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Ballmers Rückzug: der glücklose Verwalter

Die Mitteilung vom baldigen Rücktritt Steve Ballmers als Microsoft-Chef schockte die Techwelt. An der Wall Street hätte die Ohrfeige der Aktionäre für den scheidenden Chef des Softwareriesen aber kaum härter ausfallen können: Die Microsoft-Aktie zog um 7 Prozent an. Exakt 21 Milliarden Dollar Börsenwert war Anlegern Ballmers Exit wert. Doch nicht so schnell: Während Ballmer Innovationen wie das iPhone oder iPad verschlief, hat er Microsoft doch auf Kurs gehalten. Der Nachfolger steht vor einer Herkulesaufgabe.

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Die Mitteilung vom baldigen Rücktritt Steve Ballmers als Microsoft-Chef schockte die Techwelt. An der Wall Street hätte die Ohrfeige der Aktionäre für den scheidenden Chef des Softwareriesen aber kaum härter ausfallen können: Die Microsoft-Aktie zog um 7 Prozent an. Exakt 21 Milliarden Dollar Börsenwert war Anlegern Ballmers Exit wert. Doch nicht so schnell: Während Ballmer Innovationen wie das iPhone oder iPad verschlief, hat er Microsoft doch auf Kurs gehalten. Der Nachfolger steht vor einer Herkulesaufgabe.

Wie es bei Abgängen, die möglichst geräuschlos über die Bühne gehen sollen, üblich ist, verkündete Steve Ballmer seinen Abschied von Microsoft an einem Freitag. Man kennt das ja: Nachdem die Bombe geplatzt ist, ist Wochenende – und danach schon irgendwie alles Schnee von gestern.

Doch so einfach ist die Sache bei Steve Ballmer nicht. Seit mehr als dreizehneinhalb Jahren ist der bullige 57-Jährige nun schon Chef des wertvollsten Softwarekonzerns der Welt. Geht die Suche nach einem geeigneten Nachfolger nicht zügig voran, kommt Ballmer auf eine noch längere Amtszeit bei Microsoft als der andere Steve, der in seinen 14 Jahren und einem Monat als Apple-CEO aus einem Pleitekandidaten den wertvollsten Konzern der Welt machte – und Microsoft dabei sogar überholte.

Ballmer und Jobs: Der eine Steve prägte eine Ära, der andere wurde dadurch geprägt

Kaum ein Vergleich von CEOs erscheint aus Sicht der sich ständig wandelnden Techbranche abwegiger als der des Verwalters und des Visionärs – und doch haben Ballmer und Jobs elfeinhalb der 14 Jahre als erbitterte Rivalen gemeinsam zurückgelegt. Diese Bilanz zwischen Apple und Microsoft ist es dann auch, die Steve Ballmer am Ende wie einen modernen Don Quijote gegenüber dem Thomas Edison unserer Zeit erscheinen lässt: Der eine Steve prägte eine Ära – der andere wurde dadurch geprägt.

Während Apple an der Wall Street unter Jobs mit einem Plus von über 10.000 Prozent der größte Wertzuwachs aller Zeiten gelang – von 5 auf über 360 Milliarden Dollar zum Zeitpunkt des Rücktritts vor ziemlich genau zwei Jahren – geht Ballmer als einer der größten Wertvernichter in diese Börsengeschichte ein.  

Bittere Börsenbilanz: Nach über 13 Jahren noch immer im Minus

Zum Amtsantritt im Januar 2000 notierte die Microsoft-Aktie bei 60 Dollar auf Allzeithoch. Freitag waren es knapp 35 Dollar – das Plus von mehr als 2 Dollar nach Ballmers Rücktritt mit eingerechnet.

Selbst wenn man Dividendenzahlungen und eine Sonderdividende im Jahr 2004 über 3 Dollar hinzuaddiert, notiert die Microsoft-Aktie immer noch mehr als ein Drittel unter den Kursen der Amtsübernahme nach dem Millenniumswechsel – die Inflation noch nicht mal mitberücksichtigt. 13 Jahre und immer noch Kursverluste: Auf Steve Ballmer wird eher kein Ehrenplatz in der Wall Street-Historie warten.

Nur Apple und Samsung verdienen in der Techbranche mehr

Und doch greift die reine Performance-Betrachtung zu kurz. So enttäuschend die  Bilanz für Microsoft-Aktionäre auch ausfällt – betriebswirtschaftlich gibt es wenige Konzernchefs, die über mehr als ein Jahrzehnt so konstant Milliardengewinne ausgewiesen haben wie der Softwareriese aus Redmond.

In den vergangenen Quartalen bewegten sich die Konzernüberschüsse zwischen 5 und 6 Milliarden Dollar: Das sind nach Apple und Samsung die höchsten Gewinne der Technologiebranche – und gleichzeitig Dimensionen, von denen der mit 289 Milliarden Dollar ähnlich hoch bewertete Internet-Rivale Google wohl noch Jahre träumen kann.

Steve Ballmer hat milliardenschwere Profite beständig gesteigert

Auch wenn Microsoft in der Ballmer-Ära Innovationen wie iPhone und iPad verpasst und auch im Internet immer noch keine Antwort auf Google, Amazon und Facebook gefunden hat – Ballmer hat doch erstaunlich hartnäckig sein Kerngeschäft verteidigt. Zwar bröckeln die Windows-Absätze zuletzt erkennbar, doch das Office-Geschäft ist weiter ein milliardenschwerer Selbstläufer – und das in Zeiten der Kostenloskultur von Google Docs.

So reflexartig der Abgesang auf den unbeliebten Microsoft-Chef am Freitag einsetzte, so vorschnell erscheint er am Ende auch. Im Zeitalter des scharfen Paradigmenwechsels der Internet-Ära hat Ballmer den eigenen Laden zumindest erstaunlich gut zusammengehalten. Sein Nachfolger wird es beim Umbau zum Service- UND Hardwareanbieter kaum leichter haben.

Paul Krugman: Apple wird es schwerer haben als Microsoft

Und ein anderer Konzernchef der Konkurrenz, der zuletzt selbst immer wieder als neuer Steve Ballmer tituliert wurde, sicher auch nicht: Apple-CEO Tim Cook sieht sich mit schärferen Herausforderungen konfrontiert als der neue Microsoft-Chef, schätzt Nobelpreisträger Paul Krugman in der New York Times die Lage ein.

Warum? Apple hat unter Cook mehr zu verlieren als das Microsoft der Post-Ballmer-Ära. Apple kommt von ganz oben und muss weiter die launischen Verbraucher-Kunden an sich binden, während Microsoft über eine vermeintlich zuverlässigere Business-Klientel verfügt und mit Innovationen überraschen könnte, während Apple zu neuen Hits verdammt ist. Klingt fast, als könnte Ballmers Erbe am Ende noch nachhaltiger ausfallen als es heute aussieht. 

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