“Promi Big Brother”: Sat.1’ vertane Chance

Am Freitag startete die mit viel PR begleitete Sat.1-Show “Promi Big Brother” mit sehr guten Quoten bei den 14- bis 49-Jährigen. Der Marktanteil von 22,3% dürfte die Verantwortlichen erfreut haben. Inhaltlich war die überlange Auftaktsendung weit weniger erbaulich und auch die Quoten zeigen schon nach zwei Tagen einen deutlichen Abwärtstrend. Die Macher haben zwar in Besetzung und PR vom RTL-Dschungelcamp gelernt - es hapert aber an der Dramaturgie. “Promi Big Brother” ist für Sat.1 eine vertane Chance.

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Man könnte meinen, es ist doch alles da! Mit Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher ein vermeintlich lustiges und beliebtes Moderatoren-Duo, das auch optisch gegensätzliche Reize setzt. Eine wirklich gut zusammengestellte Promi-Mischung (David Hasselhoff, Jenny Elvers, Martin Semmelrogge, diverses Trash-Personal). Entwürdigende Spiele. Abstimmungen mit dem Publikum. Warum nur, ödet einen als Zuschauer “Promi Big Brother” so sehr an, während die RTL-Dschungelshow “Ich bin ein Star – holt mich hier raus!” auf hohem Niveau unterhält?

Die Macher bei Sat.1 und Endemol haben vergessen, ihrer Container-Show eine Dramaturgie mitzugeben. Beim Dschungelcamp sind schon die Rollen der Moderatoren bis ins Detail ausgefeilt. Der verstorbene Dirk Bach als und Sonja Zietlow haben sich genial ergänzt als der freundliche kleine dicke Mann und die große “böse” Frau. Selbst nach dem Tod Dirk Bachs haben die Autoren dem Neuling Daniel Hartwich eine Rolle als Dschungel-Azubi auf den Leib geschrieben, Sonja Zietlow gab souverän die Veteranin.

Aber wofür stehen Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher? Sie findet alle möglichen Insassen irgendwie gut, er steht mit permanent angezogener Gag-Handbremse in der Sendung. Es entsteht keine Chemie zwischen den beiden. Aufgrund des Formats fehlt auch jegliche Interaktion der Moderatoren mit den “Promis”. In der Dschungelshow strukturieren die Prüfungen die Sendung, geben den Takt vor, sorgen für Gesprächsstoff innerhalb und außerhalb des Camps. Bei “Promi Big Brother” wirken die “Challenges” lieblos ausgedacht und wirr zusammengeschnitten. Sei es die spektakulär klingende, aber langeilige “Feuerhölle” aus der Premieren-Sendung. Oder ein wirres Spiel mit sich zusammenschiebenden Wänden, Murmeln, Tischtennisbällen und Kartenhäuschen, das die Frau aus “Catch the Millionaire” aus nicht nachvollziehbaren Gründen gewonnen hat. Oder die einfach nur eklig-infantile Idee, einen “Promi” mit gehäckseltem Essen zu beschießen.

Bei der Dschungelshow kämpfen die “Stars” in den Prüfungen um Essen – das hat etwas Archaisches. Die Prüfungen spielen mit Ur-Ängsten (eingeschlossen sein, etwas in den Mund nehmen, Tiere), die Kandidaten können dort über sich hinauswachsen. Bei “Promi Big Brother” wirken die “Challenges” wie Fremdkörper. Zumal sich die “Promis” bei “Big Brothers” in dem schwülstig dekorierten Haus in ihrem ureigenen Biotop aufhalten. Bei der Dschungelshow sorgt allein schon die Erfahrung des Camps für eine oft interessante Dynamik in der Gruppe.

Einmal mehr zeigt sich hier, dass sich das spezifische Erfolgsrezept der Dschungelshow nicht ohne weiteres kopieren lässt. Mit besseren Autoren und einem Sinn für Dramaturgie – kurz: mit mehr Liebe zum Detail – hätte aus “Promi Big Brother” aber wenigstens ein halbwegs interessanter Dschungel-Abklatsch werden können. So ist die Sendung nach dem ganzen aufwändigen PR- und Werbefeuerwerk im Vorfeld für Sat.1 vor allem eine vertane Chance. Und für die Zuschauer ein Ärgernis.

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