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Google & Co: Die ausgespähten Datenkraken

Seit Jahren kommentieren Medien US-Internetkonzerne als die "Datenkraken", die unser Privatleben besser kennen als wir selbst, unsere Wünsche, unsere Sorgen, unsere Geheimnisse. Gerade Google galt als technisch maximal aufgerüstete Blackbox. Und immer wichtiger wurde damit auch Privatleuten die Frage: "Was machen die mit unseren Daten?" Nach den neuen Snowden-Enthüllungen ist klar: Google, Yahoo und Co. sind selber einer anderen Datenkrake zum Opfer gefallen.

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Wie die Washington Post am Mittwoch enthüllte, zapfen NSA und GCHQ offenbar Nutzerdaten u.a. von Google und Yahoo ab, die innerhalb derer Datenwolken zwischen den Servern hin- und hergeschickt werden. Sie haben mutmaßlich keinen direkten Server-Zugriff, aber einen Weg gefunden, auf dem Weg zwischen verschiedenen internen Datenzentren eine Abzweigung einzubauen, über die Daten kopiert, analysiert und gefiltert werden. Das entsprechende Spähprogramm soll Muscular heißen. Es unterscheidet sich also von dem in den USA richterlich abgesegneten Prism-Programm, über das die NSA direkt und offiziell angeblich sicherheitspolitisch relevante Informationen abfragt.
Die Reaktion vor allem von Google ist angesichts der Muscular-Enthüllung deutlich: "Wir sind über das Ausmaß, in dem die Regierung unsere Daten aus unseren privaten Glasfasernetzen abgefangen hat, entsetzt. Eine Reform ist dringend notwendig", sagte Chefjustiziar David Drummond. Auch ein Yahoo-Sprecher kommentierte das Programm Muscular: "Wir haben weder der NSA noch einer anderen Regierungsorganisation Zutritt zu unseren Datenzentren erteilt."  

"Verschlüsselung entfernt" (Quelle: Washington Post)

Nach Prism bringt nun auch Muscular die US-Tech-Giganten ins Schwitzen. Es droht eine massive Vertrauenskrise der Nutzer. Nicht nur werden Google, Yahoo und Co. verdonnert, Informationen, die der Wahrung der nationalen Sicherheit der USA dienen sollen, weiterzureichen. Sie werden offenbar auch auf ihrem ureigenen Feld, der Technik, von den Geheimdiensten geschlagen. Falls es zutrifft, dass das Abgreifen der Informationen von Nutzern ohne das Wissen der Firmen ablief – dann stehen diese jetzt nur noch in Unterwäsche da.
Die Washington Post, die Dokumente aus dem Snowden-Fundus auswertete, sieht eine "fundamentale Schwäche in der Systemarchitektur" von Google und Yahoo, möglicherweise auch anderer Tech-Konzerne. Datenzentren auf vier Kontinenten seien über Glasfaserleitungen miteinander verbunden, vermeintlich absolut sicher vor externen Mitlesern. Doch die Story, die Google und Co. gerne auch selber von sich kolportieren, hat einen Haken: Sie ist nur zum Teil richtig. Zutreffend ist, dass diese Konzerne Milliarden von Dollar in die Entwicklung ihrer Technik stecken. Nicht zutreffend ist, dass diese Technik auch vollkommene Datensicherheit garantiert.
Der Mythos, den vor allem Google um seine lagerhallengroßen Datenzentren aufgebaut hat, die vor einiger Zeit noch ästhetisch in Szene gesetzt worden waren, er bekommt Risse. Natürlich, kritische Internetnutzer haben den Absichten von Google lange schon misstraut und Fragen gestellt: Was macht ein Konzern mit so viel Information, die gleichbedeutend mit Macht ist? Welche Ziele verfolgt er? Dabei schwang allerdings ein Subtext mit, nämlich der vom ziemlich omnipotenten Megakonzern, dem wegen seiner ungeheuren Gewinne, die gleich wieder in eine noch bessere Technik gesteckt werden, keiner gewachsen ist.
Keiner gewachsen? Weit gefehlt, so scheint’s jetzt. Eine kleine Zeichnung, die offenbar von NSA-Mitarbeitern stammt, offenbart die Banalität des Datenklaus: Zwischen einer Wolke "Öffentliches Internet" und "Google Cloud" ist eine Verbing gezeichnet, von der wiederum ein Pfeil abgeht: "Hier Verschlüsselung vorgenommen und entfernt." Dazu ein Smiley. Fertig ist die Laube.    
Die wirtschaftliche motivierten Daten"spione" Google, Yahoo, Facebook et.al. sind von dem sicherheitspolitisch motivierten Spion Staat übertölpelt worden. Was folgt daraus für die Verbraucher? Mehr Fatalismus. Haben sie bereits in erster Linie freiwillig den Konzernen ihre privaten Daten anvertraut, weil sie diese entweder als wenig brisant einstufen oder weil sie schlicht die Services, die die Dienste bieten, zu schätzen wissen und keine Alternativen kennen, sehen sie sich nun auch dem Zugriff auf diese Daten durch die US-Regierung bzw. die NSA ausgesetzt. Werden sie darauf mit mehr reagieren als einem letztlich resignativen Schulterzucken?

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