Pocher vs. Becker: Keine Frage der Ehre

Das von Sonja Zietlow als "TV-Sensation" angekündigte Duell Boris Becker gegen Oliver Pocher war natürlich keine Sensation. Keine große, keine kleine, überhaupt keine. Der Respekt gilt Lilly Becker, die bei einigen lächerlichen Spielen für ihren Mann, den ehemaligen Wimbledon-Champion einsprang, und bis zum Umfallen kämpfte. Ein klein wenig Mitleid geht an den ehemaligen Champ Becker, der einfach besser beraten werden müsste. Und Pocher? Der gewann ein Duell, das zum Mitfiebern nicht einlud.

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Ich hatte gute Vorsätze: Kind rechtzeitig ins Bett gebracht, die Frau bei einer Verabredung mit einer Freundin, den Laptop zur Protokollierung der besten Witze bereit. Doch ach, es hatte alles keinen Zweck. Nach etwa einer der über drei Stunden von "Alle auf den Kleinen" auf RTL fing ich an, Geschirr zu spülen, Klamotten wegzuräumen, ein Nachbar wollte sich etwas leihen – kein Problem. Denn es fehlte die Spannung. Trotz aller künstlich aufgeblähten Streiterei (ja, auch MEEDIA hatte sich daran beteiligt).
Der Twitter-Zoff zwischen dem Spaßvogel und dem ehemaligen Tennisstar, er scheint zwar echt gewesen zu sein. Allein, der unbeteiligte Zuschauer musste auch so etwas wie Befremden bei Ansicht der Kontrahenten epfinden. Emotional nahm dieser Zweikampf in keinerlei Hinsicht mit. Denn es ging ja um nichts, vor allem nicht um die Ehre. Dieser Begriff ging bei dem Becker-Pocher-Tweef als erster flöten.
Boris Becker hat keine Probleme damit, viele Bilder zuzulassen, die sein Image nachhaltig ramponieren. Schon vor seinem Twitter-Zoff mit Pocher ließ er u.a. eine Serie über sich abdrehen, die an Banalität nicht zu überbieten war. Und nun: Ein dreimaliger Wimbledonsieger, der seine eigenen Fotos mit Tennisbällen abschießt? Der eine absurde Kopfbedeckung mit zwei Fliegenklatschen trägt? Der sich mit Tomaten beschießen lässt? Werbeverträge mit Luxusmarken dürfte das nicht gerade einbringen. Becker bekam für den Auftritt angeblich 250.000 Euro – er scheint das Geld nötig zu haben.
Auf der anderen Seite – Becker konnte auch über sich lachen. Er sah nicht gerade topfit aus, sprach über seine kaputten Sprunggelenke, ächzte, schaute relativ stoisch drein, auch bei Beleidigungen aus der Pocher-Ecke. Hätte er in die Sendung gehen sollen? Auf keinen Fall. Hat er sich zum Deppen gemacht? Ein wenig. Doch wer gesehen hat, wie Becker nach seiner Niederlage eine Träne verdrückte und Pocher, der ihn zuvor ein weiteres Mal erniedrigt hatte ("Er hat am Ende des Tages, wie so oft im Leben, leider verloren") sogar angemessen gratulierte ("Alle auf den Kleinen, heute warst Du ein Großer"), der empfand fast notgedrungen Bedauern, dass es diese Sendung geben musste.
Bedauern, das passte dann um 23.30 Uhr. Jedes weitere Wort wäre zu viel. 

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