnten Journalisten ihre News und Eindrücke via Social Media verbreiten – solange sie keine Videos posten.

Anzeige
Anzeige

Es sah nach einem schweren Dämpfer für das Genre der Smartphone-Fotografie aus: Obwohl Instagram, Facebook, Twitter & Co boomen wie nie, müssten sie beim nächsten sportlichen Großereignis leider draußen bleiben – es sei denn, ihr Benutzer will den Entzug der Akkreditierung riskieren.

So rigide wären die Sitten in Sotchi, wo ab Februar die 22. Olympischen Winterspiele stattfinden, hieß es in der Nacht in mehreren US-Medien wie TechCrunch. Begründung: Smartphones, aber auch Tablets, würden ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Instagramlose Olympische Spiele schienen perfekt

"Es wird als ernsthafter Verstoß betrachtet, wenn Journalisten ein Mobiltelefon benutzen, um Athleten oder Zuschauer zu filmen und in der Aufhebung ihrer Akkreditierung resultieren", wurde Vasily Konov, Chef des russischen Nachrichtensenders R-Sport, gestern zitiert.

Journalisten musste die kommende Winter-Olympiade schon wie eine Zeitreise in die Vergangenheit vorkommen, denn ausschließlich eine "professionelle Ausrüstung" sei bei der Berichterstattung zugelassen, so schien es – auch Tablets hätten Einsatzverbot. Instagram-, Facebook-, Twitter- und Vinelose Olympische Spiele schienen damit perfekt.

Anzeige

IOC rudert zurück: "Schießen Sie so viele Fotos, wie Sie wollen"

Dann meldet sich das IOC zu Wort. "Schießen Sie so viele Fotos, wie Sie wollen", erklärte Sprecher Mark Adams dem USA Today Sport-Ableger ForTheWin. Um dann noch mal per Mail nachzulegen: "Fotos in den sozialen Medien zu teilen, ist ausdrücklich erwünscht."

Tatsächlich wäre ein Smartphone-Verbot im Jahre 2013 wohl auch kaum durchzuhalten gewesen. Dass iPhone & Co nämlich längst in die Kategorie der professionellen Fotografie  fallen, dürfte spätestens seit 2011 bekannt sein, als der New-York-Times-Fotograf Damon Winter mit von Hipstamatic verschönerten iPhone-Aufnahmen einen Preis bei der Pictures of the Year-Verleihung einheimste.

Und doch bestehen für Journalisten am Ende des Tages Restriktionen bei Verwendung ihres Smartphones – nämlich markenrechtliche Einschränkungen. Videos wären wegen der TV-Vermarktung nicht erlaubt. Der jüngste Web-Video-Schnipsel-Boom auf Vine und Instagram wäre damit in Sotchi gestoppt – bis jetzt…

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*