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Spiegel: Die steckengebliebene Revolution

Die Analysen zum Kompromiss im Spiegel-Blome-Komplex klingen nach Aufstand und Widerstand: In ihrem aktuellen Aufmacher kommt die SZ zu dem Ergebnis, dass beim Spiegel „Willkür und Verrat“ herrschen würden. Nach Einschätzung von Taz-Ressortleiter David Denk verhinderte vor allem die Nicht-Journalisten beim Hamburger Verlag gerade noch die „Revolution“. Bei ihnen überwog „das Interesse an Ruhe im Karton“. Dabei hätte der deutsche Journalismus - laut Brigitte Baetz - doch vor allem „eines nötig“: „Rückgrat“.

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David Denk, taz: "Bei den nichtjournalistischen Mitgliedern der KG überwog das Interesse an Ruhe im Karton. Eine Trennung von Blome und damit wohl auch Büchner hätte den Verlag nachhaltig geschwächt und eine arbeitsrechtliche Schlammschlacht ausgelöst, die auf Kosten der Gewinnbeteiligung der KGisten gegangen wäre. Darüber hinaus hat die gewählte Geschäftsführung der Mitarbeiter KG ein starkes Interesse daran, ihre zweifelhafte Rolle in der Causa Blome vergessen zu machen und eine eventuell drohende Abwahl abzuwenden: Weite Teile der Redaktion fühlen sich von ihr verraten, für die Abwehrschlacht instrumentalisiert, um dann doch einzuknicken."

Die Süddeutsche Zeitung widmet der Situation beim Spiegel ihre gesamte Seite drei. Für die drei Autoren Claudia Fromme, Alexander Gorkow und Ralf Wiegand ist die Blome-Personalie „nur die Lunte an einem Pulverfass, das schon davor gut gefüllt war“. Später im Text analysieren sie noch: „Die Alleserklärer aus Hamburg stehen nun selber ratlos da. Sie finden keine Antwort auf das beispiellose Chaos im eigenen Laden. Die Deutungshoheit haben plötzlich andere, der Spiegel liegt auf dem Operationstisch und eine Branche gefühlter Spiegel-Chefredakteure kommt zur Visite.“
Für die Süddeutsche handelt es sich bei der Sache Blome auch um eine „beispiellose Kommunikationskatastrophe in einem beispiellosen Kommunikationsunternehmen“.

Brigitte Baetz, Deutschlandfunk: Denn eine Abgrenzung gegen die Methoden und die Ausrichtung der "Bild"-Zeitung ist für den "Spiegel" fast existenziell. Es geht um seine Glaubwürdigkeit – und die seiner Mitarbeiter. Und die scheinen nun in letzter Minute davor zurück geschreckt zu sein, den Konflikt auf die Spitze zu treiben und Blome zu verhindern. Schade. Denn wenn der deutsche Journalismus eines nötig hat, dann ist es Rückgrat.

Klaus Raab, Zeit Online: „Eigentlich aber geht es um die Frage, ob Büchner selbst der Richtige ist. Dass Büchner die Wahl Blomes nicht mit den Spiegel-Mitarbeitern abstimmen wollte, rührte an deren Selbstverständnis“.

Dem entgegnet Kai-Hinrich Renner im Hamburger Abendblatt:„Den Machtkampf mit Mitarbeiter KG und Redaktion dürfte Büchner gewonnen haben – trotz der Kraftmeiereien einiger Ressortleiter. Bis beim Spiegel aber wieder alles in Ordnung ist, wird wohl noch einige Zeit vergehen.“

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