„Bald 100 Prozent mobilen Traffic“

Gutefrage.net gehört zu den reichweitenstärksten Portalen im deutschen Web überhaupt - User fragen, User antworten, und das millionenfach. Für jede noch so banale oder skurille Frage gibt es Auskenner, die weiterhelfen können - und im Mai wurde die zehnmillionste Frage gestellt. Markus Wölflick hat das Portal nicht nur mitgegründet, sondern für den Gesellschafter, die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, mit dem Aufbau von Helpster.de und dem Zukauf von Cosmiq ein ganzes Frage-Imperium aufgebaut. Im Interview spricht Wöflick u.a. über die mobile Zukunft seiner Angebote.

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Mal Hand aufs Herz – wie viele der Fragen, die täglich auf gutefrage.net laufen, sind wirklich gut oder hilfreich?
Der Community und uns ist es sehr wichtig, dass wir nur Themen auf der Plattform präsentieren, die qualitative Standards erfüllen und einen wirklichen Nutzwert bieten. Im Mai 2013 wurde die zehnmillionste Frage in der Community gestellt. Trotzdem löschen wir ab und an neue Fragen, wenn diese nicht den Richtlinien entsprechen. Über 90 Prozent der auf der Plattform aktiven Fragen sind aber ratsuchend und damit für den Fragesteller und die Community hilfreich. Es überrascht auch uns manchmal, dass hier kein Abflachen des Wachstums zu erkennen ist, aber unsere Community ist aktiv, neugierig und hilfsbereit. Gerade im Mobile-Segment sehen wir noch erhebliches Potenzial, da durch spontan ausgelöste Impulse und Situationen interessante Fragen entstehen. Auch wenn wir öfter den Einwand hören, dass mittlerweile die letzte Frage gestellt sein sollte, steigt die Anzahl der Fragen und Antworten immer weiter an. Allein im letzten Jahr um weitere drei Millionen Fragen.
Wie lautet denn die meistgestellte Frage?
Die Fragen kommen aus fast allen Bereichen des Lebens und es kommen auch immer wieder neue Themen hinzu. Oft gibt es auch Fragen, die auf den ersten Blick skurril oder nur begrenzt sinnvoll erscheinen, hinter denen aber persönliche Probleme und Schicksale stecken. Ein Beispiel ist die immer wieder gestellte Frage ‚Bin ich schwanger?‘. Diese häufig gestellte Frage kann kopfschüttelnd belächelt werden oder aber – wie in unserer Community – als Hilfeschrei eines ratsuchenden Mädchens aufgefasst werden. Hier antworten unsere Communitymitglieder durch aufklärende Antworten immer wieder geduldig und sorgen dafür, dass der Fragestellerin wirklich geholfen wird. Stark gefragt sind sicherlich auch die Themen „Schule & Erziehung“,  „Gesundheit“, „Computer & Technik“ oder „Liebe & Beziehung“. Neben ganz praktischen Fragen wird häufig um konkrete Lebenshilfe gebeten. 
Wie viel Gewinn hat gutefrage.net im vergangenen Jahr erwirtschaftet?
Gutefrage.net ist seit vier Jahren deutlich profitabel. Unser Gesellschafter Holtzbrinck Digital erlaubt uns die Gewinne in die gutefrage.net-Gruppe zu reinvestieren, etwa in helpster.de oder weitere, neue Plattformen, an denen wir derzeit arbeiten. Genaue Zahlen kann ich hier leider nicht nennen.
Zu den neuen Plattformen zählt auch ein Einkaufsratgeber.
Ja, da geht es um Einkaufsberatung, Produktvorstellungen, Vergleiche und Tests. Das Design ist responsiv, kann also auf allen Endgeräten gleichermaßen gut betrachtet werden. Wir werden dazu in Kürze mehr sagen können.
Ist die Strategie, mit nutzergenerierten Inhalten weiter zu wachsen, über das Kernportal gutefrage.net hinaus, nicht irgendwann einmal ausgereizt
Nein. Wir wachsen. Im Augenblick denken wir beispielsweise verstärkt über Verticals nach, also Themenportale beispielsweise zu Auto, Reise, Sport, Finanzen, Bildung, die sich aus unseren anderen Ratgeberportalen speisen. Wir beobachten einen Trend zur Zersplitterung der Communities in den USA, die Themenkanäle werden immer spezieller. Der Entwicklung können wir über Verticals Rechnung tragen. Wir verfügen bereits über sehr viele Daten über die Interessen unserer Nutzer und sehen, was die Leute im Netz suchen. An solchen Informationen hat die werbungtreibende Wirtschaft ein großes Interesse.
