Wie “Wetten dass..?” zu retten wäre

Die Quoten auf einem neuem Tiefpunkt, die Kritiken vernichtend, dazu wie üblich kübelweise Häme und Hass aus dem Social Web. Das ZDF hat nach wie vor ein massives Problem mit seiner einstigen Vorzeige-Show “Wetten dass..?”. Die eher kosmetischen Veränderungen nach der Sommerpause haben offensichtlich nichts gebracht. Die Show droht in Langatmigkeit und Selbst-Referenz zu ersticken. MEEDIA analysiert, wie man den havarierten Dampfer wieder flott bekommen könnte.

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Die Moderatoren-Frage

Die Moderatoren-Frage ist gar keine. Wenn die Verantwortlichen beim ZDF ehrlich zu sich wären, müssten sie zugeben, dass Markus Lanz nicht der richtige Mann für das Format “Wetten dass..?” ist. Zumindest nicht in der derzeitigen Form der Sendung. Lanz selbst dürfte das auch so sehen. Sein Fremdeln, sein Unwohlsein mit der von Thomas Gottschalk abgelegten Show, ist fast mit Händen zu greifen. Dazu kommt, dass das Lanz-Bashing nach “Wetten dass..?” mittlerweile eine Art Volkssport in der jungen Zielgruppe geworden ist. Das Verhältnis zwischen Moderator und Show ist hoffnungslos beschädigt. Das ZDF muss sich einen neuen Moderator suchen oder aber das Konzept der Show konsequent an Markus Lanz anpassen.

Die Wetten

Die Wetten und die Kandidaten sollen angeblich das Herz von “Wetten dass..?” sein. Wenn das so ist, dann hat das Herz schon länger aufgehört zu schlagen. Die derzeit dargebotenen Wetten beschränken sich darauf, auf bessere “Wetten dass..?”-Zeiten (Bagger) anzuspielen oder sind langweiliges, krudes Zeug (Mädchen läuft über Fettstifte, Irgendetwas wird auswendig gelernt). Dabei hat die mehrteilige Show “Die Deutschen Meister” mit Kai Pflaume bei der ARD gerade gezeigt, dass man auch heutzutage ein “Wetten dass..?”-ähnliches Format spannend und unpeinlich inszenieren kann. Hier ist die Redaktion beim ZDF gefragt: Die Wetten müssten sorgfältiger ausgesucht werden. Man müsste die Spielregeln dahingehend ändern, dass ein Wettbewerb entsteht (zwei Teams oder Kandidaten könnten gegeneinander wetten oder gegen Promis antreten). Alles, was an den ollen “Wetten dass..?”-Muff aus den 80er und 90er Jahren erinnert, muss radikal rausfliegen.

Die Promis

Mittlerweile sind die Promi-Auftritte bei “Wetten dass..?” zu einer internationalen Lachnummer verkommen. Dass sich z.B. Robbie Williams im englischen Radio über die Sendung lustig macht und öffentlich Tipps gibt, wie man als Promi seinen Couch-Aufenthalt möglichst kurz gestalten kann, hätte die Alarmglocken beim ZDF schrillen lassen sollen. Man muss sich verabschieden von dem antiquierten Couch-Konzept. Am Ende der jüngsten Sendung saßen zeitweise Lanz und Florian Silbereisen alleine auf der riesigen “Wetten dass..?”-Couch. Ein trauriges Sinnbild für den Niedergang der Show. Wer als Promi zu lange Platz auf dem Sofa nimmt, macht sich international zum Affen. Also weg mit der Couch! Promis sollen auftreten und singen oder kurz und unpeinlich in Wettspiele integriert werden. Das geht auch ohne Katzenmützen auf dem Kopf und Eiswürfel in der Hose, wenn man ein wenig mehr Hirnschmalz in das Design der Spiele investiert. Dann kann man auch die überflüssigen, oft peinlichen und an den Haaren herbeigezogenen “Wetteinsätze” der Damen und Herren Prominenz ersatzlos streichen.

Die Länge

“Wetten dass..?” ist viel zu lang für heutige TV-Verhältnisse. Das hatte auch Katzenmützenträger Tom Hanks bei seiner berühmten “Wetten dass..?”-Kritik richtig analysiert. Die Show gehört vom Konzept her deutlich entrümpelt und gestrafft. Zwei Stunden sind das Höchste der Gefühle. Wenn man die überflüssigen Talk-Mätzchen auf der Couch weglässt, die zeitfressende und rasend uninteressante Stadtwette streicht und die Spiele so auswählt, dass allzu langatmige Wetten gar nicht erst angenommen werden, sollte das sehr gut möglich sein.

Fazit:

“Wetten dass..?” ist in der Krise – kein Zweifel. Die Krise alleine Markus Lanz anzulasten wäre aber unfair. Lanz ist ein guter Moderator am falschen Platz in einer aus den Fugen geratenen Dinosaurier-Show. Wer Lanz in seiner werktäglichen Talkshow sieht, bemerkt sofort den Unterschied: Dort fühlt er sich wohl, ist schlagfertig, kommt sympathisch rüber. Bei “Wetten dass..?” wirkt er bestenfalls einfach nur angestrengt. Er hätte vermutlich selbst am wenigsten dagegen, die Moderation von “Wetten dass..?” wieder abzugeben. Einen neuen Moderator für ein neues, wirklich reformiertes Konzept zu finden, wäre schwierig aber lohnend. Wenn sich das ZDF das nicht zutraut, sollte man wenigstens das Konzept radikal ändern und diese Sendung endlich vom übermächtigen Ballast der Vergangenheit befreien. Sonst wird sie eher früher als später endgültig darunter erdrückt.

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