Google & Co: der Triumph der Web-Pioniere

Angetrieben von den starken Quartalszahlen legte Google am Freitag eine fantastische Rallye hin, dank der die Suchmaschine erstmals die 1.000-Dollarmarke durchbrach. Googles Traumlauf an der Börse elektrisiert eine ganze Branche: Auch Amazon und Facebook schossen auf neue Allzeithochs. Die Internet-Giganten scheinen vor einem goldenen Zeitalter zu stehen – sind allesamt bereits wertvoller als jeder deutsche Konzern. Google könnte schon bald der totale Triumph winken.

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Angetrieben von den starken Quartalszahlen legte Google am Freitag eine fantastische Rallye hin, dank der die Suchmaschine erstmals die 1.000-Dollarmarke durchbrach. Googles Traumlauf an der Börse elektrisiert eine ganze Branche: Auch Amazon und Facebook schossen auf neue Allzeithochs. Die Internet-Giganten scheinen vor einem goldenen Zeitalter zu stehen – sind allesamt bereits wertvoller als jeder deutsche Konzern. Google könnte schon bald der totale Triumph winken.

Es gibt diese Anzeige aus dem Jahr 1999, als der Dow Jones Index, am 29. März erstmals die 10.000-Punktemarke durchbrach: Als "eine der größten Errungenschaften der Menschheit" pries die Investmentbank Merrill Lynch den Durchbruch durch die magische Schwelle – 103 Jahre hatte es seit dem Start der wichtigsten Börsenbenchmark der Welt schließlich gedauert.  

Für die Internetbranche kam der Tag des größten Meilensteins am vergangenen Freitag, dem 18. Oktober. Google knackte nach einem wahren Traumlauf mit einem Kursplus von 122 Dollar an nur einem Handelstag erstmals die 1.000-Dollarmarke. 1.000 Dollar für den mit Abstand wertvollsten Internetkonzern der Welt, der beim Börsengang neun Jahre zuvor noch für ganze 80 Dollar zu haben war!

Gigantischer Kurssprung: Google legt um 44 Milliarden Dollar Börsenwert zu

Die Ausmaße von Googles Kursexplosion sind absolut bemerkenswert. Der Parforceritt vom Freitag, mit dem die Suchmaschine mal eben 44 Milliarden Dollar Börsenwert einsammelte, lässt Google von Höherem träumen. Auf enorme 338 Milliarden Dollar ist Googles Marktkapitalisierung damit bereits angeschwollen – nur noch zwei Unternehmen liegen vor dem Internet-Giganten.

Und das inzwischen sogar in Sichtweise. Bei 385 Milliarden Dollar notiert die weltweite Nummer zwei, die lange – fast das ganze vergangene Jahrzehnt – die Nummer eins war, ExxonMobil. Doch der Ölmulti wirkt an der Börse erstarrt und bewegt sich seit Jahren in einer äußerst engen Handelsspanne von 10 bis 20 Dollar– Überraschungen sollten Aktionäre von ExxonMobil eher nicht erwarten.  
 
Wachablösung in Sicht: Apple schwächelt, Google könnte bald vorbeiziehen

Die globale Nummer eins hat sich binnen eines Jahres vom vermeintlich sicheren Kandidaten auf das erste Billionen-Dollar-Unternehmen zum veritablen Sorgenkind entwickelt: Apple ist sichtbar außer Tritt geraten und schrumpft schon das ganze
Geschäftsjahr über. Aktionäre warten seit Januar auf ein Kursplus: Momentan liegen die Aktien des iKonzerns immer noch um 5 Prozent unter Wasser, während die Weltbörsen von Rekordhoch zu Rekordhoch eilen.    

Google selbst ist das beste Vorbild, dass schiere Größe nicht von satten Kursgewinnen abhalten muss – immense 43 Prozent beträgt der Kurszuwachs seit Januar. Kann Google ein solches Plus noch einmal wiederholen, während Apple bei 500 Dollar stagniert, winkt Google der totale Triumph des wertvollsten Konzerns der Welt.

