Der Fettnapf-Tritt des Focus-Money-Chefs

In seinem aktuellen Editorial nimmt sich Focus-Money Chef Frank Pöpsel den Fraktionschef der Grünen, Anton Hofreiter, vor. Und tritt dabei selbst in den Fettnapf. Pöpsel macht sich über vermeintlich mangelnde sprachliche Fähigkeiten des Grünen-Politikers lustig. Allerdings: Der von Pöpsel kritisierte Text auf Hofreiters Homepage ist ein Beitrag zur Barrierefreiheit, der in so genannter “leichter Sprache” abgefasst ist. Hofreiter hat Pöpsel nun eine gepfefferte Antwort geschickt

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“Wer kennt diesen Mann?” steht über dem aktuellen Focus-Money-Editorial des Frank Pöpsel. Zu sehen ist ein Foto des Grünen-Politikers Anton Hofreiter, der seit seiner Ernennung zum Fraktionschef auch bundesweit bekannt ist. Dann zitiert Pöpsel ausführlich einen Text von Hofreiters Homepage, der folgendermaßen beginnt: “Mein Name ist Toni Hofreiter. Ich bin ein Politiker von den Grünen. Viele Leute haben bei den letzten Wahlen die Grünen und mich gewählt. Deshalb sitze ich jetzt im Deutschen Bundestag. Im Bundestag bin ich der Vorsitzender von allen Grünen Abgeordneten. Dort werden wichtige Entscheidungen getroffen.”

Der vermeintlich unbeholfene Sprachstil ist der so genannten “leichten Sprache” geschuldet, in der dieser Text auf Hofreiters Website abgefasst ist. Mit dem Fachbegriff wird eine nach bestimmten Regeln vereinfachte Sprache bezeichnet, die es im Sinne der Barrierefreiheit und Inklusion auch Menschen mit niedrigeren Sprachkompetenzen ermöglichen soll, Texte zu verstehen. Auf Hofreiters Website erreicht man den Text über einen speziellen Button “Einfache Sprache”. Über dem Text steht auch ein Hinweis auf die “leichte Sprache” und ein Link zu www.leichtesprache.org, wo die Regeln sowie Sinn und Zweck derselben erläutert werden.

Focus-Money-Chef Pöpsel: „Sprache Sechs, Grammatik Sechs, Interpunktion Sechs.“ Unkenntnis kann es eigentlich nicht sein, was Pöpsel zu diesem Ausfall verleitet. Der Chefredakteur muss dem Link auf Hofreiters Homepage zu leichtesprache.org gefolgt sein, denn in seinem Editorial macht er sich sogar über die dort veröffentlichten Regeln für “leichte Sprache” lustig. Pöpsel mokiert sich etwa darüber, dass dort empfohlen wird, den Genitiv zu meiden oder alte Jahreszahlen zu nutzen (statt 1867 soll man in “leichter Sprache” etwa schreiben: “vor langer Zeit”). Pöpsel schließt sein Editorial mit einem höhnischen Schlusswort an Anton Hofreiter im Duktus der “Leichten Sprache”-Regeln: “ SCHLECHT: Viele Menschen glauben: Toni will sie für dumm verkaufen. GUT: Die Menschen essen trotzdem Fleisch, zahlen nicht gern Steuern und benutzen den Genitiv.” „Leichte Sprache“-Spott, Veggie-Day-Polemik und Grünen-Bashing – ein eher ungenießbarer Cocktail, der hier zusammengerührt wurde.

Hofreiter antwortete dem Focus-Money-Chef mit einem Brief, den er auf seiner Homepage veröffentlichte. Darin heißt es: “Dass Sie mich und die von mir vertretenen Ansichten kritisieren, ist Ihr gutes Recht. Dass Sie aber mein  Bemühen verächtlich machen, mich auch für Menschen mit Lernschwierigkeiten nach den Regeln der  dafür entwickelten ‘leichten Sprache’ verständlich auszudrücken, nehme ich nicht hin. Damit treffen Sie nicht mich. Sie verhalten sich vielmehr arrogant und niederträchtig gegenüber denen, die in besonderem  Maße unserer Hilfe und unseres Verständnisses bedürfen.” Hofreiter schreibt weiter, dass Pöpsels Editorial “ein sehr peinlicher Beleg” dafür sei, was sich in weiten Teilen der Gesellschaft noch ändern müsse, “damit Inklusion und Barrierefreiheit Wirklichkeit werden”.

Dass er sich auf unpassende Art und Weise nicht nur über Anton Hofreiter lustig macht, sondern auch über die Menschen, für die die “leichte Sprache” gedacht ist, kam dem Focus-Money-Chef bei seinem Editorial offenbar nicht in den Sinn. Dieser publizistische Schuss ging kräftig nach hinten los.

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Alle Kommentare

  1. Hallo Herr Winterbauer,
    Sie brauchen mir nicht schmeicheln, und mir nach den Mund reden, machen Sie einfach nur jurnalistische Hausaufgaben, halten Sie sich still und lernen Sie von einem Meister.
    mfG AH
    (fals sie feler finden, lernen sie, sie zu vermaiden)

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