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Büchner rechtfertigt sich vor Spiegel-Lesern

Auf dem Titel des ersten Spiegel unter Wolfgang Büchners Verantwortung als Chefredakteur ist die Kanzlerin in absolutistischer Pose  abgebildet. Dazu die Zeile: “Die neue Selbstgefälligkeit der Angela M.”. Der neue Chef im Spiegel-Haus muss sich dagegen erst einmal in Selbstkritik üben. Die Berufung des Bild-Vizes Nikolaus Blome in die Chefredaktion erhitzt nach wie vor die Gemüter. Der Spiegel druckte teils deftige Leserbriefe zur Sache und eine erstaunliche Rechtfertigung des Chefredakteurs an die Leser.

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Ein Leser fasst in der Leserbriefrubrik des Spiegel treffend zusammen, warum die Berufung des stellvertretenden Bild-Chefredakteurs Nikolaus Blome zum Spiegel für so viel Aufregung sorgt:  “Erst schreibt der Spiegel über die Brandstifter bei der Bild und jetzt holt der Verlag selbst einen Kopf der Bild-Gruppe! Wie passt das zusammen?” Gemeint ist die Spiegel-Titelstory “Die Brandstifter” aus dem Jahr 2011, in der die Spiegel-Redaktion noch unter Chefredakteur Georg Mascolo die Bild-Methoden mit Furor geißelte.

Ein anderer Leser rief den Spiegel dazu auf, sich am Riemen zu reißen: “Was soll das hausgemachte Feuer unterm Spiegel-Dach, wenn die meisten anderen Print- und Online-Angebote bevorzugt Tierfutter verlegen, weil sie die Hosen voll vom Digital-Dünnschiss haben?” Und natürlich durften auch de obligatorischen Abo-Kündigungsdrohungen nicht fehlen: “Sollte ich feststellen, dass die Qualität des Spiegel aufgrund von Herrn Blome abnimmt, sehe ich mich leider gezwungen, mein Abo zu kündigen. Bitte stellen Sie diesen Mann nicht ein!”

Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner griff wegen des offenbar großen Leser-Echos auf die Blome-Personalie zu einem ungewöhnlichen Mittel: Er wendet sich seinerseits in einem Brief an die Leser und rechtfertigt seine Personal-Entscheidung öffentlich. MEEDIA dokumentiert das Schreiben von Wolfgang Büchner hier im Wortlaut:

“Liebe Leserinnen und Leser,

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vielen Dank für Ihre offenen Worte zur Berufung von Nikolaus Blome zum neuen Leiter des Spiegel-Hauptstadtbüros, die ein großes Echo gefunden hat. Ich möchte Ihnen versichern, dass sich die journalistische Haltung des Spiegel nicht ändern wird. Der Spiegel steht den Mächtigen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kritisch gegenüber. Er deckt Machtmissbrauch und Missmanagement auf. Harte Recherche und investigative Geschichten sind und bleiben unser Markenzeichen. Nikolaus Blome ist ein hervorragender politischer Journalist, der nicht nur für die Bild-Zeitung, sondern auch für die Welt und den Tagesspiegel geschrieben hat. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Herbert-Quandt-Medienpreis und dem Theodor-Wolff-Preis. Ich würde mich freuen, wenn Sie auch in Zukunft den Spiegel lesen und der Redaktion Ihre Meinung zu unserer politischen Berichterstattung aus Berlin mitteilen.

Ihr Wolfgang Büchner
Chefredakteur”

Unterdessen berichtet das Hamburger Abendblatt, dass Büchner von ursprünglichen Plänen, zahlreiche Ressortleiter beim Spiegel auszutauschen, wieder abgerückt sei. Beobachter werten dies als Friedenssignal an die aufgebrachte Redaktion. Die Stimmung in der Redaktion seit trotzdem nach wie vor überaus schlecht. Das “hausgemachte Feuer unterm Spiegel-Dach” ist noch nicht gelöscht.

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