Verizon Wireless: der entfesselte Mobil-Gigant

Es ist die zweitgrößte Übernahme der Wirtschaftsgeschichte: Für sage und schreibe 130 Milliarden Dollar beendet Verzion die Zwangsehe mit Vodafone und ist nun alleiniger Eigner der Mobilfunktochter Verizon Wireless. Der größte Mobilfunker der USA ist in Europa ein vielfach unterschätzter Gigant, der den weltweiten Telekommarkt nun kräftig aufmischen könnte. Das nicht börsengelistete Verizon Wireless ist auf Basis des Deals 290 Milliarden Dollar wert und damit nach Apple und Exxon der drittwertvollste Konzern der Welt – noch vor Google und Microsoft.

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Es ist die zweitgrößte Übernahme der Wirtschaftsgeschichte: Für sage und schreibe 130 Milliarden Dollar beendet Verzion die Zwangsehe mit Vodafone und ist nun alleiniger Eigner der Mobilfunktochter Verizon Wireless. Der größte Mobilfunker der USA ist in Europa ein vielfach unterschätzter Gigant, der den weltweiten Telekommarkt nun kräftig aufmischen könnte. Das nicht börsengelistete Verizon Wireless ist auf Basis des Deals 290 Milliarden Dollar wert und damit nach Apple und Exxon der drittwertvollste Konzern der Welt – noch vor Google und Microsoft.

Wer noch einen Zweifel daran hatte, welche Güter und Rohstoffe die Welt im Jahr 2013 bewegen, der kann die Dimensionen einmal mehr Schwarz auf Weiß nachlesen. 130 Milliarden Dollar wurden gestern für einen 45-Prozentanteil des größten US-Mobilfunkers Verizon Wireless bezahlt. Es war der größte Deal der Wirtschaftsgeschichte nach der 200-Milliarden-Euro-Übernahme von Mannesmann durch den britischen Telekom-Konzern Vodafone.

Nun fanden sich die Briten in der Rolle des Verkäufers wieder. 1999 hatte der europäische Mobilfunk-Platzhirsch mit Verizon das Gemeinschaftsunternehmen Verizon Wireless gegründet, blieb aber mit seiner 45-Prozent-Beteiligung stets Juniorpartner. Obwohl Verizon Wireless an AT&T vorbeizog und mit 100 Millionen Kunden die meisten Nutzer der USA aufweisen kann, wirkte der Mobilfunk-Gigant durch die Konzernstruktur wie ein gefesselter Gigant.

Sichere Bank Verizon: iPhone-Abverkäufe stiegen zuletzt immer noch um 41 Prozent

Die Exklusivrechte am iPhone gingen 2007 an AT&T, obwohl Verizon über das schnellere Mobilfunknetz verfügte. Erst 2011 kam das iPhone endlich auch zu Verizon und verhalf Apple in den Folgequartalen zur letzten großen Umsatz- und Gewinnsprung seiner Konzernbilanz.

Auch im abgelaufenen Quartal konnte sich Apple wieder auf die unersättliche Nachfrage der US-Kunden verlassen: 51 Prozent der verkauften Smartphones bei Verizon waren iPhones, das Plus betrug gegenüber dem Vorjahr noch mal 41 Prozent. In anderen Worten: Verizon ist die Bastion, auf die sich Apple im Heimatmarkt verlassen kann.

290-Milliarden-Dollar-Koloss: Nach Apple und Exxon globale Nummer drei

Seit Jahren versuchte Verizon Communication, die volle Kontrolle über das Gemeinschaftsunternehmen zu übernehmen. Vodafone hatte seine Bereitschaft zum Verkauf der Minderheitsbeteiligung zwar immer wieder erkennen lassen, doch am Ende scheiterte der Deal stets am Preis.

Mit nun 130 Milliarden Dollar haben die Briten nun das Maximale herausgeholt. Im Umkehrschluss werden damit auch die Dimensionen deutlich, in denen der größte Mobilfunker der USA inzwischen angekommen: Nicht nur ist das privat geführte Verizon Wireless weitaus wertvoller als seine an der NYSE geführte Konzernmutter – es ist gar mit knapp 290 Milliarden Dollar der nach Apple und Exxon bereits drittwertvollste Konzern der Welt, noch vor Google und Microsoft. Oder anders vorgerechnet: Verizon Wireless ist fünfmal so viel wert wie die Deutsche Telekom!

22 Milliarden Dollar Gewinn: 2012 Fast doppelt so viel verdient wie Google

Tatsächlich fließen die Dollar-Milliarden in Strömen nach New York: Bei Umsätzen von 76 Milliarden Dollar blieben 2012 vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) enorme 30 Milliarden Dollar hängen – unterm Strich war es immer noch ein Gewinn von 22 Milliarden Dollar. Das sind Dimensionen, die neben Apple und Microsoft nur Öl-Multis erreichen.

So konstant Verizons Wachstum in den vergangenen Jahren ausfiel, so groß sind die Herausforderungen der kommenden Jahre. Das Smartphone-Geschäft der westlichen Welt gilt als gesättigt. Die Überzeugungsarbeit der Zukunft liegt weniger in der Anschaffung eines Smartphones, sondern in seinem Upgrade.

iPhone-Kaufoption belastet Verizon Wireless

Dass der Boom seine Grenze erreicht hat, wurde vor wenigen Wochen deutlich, als Details über iPhone-Kaufsoptionen bekannt wurden. Demnach hat sich Verizon Wireless 2010 zur Abnahme von 23,5 Millionen iPhones im Jahr 2013 verpflichtet. Dummerweise dürfte die Projektion von vor drei Jahren trotz der robusten Nachfrage deutlich verfehlt werden. Die Folge: Verizon könnte auf mehr als 12 Milliarden Dollar sitzen bleiben, rechnete AllThingD unlängst vor.

Ein nunmehr einheitlich geführtes Verizon dürfte weitaus selbstbewusster auftreten und versuchen, den Deal in irgendeiner Form zu revidieren. Gleichzeitig geht die Zeit der für Hardware-Anbieter wie Apple extrem lukrativen Smartphone-Subventionen zu Ende, wie die letzten rückläufigen Quartalsgewinne dokumentieren. Eine Woche vor dem wichtigsten Verkaufsstart des Jahres trifft Apple damit auf einen Vertriebspartner mit Oberwasser: Verizon Wireless ist der entfesselte Mobilfunk-Giant, den der iPhone-Hersteller um jeden Preis bei Laune halten muss.

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