Google verblüfft: Beschleunigtes Umsatzwachstum, anziehende Gewinne

Die Wachablösung wäre mehr als ein Statement, so wie Apples Überrundung von Microsoft 2010 eines war – es wäre gleichfalls der Donnerschlag eines epochalen Wandels. Dass die Zeitenwende kommen wird, scheint angesichts von Apples augenscheinlichen Problemen und Googles fast unbegrenztem Wachstumspotenzial schon heute fast so unvermeidlich wie Apples Überholung von Microsoft.

Noch verdient Apple mehr als doppelt so viel wie Google, doch der Trend ist der Feind des iKonzerns. In allen Quartalen des gerade abgelaufenen Geschäftsjahres verdiente Apple weniger und offenbarte dabei in fast allen Konzernbereichen ungeahnte Schwächen – selbst die junge iPad-Sparte schrumpft bereits.

Google dagegen hat im 15. Jahr seines Bestehens scheinbar die Zauberformel gefunden, die viele dem Internet-Pionier nicht mehr zugetraut hatten: accelerated revenue growth konnte Google bei Vorlage seiner jüngsten Quartalszahlen nochmals vorweisen – beschleunigtes Umsatzwachstum. Es ist der Stoff, aus dem Wachstumsträume sind. Die Gewinne explodierten sogar in seit Jahren nicht mehr gesehenen Dimensionen von 36 Prozent.

Auch Amazon auf Allzeithochs

Dabei ist das kein Einzelfall, sondern vielmehr Sinnbild für den bemerkenswerten Siegeszug der gesamten Internetbranche. Nach zwei wilden Jahrzehnten zwischen Anspruch, Verspechen, wilden Spekulationsexzessen und schmerzhaften Pleiten, ist die Web-Wirtschaft erwachsen geworden. Geschäftsmodelle haben sich bewiesen und durchgesetzt.

Erstaunlicherweise gilt das mit einer großen Vorhersehbarkeit auch für die Branchenpioniere. Denn Google ist alles andere als ein Einzelfall: Synchron mit dem Platzhirsch sprintete auch am Freitag die Nummer zwei der Branche auf neue Allzeithochs: Amazon ist bei nunmehr 330 Dollar ebenfalls so wertvoll wie noch nie – 150 Milliarden Dollar beträgt die Marktkapitalisierung bereits. Das ist mehr als jeder Dax-Konzern!

Facebook ebenfalls wertvoller als jeder Dax-Konzern

Auch die Nummer drei des Webs, Facebook, hat mit seiner Börsenbewertung, die auf der Basis der ebenfalls neuen Allzeithochs am Freitag auf 132 Milliarden Dollar hochgeschossen ist, die Nummer eins der Deutschland AG, Siemens, weiter distanziert. Und auch vom nächsten Mega-Börsengang eines Internet-Unternehmens werden deutsche Konzerne nur die Rücklichter betrachten: Alibaba könnte, wenn es im ersten Quartal nächsten Jahres an der Wall Street debütiert, aus dem Stand wertvoller werden als jeder Dax-Konzern.  

eBay verdient unterdessen dank Paypal weiter gut und ist mit einer Marktkapitalisierung von rund 50 Milliarden Dollar in etwa so wertvoll wie die Deutsche Telekom. Die nächsten Börsenschwergewichte der Dotcombranche sind unterdessen schon wertvoller als die Deutsche Bank, die aber hat hierzulande immer noch fast keiner auf der Rechnung. Die chinesische Suchmaschine Baidu ist bereits 58 Milliarden Dollar schwer, während Priceline auf 54 Milliarden Dollar kommt und Google an der Börse sogar beim Sprint um die 1.000 Dollarmarke im September zuvorkam.

Das goldene Zeitalter des Webs: Dotcom nie wertvoller als heute

Für die Internetbranche ist offenkundig das Goldene Zeitalter angebrochen. Es sieht so aus, als würden die Internetgiganten die Zukunft der Weltwirtschaft im kommenden Jahrzehnt unter sich ausmachen.

So wie Google sich bald einen großen Showdown mit Apple liefern dürfte, haben Amazon, Facebook und vor allem Alibaba das Potenzial, Witterung mit der 200 Milliarden-Marke aufzunehmen und dann die Traditionskonzerne wie Coca Cola, Procter & Gamble und Walmart herauszufordern. Nie war die Bedeutung des Internets volks- und betriebswirtschaftlich größer und seine Protagonisten wertvoller als heute – was für einen Unterschied wenige Jahre machen können! 

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