Zeitungskrise: DuMont ist überall

"Unvermeidlich und unaufschiebbar", "Einbruch", "gezwungen" – die Mitteilung vom Mittwoch über die Umstrukturierung inklusive Stellenabbau bei M. DuMont Schauberg war in durchaus klaren Worte verfasst. Auch wenn "Neuausrichtung des Verlags" den damit verbundenen Abschmelzungsprozess ein wenig kaschiert. Die Kölner hatten in ihrer Heimat zwar bereits in den Jahren zuvor gespart, doch in der Regel Stellen sozialverträglich, etwa über freiwillige Abfindungen, abgebaut. Damit ist nun Schluss.

Anzeige

Was zuvor beim Berliner Verlag vorexerziert wurde, geschieht nun auch im Kölner Stammhaus des Familienverlags. Ein Teil der Mitarbeiter, rund zehn Prozent, muss gehen, die Vermarktung wird ausgelagert und neu aufgestellt, in einer nicht tarifgebundenen Tochterfirma. Die Neuaufstellung trägt den sich geänderten Mechanismen der Vermarktung Rechnung, nach altem Muster – Print hier, Digital da – funktioniert das Geschäft eben nicht mehr.
Hätte das Stammhaus früher reagieren können, war der Einbruch im Anzeigengeschäft wirklich in dieser Form "nicht vorhersehbar"? Darüber ließe sich vermutlich debattieren. Fakt ist, dass Geschäftsführer Philipp Froben seit Jahresanfang im Haus ist und nun ein erstes Signal setzt. Am 1. Oktober kommt dann noch der designierte Vorstandschef Christoph Bauer nach Köln. Die Neuausrichtung für den Heimatmarkt wurde jetzt schon mal ohne ihn verkündet.
Kommt nach dem Debakel mit der Frankfurter Rundschau und den erheblichen Problemen im Berliner Verlag nun die nächste große Baustelle für DuMont? Köln ist das Zentrum des DuMont’schen Reiches. Haben die zugekauften Blätter ihren Rote-Zahlen-Virus auf die Zeitungen in der Domstadt übertragen? Ganz so ist es vermutlich nicht. Kölner Stadt-Anzeiger, Rundschau und Express schreiben offenbar noch recht ansehnliche Gewinne. Aber die Betonung liegt auf "noch". Dem Abwärtstrend (bei einem gleichzeitig nicht raketenhaft steigendem Digitalgeschäft) kann sich derzeit in der Tageszeitungsbranche kaum ein Haus entziehen. Angeblich steigende Reichweite hin oder her.
Was DuMont auch zeigt – die jahrelange Frage: Ist die Krise konjunkturell oder strukturell zu begründen, ist endgültig obsolet. Es galt lange als unfein, eine strukturelle Ursache zu sehr in den Vordergrund zu schieben. Hätte das doch ein negatives Signal an Werbekunden gegeben, an die ganze Branche. Doch auch bei DuMont, dem Haus des Zeitungszaren Alfred Neven DuMont, der sich bis vor kurzem vor harten Maßnahmen eher scheute, heißt es nun unumwunden: "Vor dem Hintergrund der strukturellen Veränderungen der Zeitungsbranche mit ihren anhaltend rückläufigen Auflagen und Einbrüchen im Anzeigengeschäft". DuMont ist überall.
Chefredakteure und Manager gut gehender Zeitungen – es gibt sie noch – lassen in letzter Zeit gerne Kritik fallen an der angeblichen Lust der Branche, sich selbst schlechtzureden. Auch Mediendienste wie MEEDIA werden dann gerne, weil sie die Nachrichten, Kommentare und Analysen verbreiten, für eine Negativstimmung verantwortlich gemacht. Doch Mitteilungen wie die von DuMont, die klar die Ursachen für einen Stellenabbau und eine "Neuausrichtung" benennen, sind offenbar weder Alarmismus noch Miesmacherei (dies wäre ja nicht im Interesse des Verlags), sondern einfach ein Teil der Zeitungsrealität 2013. Wie hatte Alfred Neven DuMont noch im Mai gesagt? "Die goldenen Tage des Verlegertums sind längst vorbei."

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige