„Konnte sich nicht mal die Titanic ausdenken“

Publishing Das Rätselraten um die Anchor-Person der Huffington Post ist beendet: Der ehemalige Moderator des ZDF-Morgenmagazins, Cherno Jobatey, übernimmt den Job. Auch die Identität erster Gastautoren – u.a. Boris Becker - ist schon bekannt. Mit einer gehörigen Portion Häme und Verwunderung kommentierte bislang das Social Web die Personalien. Vortrefflich streiten lässt sich zudem noch über die Erfolgsaussichten des gesamten Konstrukts Huffington Post. MEEDIA fasst die interessantesten Wortmeldungen zusammen.

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Bei Twitter gab es für die Personalentscheidungen, Lob, Vorfreude und Häme. Felix Schwenzel kommentierte: „boris becker, cherno jobatey, fehlt zum start der #huffpostde eigentlich nur noch micaela schäfer als kolumnistin“. Springer-Mann Pit Gottschalk gratulierte dem ehemaligen Morgenmagazin-Moderator. Dagegen zwitscherte Wolfgang Michal zu den Personal-Entscheidungen: „Das konnte sich ja nicht mal die Titanic ausdenken.“ Antwort von Don Dahlmann: „Hallo, es ist Burda. Was habt ihr denn alle erwartet von der HuffPost. Seid doch froh, dass Regina Sixt nicht das Editorial schriebt.“
 
Markus Hesselmann vom Tagesspiegel erinnert die Jobatey-Personalie „ein bisschen an Uli Wickert bei Zoomer.de“. Das Holtzbrinck-Projekt war damals ähnlich ambitioniert gestartet und recht schnell wegen Erfolglosigkeit wieder eingestellt worden.

Seit Tagen bereits beschäftigen sich auch die arrivierten Medien mit dem Deutschland-Start der US-Plattform. So findet der Investigativ-Chef des Handelsblatt, Sönke Iwersen, dass das Konzept der HuffPo „wunderbar“ klingt – „bis jemand einmal in Dollar und Cent nachrechnet“. Dann verkündet er die „bittere Wahrheit“ über die Huffington Post: „Obwohl sie mit einem Maximum an Sparsamkeit konzipiert ist, obwohl der größte Teil ihrer Autoren ohne Bezahlung schreibt, ist das Projekt auch acht Jahre nach Gründung defizitär. Überleben kann die Zeitung nur, weil sie von einem anderen AOL-Geschäftsbereich subventioniert wird. Aber dieser stirbt langsam ab.“

In einem großen Zeit-Stück hat sich Götz Hamann bereits Ende vergangener Woche mit der Funktionsweise und vor allem mit der softwaregestützten Nutzer- und Inhalte-Analyse der Huffington Post beschäftigt. Diese kann in Echtzeit sagen, welche Themen, Zeilen oder Bilder gerade besonders gut laufen. „Manche Medienkritiker halten das für Betrug am Leser: erst fremder Journalisten Arbeit klauen, dann ein bisschen mischen und Lockstoffe auslegen. Aber die Leser der Huffington Post fühlen sich offenbar nicht betrogen. Sie hängen an dem Onlineangebot und diskutieren leidenschaftlich über einzelne Artikel.“

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung beschäftigt sich Stefan Niggemeier unter anderem mit dem Konzept des US-Portals auch auf kostenlose Inhalte von Bloggern und Gastkommentaren zu setzen, welche Diskussion das hierzulande ausgelöst hat. „Aber hinter der Debatte um das Geschäftsmodell der Huffington Post steckt eine größere Entwicklung im Medienbereich: Aufmerksamkeit ersetzt zunehmend Geld als Zahlungsmittel“. Weiter schreibt der Medienjournalist: „Natürlich hat die Währung Aufmerksamkeit einen realen Wert, und oft ist er groß genug, dass es sich lohnt, ein solches Angebot anzunehmen. Das gilt aber insbesondere bei Menschen, die nicht vom Journalismus zu leben versuchen.“

Ebenfalls in der FAZ kommt Patrick Bahners zu dem Schluss, dass bei dem Online-Portal vor allem „Unbezahlte für Gelangweilte“ schreiben würden. Zudem berichtet Bahners, dass sich Arianna Huffington gerade mit einer gepfefferten Plagiatsklage konfrontiert sieht.

Der Journalist hat dagegen vier Web-Experten gefragt, wie sie die Chancen der deutschen Huffington Post einschätzen. Thomas Knüwer sieht „guten Chancen“, Wiwo.de-Chefin Franziska Bluhm zweifelt eher („Sie wird es schwer haben“), wohingegen Richard Gutjahr glaubt, dass das Portal „viele positive Effekte auf die deutsche Medienlandschaft haben“ kann.

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