So schimpfen Politiker über Journalisten

Horst Seehofer ist nicht allein, sondern in - vermeintlich - bester Gesellschaft: Der bayerische Ministerpräsident war nicht der Einzige, der sich schon einmal gegenüber Journalisten im Ton vergriff. Was sich die Berichterstatter von Helmut Kohl, Joschka Fischer & Co. anhören mussten, reicht von "Schweinejournalisten" und "Fünf-Mark-Nutten" bis zu "journalistische Todesschwadrone". Hier eine Auswahl von zehn Journalisten-Beschimpfungen.

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Wulff und die Bild-Kriegserklärung
Schon heute ist der Mailbox-Monolog von Christian Wulff ein moderner Polit- und Journalismus-Klassiker. Am 12. Dezember 2011 sprach der damalige Bundespräsident auf die Mailbox von Bild-Boss Kai Diekmann. Was genau gesagt wurde, ist bis heute nicht völlig geklärt. Es war aber die Rede von "Krieg führen", "strafrechtlichen Konsequenzen" und einem überschrittenen Rubikon.

Helmut Kohl über Bild: "Drecksblatt“
Aber nicht nur Wulff war sauer auf die Bild. Auch Helmut Kohl, der längst so etwas wie der väterliche Mentor von Diekmann geworden ist, war schon einmal höchst erbost über das Boulevard-Blatt. Die Bild hatte dem Bundeskanzler, der gerade seine neue Wohnung in Berlin bezogen hatte, seine neue Nachbarschaft vorgestellt. Da klingelte beim damaligen Chefredakteur Udo Röbel das Telefon: "Ich erinnere mich noch gut an einen Nachmittag im Jahr 2000, als mich in der Redaktion plötzlich Helmut Kohl anrief und mich als ‚Schweinejournalisten‘ und die Bild-Zeitung als ‚Drecksblatt‘ beschimpfte", zitiert das Abendblatt aus einem Facebook-Posting von Röbel. Kohl empfand die Story wohl als einen Eingriff in seine Privatsphäre. Dieser ließ Röbel "zu keiner Sekunde zu Wort kommen. Er brüllte schließlich so laut, dass mir nichts anderes übrig blieb, als den Telefonhörer aufzulegen."

Kohl und die "Gesinnungs-Journalisten“
Und noch einmal der Altkanzler. In einem langen Politikerleben hat man auch viele Gelegenheiten, mit der Presse aneinander zu geraten. Ein heftiges Gefecht lieferte sich Kohl im Jahr 2000 beim Untersuchungsausschuss zur Spendenaffäre. Erst fuhr er den ARD-Korrespondenten Werner Sonne über den Mund: "Sie sind jetzt mal still, sie sind hier nicht der Allein-Unterhalter" und dann bezeichnete er dessen Kollegen noch als "Gesinnungs-Journalisten".

Oscar Lafontaine: "Schweinejournalismus“
Für "Panorama" hatte Kuno Haberbusch 1993 die Story recherchiert, dass Oscar Lafontaine in den 70er-Jahren Beziehungen zu einigen Saarbrücker Nachtlokalen gehabt hätte. Der Spiegel kreierte daraufhin den Begriff der "Rotlichtaffäre". Der SPD-Politiker bestritt nicht den Fakt, dass er sich in den Lokalen aufgehalten hatte, sondern alle daraus abgeleiteten Verdächtigungen. Für ihn war das "Schweinejournalismus".

Franz-Josef Strauß: "jubeljaulende Hofhunde".
Mit den Medien stand Franz-Josef Strauß gerne und oft auf dem Kriegsfuß. 1972 beschimpfte der CSU-Politiker die Presse zum ersten Mal als "jubeljaulende Hofhunde". Ob Strauß damals schon ahnte, dass ihm eine Beleidigung für die Ewigkeit gelungen war?

Otto Graf Lambsdorff: "journalistische Todesschwadrone"
Das waren noch Zeiten, als der Spiegel von so manch einem Politiker von ganzem Herzen verwünscht und bepöbelt wurde. Als das Nachrichtenmagazin Otto Graf Lambsdorff 1984 in der Flick-Berichterstattung arg bedrängte, bezeichnete der FDP-Politiker die Hamburger als "journalistisches Todesschwadron". Die Zeit notierte daraufhin, dass dieses Ministerwort „wirklich jeden Maßstab vermissen läßt".

Jörg Haider: "Sumpf der Indiskretion"
Der verstorbene österreichische Rechtspopulist Jörg Haider beschimpfte weniger die Journalisten, sondern drohte ihnen, in dem er den Spieß umdrehte. Seiner Meinung nach waren nicht seine Polit-Kollegen verantwortlich, wenn Infos durchsickerten, sondern die Presse. Deshalb bezeichnete er die Medien auch als "Sumpf der Indiskretion", den er trocken legen wolle.

Nicolas Sarkozy: "Journalisten sind wirklich die größten Nullen“
Dieser Ausspruch war wohl nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Vor Mitgliedern der eigenen Regierung soll ein wütender französischer Präsident Nicolas Sarkozy getobt haben: „Journalisten sind wirklich die größten Nullen, denen man nur ins Gesicht spucken kann. Alles Banditen. Aber Banditen haben wenigstens eine Moral“.

Jean-Luc Mélenchon: "verrottetes Gewerbe“
Überhaupt scheinen die französischen Politiker sich gerne und besonders derbe mit den Berichterstattern anzulegen. So ließ sich Jean-Luc Mélenchon, Chef der französischen Linkspartei Partei de Gauche, zu einer Doppel-Beleidigung hinreißen. Erst bezeichnete den Journalismus als métier pourri („verrottetes Gewerbe“), um dann noch einen Reporter, der ihm unbequeme Fragen gestellt hatte als, petite cervelle („Spatzenhirn“)  abzukanzeln. Antwort des Betroffenen: „…eh bah, merci“.

Joschka Fischer: "Fünf-Mark-Nutten“
Bis heute dementiert Joschka Fischer dieses Zitat. Wie die Wirtschaftswoche berichtete sagte der damalige Außenminister zu einem Mitglied der Grünen-Fraktion: "Journalisten sind nichts anderes als Fünf-Mark-Nutten". Denn sie "schrieben mal dies, mal das – vor allem aber viel Blödsinn. Sie biederten sich an, seien so eitel wie Politiker – und für alles und alle zu haben".

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