iPad mini: Apples riskante Hochpreiswette

Gerade mal sechs Wochen ist es her, als Apple die Fachwelt mit einem vermeintlich günstigeren iPhone überraschte, das am Ende ziemlich teuer war. Bei seinem kleineren Tablet hat Apple nun sogar draufgelegt: Das iPad mini mit Retina Display kostet sogar noch mal 70 Dollar mehr als sein Vorgänger! In einer Welt, in der Android-Tablets schon für 129 Dollar zu haben sind, sorgt Apples Hochpreisstrategie an der Wall Street für Kopfschütteln – zumal das iPad-Geschäft bereits schrumpft ...

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Gerade mal sechs Wochen ist es her, als Apple die Fachwelt mit einem vermeintlich günstigeren iPhone überraschte, das am Ende ziemlich teuer war. Bei seinem kleineren Tablet hat Apple nun sogar draufgelegt: Das iPad mini mit Retina Display kostet sogar noch mal 70 Dollar mehr als sein Vorgänger! In einer Welt, in der Android-Tablets schon für 129 Dollar zu haben sind, sorgt Apples Hochpreisstrategie an der Wall Street für Kopfschütteln – zumal das iPad-Geschäft bereits schrumpft …

Es war gestern wie immer im Moscone Center: Apple brennt ein Produktfeuerwerk ab, das sowohl Fans als auch Branchenexperten Respekt abnötig – die neue Gadgets und Comouter aus Cupertino sehen wieder einmal verdammt verlockend aus. Wer möchte da nicht zugreifen? Wäre da nicht die Sache mit dem Preis…

Dass Apple immer mal wieder bereit ist, Produkte für Kampfpreise auf den Markt zu werden, ist bekannt – es kommt nur nicht besonders oft vor. Die Set-Top-Box Apple TV ist so ein Fall, der iPod Shuffle oder auch der nano ein anderer. Das iPad mini, so schien es, wäre als Klein-Variante des Tablet-Bestellers zumindest in späteren Generationen für den kleineren Beutel prädestiniert.

Apple dreht an der Preisschraube – nach oben!

Doch nur ganze 30 Dollar Nachlass gewährte der wertvollste Konzern der Welt Kunden für das 7,9 Zoll große Modell, das seit zwölf Monaten auf dem Markt ist – immer noch stolze 299 Dollar oder 289 Euro kostet das iPad mini nun noch. Doch Apple hat sein kleines iPad pünktlich zum Weihnachtsgeschäft einer Generalüberholung unterzogen und nun auch mit dem bereits vom großen iPad, iPhone oder Mac Book Pro bekannten Retina Display ausgerüstet.

Der verschärfte Anblick hat seinen Preis. Happige 399 Dollar bzw. 389 Euro kostet Apples neues, aufgewertetes iPad mini. Tatsächlich hat Apple damit erstmals seit vielen Jahren bei einem Produktlaunch die Preisschraube sogar wieder angezogen! Nach 329 Dollar müssen iPad mini-Käufer nun also sogar 70 Dollar  mehr berappen, um in den Genuss des allerneusten Apple-Tablets zu kommen – und das auch im kleinen Format.

Anleger zunächst schockiert

In einer Zeit, in der 7-Zoll-Tablets aus dem Android-Lager schon für rund 100 Dollar angeboten werden, erscheint Apples drei- bis vierfacher Preis für Aktionäre nur schwer nachvollziehbar. Anleger reagierten nach der Preisverkündung schockiert und trieben die Apple-Aktie reflexartig um 12 Dollar auf 510 Dollar nach unten, ehe eine Kurserholung einsetzte.

Tatsächlich wiederholt Apple aber damit nur die Blaupause, die bereits vor sechs Monaten zum Einsatz kam. Warum war das bunte Plastik-iPhone 5c noch gleich so teuer? Weil es Apple es sich leisten kann. Und weil es sein Premium-Produkt, das iPhone 5s, nach unten absichern muss.  

Balsam für die Gewinnmarge, Verteidigung vom iPad Air

Dieselbe Strategie wird nun beim iPad mini gefahren: Dass ein 329 Dollar teures iPad der Gewinnmarge gar nicht gut tut, haben Aktionäre in den vergangenen zwölf Monaten leidvoll erfahren. Doch was tun – mitten im Geschäftsjahr ein Produkt im Preis anheben? Undenkbar! Entsprechend wurde die Anpassung nun in der zweiten Mini-Generation vorgenommen.

Im Vorbeigehen wird das neue iPad im Maxi-Format durch die Mini-Bepreisung regelrecht aufgewertet: Plötzlich erscheint das iPad Air mit 499 Dollar bzw. 479 Euro regelrecht attraktiv. Apple vermeidet damit die Selbstkannibalisierung und tut etwas für die 2013 arg gerupfte Gewinnmarge.

Kann Apple mit teureren iPads mehr verkaufen als im Vorjahr?

Doch die Strategie bleibt eine Hochrisikowette. Apples iPad-Sparte ist im erst vierten Jahr ihrer Existenz seltsam angreifbar. Im Juni-Quartal wurde der erste Absatzrückgang seit dem Debüt 2010 verzeichnet, im gerade abgelaufenen Dreimonatszeitraum dürfte es nicht besser werden.

Ob Apple nun mit einem teureren iPad mini mehr Tablets verkauft als bisher ist eine kühne Wette, die Tim Cook riskiert. 22,9 Millionen iPad sind aus dem Weihnachtsquartal 2012 zu schlagen. Die Latte für iPad mini und iPad Air liegt hoch – luftig hoch.

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