Zurück zu gutefrage.net: Welche Einnahmequellen hat das Portal neben klassischer Werbung?
Wir verkaufen Premium-Profile an Unternehmen. Aktuell sind eine Versicherung, eine Bank und eine Fernschule unter unseren Premium-Partnern. Die dann online beispielsweise Sprechstunden abhalten. Es ist aber immer nur ein Vertreter einer Branche unter den Premium-Partnern. Mit Unternehmensprofilen auf Facebook können und wollen wir uns darum auch gar nicht messen. Vielmehr sehe ich unsere Premium Profile als eine Art "Gegengewicht" zu Facebooks Ansatz.
Wie viel Traffic wird auf der Seite über Google generiert, wie viel über andere Quellen? Welche sind das?
Im Bereich der lesenden Nutzer sind die Suchmaschinen und im speziellen Google von überragender Bedeutung für uns. Da kommen wir auf plus 80 Prozent des Traffics. Im Bereich der Community, unserer Heavy-User, spielen die Suchmaschinen hingegen kaum eine Rolle.
Wie lange wird SEO noch das dominierende Thema sein, um Reichweite und damit Werbeerlöse im Netz zu generieren?
Das variiert denke ich stark von Portal zu Portal. Gutefrage.net war nicht in der Situation, auf eine starke Print- oder Fernsehmarke aufbauen zu können, deswegen sind wir im Bereich Brand Traffic sicherlich noch nicht optimal aufgestellt. Bei Ratgeberinhalten spielt Facebook als zweite dominante Traffic-Drehscheibe leider derzeit keine so große Rolle. Facebook User sharen eher aktuelle News, Skurriles oder Privates.
Warum sind die meisten Fragen und Antworten noch textbasiert – und wann kommt der Durchbruch für Video?
Wir haben in unserer gutefrage.net-Gruppe in Summe über 10.000 hilfreiche Ratgeber Videos und damit eine der größten Ratgeber-Videodatenbanken in der DACH-Region. Aber klar, im Vergleich zu aktuell mehr als zehn Millionen Fragen geht Bewegtbild etwas unter. Es bedarf einfach einiger Zeit und Mühe, um ein akzeptables Video zu produzieren. Denn auch in dem Bereich legen wir unsere Qualitätskriterien an und löschen nutzlose Spaßvideos.
Meinen Sie, die Rezepte von gutefrage.net sind auf journalistische Newsportale übertragbar? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
In relevanten Teilen sicherlich. Wir nutzen z.B. sehr konsequent Daten aller Art, die Online automatisch und kostenlos liefert (etwa Klickpfade, multivariantes Testing…), um unsere User Experience, unser Nutzererlebnis der Website, die Inhalte, aber auch die Werbung ständig zu optimieren. Damit versuchen wir von Entscheidungen wie "mein Bauch sagt" oder "mir gefällt das besser" abzulassen, um datenbasierte Wege einzuschlagen.  Das zahlt sich sicherlich nicht nur für uns aus und ist in weiten Teilen auch auf eine Vielzahl redaktioneller Portale übertragbar.
Was ist für Sie das Megathema, um das sich alle Netz-Unternehmen in den kommenden 12 Monaten kümmern müssen?
Ganz klar: Mobile first! Wir haben ein ganzes Mobile-Team im Unternehmen, entwickeln für die Community gerade auch eine eigene App, die sich personalisieren lässt.
Wie mobil wird das Internet in 5 Jahren sein?
Wir haben sehr früh auf HTML 5 gesetzt und nicht zuletzt deswegen ist unsere mobile Website von gutefrage.net auch in der Mobil AGOF auf Platz 1. Bereits über 30 Prozent unseres Traffics kommt über mobile Endgeräte. Wenn dieser Trend sich so fortsetzt, werden wir bald 100 Prozent mobilen Traffic zählen. Von daher gilt es auch langfristig  "mobile" zu denken und  sinnvolle Investitionen zu tätigen. Neue Plattformen gehen wir bereits mit dem Gedanken "mobile first" in der Konzeptionierung an.

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