Das Medien-Trauma des Günther Jauch

ARD-Vorzeige-Talker Günther Jauch hat der Website Topfvollgold.de ein rares Interview gewährt, in dem er persönliche Einblicke zuließ. Leider nicht nachzulesen, denn das Interview hat er vor Veröffentlichung wieder kassiert. Spiegel Online zimmerte aus dem Focus-Scoop mit dem Nazi-Kunstschatz noch zwei Tage später eine “Eil”-Meldung. Kai Diekmann kabbelte sich mit dem Verteidigungsministerium und wer die “Simpsons” schaut, weiß früher Bescheid über kommende Affären.

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Günther Jauch hat diese Woche vor dem Bundesgerichtshof eine Niederlage im Prozess gegen das Burda-Krachblatt Viel Spaß kassiert. Das Heftchen darf Name und Alter seiner Adoptivtochter nennen, weil diese Daten schon früher öffentlich in der Presse nachzulesen waren. Ebenfalls diese Woche veröffentlichte die Website Topfvollgold.de, die sich der Beobachtung der Yellow-Press verschrieben hat, ein Gesprächs-Fragment mit Günther Jauch. Der TV-Star hatte den Machern der Website ein Interview gegeben, in dem er sich ausführlich zu seinem Verhältnis zur Regenbogenpresse geäußert hat. Nachlesen kann man das leider nicht, denn Jauch und sein Anwalt wollten das Interview lieber nicht veröffentlicht sehen, weil er darin auch über Privates spricht. Bei einer Veröffentlichung könnte ihm dies bei künftigen Prozessen gegen Lügengeschichten der Yellow Press nachteilig ausgelegt werden. Und außerdem habe Jauch Angst, dass seine Äußerungen bei Topfvollgold.de dann wieder von der Schmieranten-Presse aufgegriffen und verdreht werden würden. Zitat: “Ich kann mich also nicht so frei und authentisch äußern, wie ich es manchmal gerne würde. Das könnten ja die verschiedensten Aspekte sein, die in meinem Leben wichtig sind – und dazu würde ich sicherlich viel mehr sagen, wenn ich nicht immer Gefahr liefe, dass da wieder alles verdreht wird.” Aha! Sagt der Günther Jauch darum also so gut wie niemals etwas, das irgendeine eine Art von Haltung erahnen lässt? Weil er immer Angst haben muss, seine Äußerungen könnten von der Yellow Press verdreht werden? Armer Mann.

Der Focus hat es nicht leicht in diesem Tagen. Die Auflage bleibt – wie soll man das nennen – unter gewissem Druck. Da ist es Chefredakteur Jörg Quoos und seiner Truppe zu gönnen, dass sie in dieser Woche einen echten Scoop hingelegt haben. Die Enthüllung, dass in einer unscheinbaren Münchner Wohnung ein Kunstschatz von unschätzbarem Wert jahrelang vor sich hingammelte, war ein Kunst-Krimi und ein journalistisches Sahnestück. Wenn es ein bisschen Gerechtigkeit gibt in der Medienwelt, dann sollte der Focus vom vergangenen Montag mit dem Titel “Der Nazi-Schatz” mal richtig gut verkaufen. Die Focus-Meldung vom Kunstschatz ging ab Sonntag über die Ticker und durch so gut wie alle Medien und Nachrichtensendungen. Am Dienstag dann bequemte sich die Augsburger Staatsanwaltschaft eine Pressekonferenz zum Thema abzuhalten. Und Spiegel Online verschickte dienstags eine Eilmeldung mit dem Text: “Zollfahnder entdeckten bislang unbekannte Meisterwerke”. Also mit exakt dem Info-Stand, der seit Sonntag durch den Focus bekannt war. Eine sehr gemütliche “Eil”-Meldung.

Keine Woche ohne neue Schnurren von Deutschlands meistem Medienbart Kai Diekmann. Diesmal kabbelte er sich mit dem Bundesverteidigungsministerium wegen der gnadenlos übergeigten Geschichte, dass Brigitte Schrowange neulich ein Eisernes Kreuz als Schmuckstück im TV trug. Dieser Hauch von Nichts von einer Story schaffte es diesen Freitag sogar zum Haupt-Aufmacher der gedruckten Bild:

Müßig zu erwähnen, dass besagter Wirbel vor allem vom Bild-Chef selbst verursacht wurde, indem er seinen Briefwechsel mit dem Pressesprecher des Bundesministeriums der Verteidigung bei Twitter einstellte. Immerhin wissen wir nun, dass Diekmann “nur” Obergefreiter der Reserve ist.

Snowden hier, Snowden da, Snowden hopsasa. Aber mal ehrlich: Wer es wirklich wollte, konnte spätestens seit 2007 wissen, dass der US-Geheimdienst NSA absolut jedes Telefongespräch weltweit Wort für Wort mitprotokolliert. Wer das damals enthüllt hat? Die Simpsons natürlich! Hier der Beweis-Ausschnitt aus dem “Simpsons”-Kinofilm von 2007:
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Schönes Wochenende!

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