Apples Absage an ein Billig-iPhone

Marge schlägt Menge: Wenn es eine Überraschung bei der Apple-Keynote gab, dann war es das iPhone 5c, das seit Monaten als die günstige Variante von Apples Smartphone-Bestseller gehandelt wurde. Doch das ist es gar nicht: Zu stolzen 599 Euro bzw. 549 Dollar geht die neue Low-End-Version an den Start – nur ganze 80 Euro billiger als das iPhone 5 bzw. nur 100 Euro billiger als das Premium-Modell iPhone 5s. Apple hat damit alle Gerüchte um einen Einstieg ins Mittelklasse-Segment widerlegt: Billig gibt’s beim iKonzern nicht.

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Marge schlägt Menge: Wenn es eine Überraschung bei der Apple-Keynote gab, dann war es das iPhone 5c, das seit Monaten als die günstige Variante von Apples Smartphone-Bestseller gehandelt wurde. Doch das ist es gar nicht: Zu stolzen 599 Euro bzw. 549 Dollar geht die neue Low-End-Version an den Start – nur ganze 80 Euro billiger als das iPhone 5 bzw. nur 100 Euro billiger als das Premium-Modell iPhone 5s. Apple hat damit alle Gerüchte um einen Einstieg ins Mittelklasse-Segment widerlegt: Billig gibt’s beim iKonzern nicht.

Wenn Nokia am Ende eines Apple-Events in einen Jubel-Tweet ausbricht, ist das für den iPhone-Hersteller gewöhnlich kein gutes Zeichen. "Nachahmung ist die höchste Form von Anerkennung", zitierte der an Microsoft verkaufte Handy-Hersteller Oscar Wilde. Dazu: Noch einmal die fünf bunten Lumias Smartphones, die nicht gut genug waren für den Turnaround.

Dass Apple nun ein Jahr nach Nokias Kampagne selbst ein farbfrohes Smartphone-Quintett ins Rennen schickt, mutet auf den ersten Blick etwas seltsam an. Orientiert sich Cupertino etwa schon nach unten? Wer bis zum Ende der Keynote abwartete, wurde schnell eines Besseren belehrt: Apple bleibt Apple. Vor allem beim Preis.   

Das iPhone bleibt ein Premium-Produkt: Keine Verwässerung der Marke

Für stolze 599 Euro bzw. 549 Dollar bringt Apple sein neues, buntes iPhone 5c in der kleinsten Version zu 16 GB auf den Markt. Das sind gerade mal 80 Euro weniger als bisherige iPhone 5, das es nun ersetzen wird – mit Plastikgehäuse. Alle Spekulationen, dass Apple nach sechs Jahren im Hochpreis-Segment nun mit dem iPhone wie schon mit dem iPad mini einen Angriff auf die mittlere Preisklasse wagen würde, haben sich als nichtig erwiesen – das ist die eigentliche Überraschung der gestrigen Keynote.

Dem Wunsch der Masse nach einem günstigen iPhone entspricht Apple nicht. Tim Cook predigt damit das Mantra seines Mentors: "Billigprodukt liegen nicht in der DNA von Apple", hatte Steve Jobs einst erklärt. Damit bleibt sich der wertvollste Konzern der Welt treu und verwässert nicht seine Marke: Apple bleibt der Gralshüter vom Premium-Techprodukten.

Das iPhone 5c trägt Jony Ives Handschrift

Bleibt nur die betriebswirtschaftliche Frage, ob diese Strategie so aufgeht. Im Geschäftsjahr 2013 hatte Apple empfindlich an Marktanteilen gegen den aufstrebenden Rivalen Samsung verloren, weil der Techpionier mit seiner Ein-Modell-Strategie einfach keine Antwort auf die unzähligen Smartphone-Modelle der Koreaner in allen Größen und Preisklassen hatte. Apple hat sein Angebot nun um ein günstigeres Modell diversifiziert, ohne dabei günstig sein zu wollen.  

Das iPhone 5c nimmt dabei preislich wie in den Vorjahren die Rolle des überholten Vorgängers ein, kommt dabei aber als ein bandneues Modell daher, das noch mehr als iPhone 5s die Handschrift von Design-Guru Jony Ive trägt. Ive, der mit den bunten iMacs Ende der 90er-Jahre seinen ersten Geniestreich landete, legte mit beim iPhone 5c optistisch das Gegenstück zum neuen mobilen Betriebssystem iOS 7 vor – beides ist knallig bunt.   

Kannibalisiert das iPhone 5c den Verkaufserfolg des iPhone 5s?

Keine Frage: Das iPhone 5c ist das eigentliche Highlight der gestrigen Keynote. Es hebt sich von Jahren der Vorgänger-Generation ab, es wirkt frisch, knallig und neu. Man braucht nicht viel prophetische Fähigkeiten, um den Verkaufserfolg des bunten iPhones vorauszusagen.

Die eigentliche Frage ist nur, zu welchem Preis er kommt – nach oben und nach unten. So erfolgreich das iPhone 5c wird, umso mehr Anteile dürfte es dem margenstärkeren Highend-Modell iPhone 5s wegnehmen. Gleichfalls dürfte Apple die nächsten Quartale von Analysten nun immer wieder in Rechenexempel verstrickt werden, ob die Absatzzahlen nicht hätten ungleich höher ausfallen können, wenn der iKonzern seinen Smartphone-Bestseller aggressiver gepreist hätte.

Cook hält an Hochpreispolitik fest: iPhone 5c kostet 735 Dollar in China

Die Multimilliarden-Dollar-Entscheidung zwischen Menge und Marge hat Cook gestern eindeutig zugunsten der Hochpreispolitik gefällt. Einerseits verteidigt der Apple-CEO damit das Vermächtnis seines Vorgängers, andererseits riskiert Cook damit die aufstrebende Mittelklasse Asiens als Käufer zu verlieren.

"Apple sagt implizit, dass sie auch mit hochpreisigen Modellen in den Schwellenländern wettbewerbsfähig sind", erklärt Hedgefondsmanager Doug Kass, um dann jedoch anzumerken: "Ich bin da weniger optimistisch." Die Skepsis dürfte Konzernchef Cook nach dem Ausbleiben des lang erwarteten Vertragsabschlusses mit China Mobile nun noch etwas länger begleiten: Wie Tech Asia vorrechnet, kostet das iPhone 5c in China nach Steuern tatsächlich 735 Dollar. So viel zum günstigen iPhone für die Schwellenländer.

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