P7S1-Bilanz: der Gemischtwarenladen läuft

Neben Sky ist ProSiebenSat.1 eine bemerkenswerte Turnaround-Geschichte im deutschen Medienmarkt. Der einst strauchelnde TV-Anbieter hat sich zum gut laufenden Medien-Gemischtwarenladen entwickelt - eine Strategie, die aufgeht. So kletterte der Konzernumsatz im 3. Quartal um knapp 14% auf 577 Mio Euro, der operative Gewinn (EBITDA) stieg trotz hoher Investitionen um 7,1% auf 151 Mio. Euro. 2013 wird wieder ein Rekordjahr werden. Wachstumstreiber ist - hier wie anderswo - das Digitalgeschäft.

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Die Geschäftssäule Digital & Adjacent lieferte im 3. Quartal über 21% des Gesamtumsatzes. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 16%. Bis 2018 will der Konzern bekanntlich eine Milliarde Umsatz mehr im Vergleich zu 2012 erwirtschaften – eine von Vorstandschef Thomas Ebeling gerne wiederholte Botschaft. Auch die Lieblings-Vokabel des P7S1-Chefs ist nach wie vor „dynamisch“. In der aktuellen Pressemitteilung zu den Quartalszahlen fällt das Zauberwort gleich fünfmal. Aber ja auch nicht ganz ohne Grund.

Die Umsätze bei Digital & Adjacent stiegen im 3. Quartal um satte 53% auf 124 Mio. Euro. Zu dem boomenden Geschäftsbereich gehören u.a. der Online-Reiseveranstalter Tropo, die Portale billiger-mietwagen.de, mydays.de, die Online-Videothek Maxdome und der Musik-Streaming-Dienst Ampya (ein Konkurrent zu Spotify). Ampya konnte dank Kooperationen mit Vodafone und Bild.de seine Reichweite deutlich steigern. Trotz Investitionskosten stieg der operative Gewinn (EBITDA) in diesem Segment um 36,5% auf 27,2 Mio. Euro.

Genauso wichtig für denGesamtkonzern: Auch im Fernseh-Stammgeschäft läuft es rund. Die deutschen ProSiebenSat.1-Sender konnten ihren Zuschauermarktanteil ausbauen, die neuen Digital-Ableger laufen gut. Der Männersender ProSieben Maxx erzielte im September 2013 – knapp vier Wochen nach Start – einen Marktanteil von 0,4%, der Frauensender Sixx schloss das dritte Quartal 2013 mit einem Marktanteil von 1,3 Prozent ab (Vorjahr: 1,0%). Jeweils bei den 14- bis 49-Jährigen. Das ist alles andere als schlecht.

Beim Brot-und-Butter-Geschäft der TV-Werbung stieg der Marktanteil der Sendergruppe um 1,3 Prozentpunkte auf 43,8%. Die Erlöse im deutschsprachigen TV-Geschäft kletterten im 3. Quartal um 6,5% auf 422 Mio Euro. Wegen den Kosten von Sender-Gründungen (ProSieben Maxx) fiel der Anstieg beim operativen Gewinn (EBITDA) mit 1,9% auf  126,6 Mio. Euro relativ bescheiden aus. Trotzdem: Für einen gesättigten Markt sind das überaus feine Zahlen. Das ist der Riesen-Vorteil, den TV-Konzerne gegenüber Verlagen haben: Bei den Sendern ist das althergebrachte Stammgeschäft noch immer kerngesund, während bei den Verlagen das Print-Geschäft immer schneller wegbricht. Die Sender tun sich darum wesentlich leichter mit der Digitalisierung. Außerdem besitzen sie von Haus aus Unmengen Bewegtbild-Content, der im Digital-Zeitalter Gold und Geld wert ist.

Und weil alles so rund läuft, erwartet CEO Ebeling für 2013 wieder ein Rekord-Ergebnis. Die Strategie von ProSiebenSat.1, die Geschäftsfelder vor allem digital auszuweiten und auch das TV-Geschäft mit neuen Kanälen weiter zu diversifizieren, geht offenbar auf.

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