TechCrunch: Marc Samwers Auftritt in Berlin

Für die deutsche Startup-Szene ist es so etwas wie eine Adelung: Die Konferenz TechCrunch Disrupt macht das erste Mal außerhalb von den USA Station und hat sich nicht etwa das Investoren-Mekka London ausgesucht, sondern Berlin. Erster Gast auf der ganz in Grün beleuchteten Bühne war Marc Samwer. Eine naheliegende Wahl, wenn auch die Einstiegsfragen an Samwer zeigten: Auch TechCrunch interessieren wieder mal nur die Fragen nach Copycat-Startups und die Blitzkrieg-Mail von Bruder Oliver.

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Samwer nutzte die Bühne in der sonst hauptsächlich für Konzerte genutzten Arena dann routiniert-geschickt vor allem für Eigenwerbung. Halbwegs kritischen Fragen (Wie war das mit Groupon?) oder Nachfragen zu Börsengängen (Zalando und Co.) wich Samwer aus, bzw. beantwortete sie nicht. Keine Frage, dass die Samer-Brüder nach wie vor mit Geschäftsmodell-Klonen in Verbindung gebracht werden. Doch warum genau diese, seit Jahren gestellte Frage, nun wieder für einen "provokativen" Einstieg ins Gespräch genutzt werden musste, wusste vermutlich nur TechCrunch-Mann Mike Butcher.

Die Essenz des Ansatzes der global aktiven Samwers nannte Marc Samwer ganz am Schluss des Gespräches: "Es gibt keinen Ort auf der Welt, an dem man kein großartiges Online-Business aufbauen kann." Zuvor hatte er bereits dazu geraten, mit Ideen nach Südamerika, Südost-Asien und Afrika zu gehen. Denn es gebe "kaum ein Geschäftsmodell, das nicht international funktioniert". Doch die Zeit werde knapp: "Wenn ihr zu lange wartet, dann sind die Möglichkeiten nicht mehr da."

Einen Vorwurf, der Samwer-Inkubator Rocket Internet beteilige seine Gründern nur marginal an den Startups, die sie aufbauen, beantwortete Samwer so: "Wir haben mehr Millionäre aus Gründern gemacht als jede andere Gruppe." Über das Verhältnis zu seinen Brüdern sagte er: "Wir haben immer den unbedingten Willen, zu einer Einigung zu kommen." Wo ein solcher Ansatz manchmal für Blockaden sorgt, scheint es für die Samwers blendend zu laufen.

Den European Founders Fund werden die Samwers in Global Founders Group umbennen, kündigte Marc Samwer an. Der Investment-Arm heißt Global Founders Capital. Haupt-Inkubator bleibt Rocket Internet. Samwers Auftritt brachte ansonsten wenig Neues oder tiefe Einblicke, doch das gelingt auf offener Bühne nur selten. Disruptive Gespräche scheinen selbst für TechCrunch Disrupt eine Herausforderung zu sein.

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