Das Wettrennen um die Snowden-Papiere

NSA, GCHQ und der BND: In die Überwachungsaffäre sind Geheimdienste aus aller Welt verwickelt. Da ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Enthüllung politisch motiviert sind. So wurden in den vergangenen Tagen die Gerüchte laut, wonach der russische Geheimdienst FSB das Treffen von Grünen-Politiker Ströbele und Snowden organisiert hat. Stimmt nicht, behauptet nun Hans Leyendecker in der Süddeutschen Zeitung. Sein Kollege John Goetz traf den Whistleblower - und berichtet von einem spannenden Wettrennen der Journalisten.

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Demnach würden in der Sache nicht die Interessen von Geheimdiensten oder Regierungen vertreten. Vielmehr würden Journalisten, Redaktionen und Verlage bestimmen, welche Information zu welchem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit gelangt. Beim Treffen von Ströbele mit Snowden war auch SZ-Mitarbeiter und "Panorama"-Redakteur John Goetz zugegegen. In der Süddeutschen Zeitung berichten Leyendecker und Goetz nun von Aussagen Snowdens, wonach dieser schon vor Monaten sämtliches Material an drei Journalisten weitergegeben hätte.
Es handelt sich laut SZ um die Dokumentarfilmerin Laura Poitras, den Guardian-Blogger Glenn Greenwald und Ewen MacAskill, der für den Guardian in New York stationiert war. Jeder der drei künftigen Protagonisten der Snowden-Enthüllungen sei mit gesondertem Material ausgestattet worden. Greenwald sei vor allem mit Daten versorgt worden, die für die amerikanischen Medien von höchstem Interesse waren, MacAskill erhielt Material über die Aktivitäten des britischen Geheimdienstes Government Communications Headquarter (GCHQ) und die Kooperation dieses Geheimdienstes mit der NSA. Poitras hätte laut SZ ebenfalls Material erhalten, das für die Europäer relevant sei.
Diese Informationen decken sich mit dem Verlauf der Enthüllungen. Seit Anfang Juni nahm die Geschichte um den Enthüller Snowden und die Überwachung des Internetverkehrs durch britische und US-Behörden ihren Lauf. Poitras erschien unter anderem als Co-Autorin in Spiegel-Stücken, während der Guardian klar die Führungsrolle in dem Skandal übernahm. Seitdem stieg der Druck, den die britische Regierung auf die Tageszeitung ausübt, erheblich. Und auch die New York Times scheint in den vergangenen Wochen Zugang zu exklusiven Informationen bekommen zu haben.
"Unabhängige Journalisten sollen sich ihr eigenes Urteil darüber bilden, was die Dokumente beinhalten", soll Snowden gegenüber Ströbele in Moskau gesagt haben. Die Allianzen, die sich im Anschluss an die ersten Enthüllungen gebildet hätten, seien nicht geheimdienstlicher Natur, sondern redaktioneller Art, berichtet die SZ weiter. Dem widerspricht zumindest ein Bericht der Welt. Darin beruft sich das Blatt auf "hochrangige deutsche Geheimdienstmitarbeiter", die sich sicher seien: Der Raum, in dem Ströbele auf Snowden traf, sei vom russischen FSB mit Kameras und Mikrofonen präpariert worden. Das Ziel? Durch die erneute Debatte über die Spähaffäre soll das ohnehin schon angekratzte Verhältnis Deutschlands zu den USA belastet werden. 
Spinnt wirklich der Kreml in den jüngsten Enthüllungen um die NSA eine Rolle? Zweifelsohne hätte der FSB nur zu gerne Einsicht in der Material. Ebenso wie die NSA oder der britische GCHQ. Doch schenkt man Snowden Glauben, dann entscheiden in der Sache seit Monaten Journalisten – und die Politik schaut zu.

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