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Berliner Zeitung: Zuckerli für die Redaktion

Seit gut 15 Jahren verzichtet die Berliner Zeitung weitgehend auf professionelle Werbung. Jetzt ist die PR-Abstinenz vorbei. Mit ihrer neuen Kampagne peilen die Berliner gleich mehrere Ziele an: Die Werbung soll die Sichtbarkeit in der Hauptstadt erhöhen, die Rückbesinnung aufs Lokale unterstreichen, helfen die Auflage zu stabilisieren und auch nach Innen wirken. "Endlich wurde der Redaktion mal wieder gesagt: Ihr seid hier die Wichtigen", erklärt Chefredakteurin Brigitte Fehrle gegenüber MEEDIA.

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Die Geschichte der Berliner Zeitung war in den vergangenen Jahren nicht gerade von Erfolgsmeldungen geprägt: Mehrere Eigentümerwechsel, viele Sparrunden inklusive Personalabbau und zu guter Letzt die Trennung nach nur kurzer Partnerschaft mit der Frankfurter Rundschau.

Nun, nach Jahren des Darbens, bekommt die Redaktion mal wieder ein Zuckerli. Eine Werbekampagne, bei der die Redakteure (inklusive der Chefin selber) ein Gesicht bekommen. Der Fokus liegt auf der lokalen Positionierung der Zeitung als Blatt für Berlin. Im MEEDIA-Interview erklärt Fehrle, welche Hoffnungen sie mit der neuen Kampagne verbindet, warum es dringend notwendig war, für die eigene Arbeit zu werben und wie die Werbung helfen soll, die sinkenden Verkäufe zu stabilisieren. Immerhin musste die Tageszeitung gerade ein Minus von 6,11 Prozent hinnehmen. Zur Zeit kommt die Berliner Zeitung auf einen Gesamtverkauf von 123.646 Exemplaren.

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Bald hängen Sie in ganz Berlin. Schon nervös?
Ein wenig schon. Für uns ist das eine große aufregende Sache, dass wir nach so langer Zeit mal wieder eine Kampagne machen. Und sich auf diese Weise öffentlich zu zeigen, ist für schreibende Journalisten etwas sehr Besonderes.

Wann lief denn die letzte Kampagne für die Berliner Zeitung?
Es war noch vor der Jahrtausendwende. Entweder 1998 oder 1999. Damals war Gruner + Jahr noch Eigentümer. Der damalige Chefredakteur Michael Maier durfte mit der Kampagne für seinen frischen Relaunch werben.

15 Jahre sind für eine Zeitung doch eine halbe Ewigkeit. Warum wurde so lange nicht mehr für die Berliner Zeitung geworben?
Das hatte mit den vielen Eigentümewechseln zu tun. Keiner ist an den Punkt gekommen, dass er gesagt hätte: Das ist mein Konzept, in diese Richtung will ich investieren, so soll mein Marketing aussehen.

Vor 15 Jahren wurde ein Relaunch beworben. Gibt es den diesmal auch wieder?
Nein. Wir haben nur ein wenig aufgeräumt. Wir renovieren die erste Seite und legen Hand an die Schriften. Wir wollen, dass die Leser unsere Zeitung als hochwertiges Produkt wahrnehmen, deshalb haben wir mehr Klarheit und Strenge in die Gestaltung gebracht.

Soll die Werbekampagne die Wertigkeit auch stärker zum Ausdruck bringen?
Nicht in erster Linie. Die Kampagne soll vor allem die Besonderheit der Zeitung in den Vordergrund stellen.

Und worin liegt die Besonderheit?
In den Köpfen. Die Redakteure, ihre Porträts, zeigen die Zeitung wie sie ist: Gewitzt und bissig, modern, intelligent, großstädtisch mit viel Liebe zu ihrer Stadt. Die Köpfe zeigen aber auch unsere Haltung als Zeitung: gradlinig, hartnäckig, neugierig, mutig.

Ist die Köpfe-Kampagne auch ein Signal nach Innen, dass die Redaktion, die in den vergangenen Jahren viele Sparrunden mitmachen musste, nun auch mal richtig öffentlich gelobt wird?
Tatsächlich war für uns die Kampagne auch nach Innen sehr wichtig. Endlich wurde der Redaktion mal wieder gesagt: Ihr seid hier die Wichtigen. Ihr seid unser Kapital. Natürlich geht es grundsätzlich aber darum der Stadt, denjenigen, die uns noch nicht kennen,  zu erklären, wer wir sind. Übrigens finde ich es auch bemerkenswert, dass sich alle Redakteure gerne für ihren Arbeitgeber haben fotografieren lassen. Das zeigt, wie sehr sich die Redakteure mit ihrer Zeitung identifizieren.  

Sind Sie denn auch dabei?
Natürlich.

Kann so eine Kampagne helfen, den Auflagenschwund zu stoppen?
Ich hoffe. Wir machen täglich eine sehr gute Zeitung. Das muss man ab und zu auch mal laut sagen.

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