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Spiegel-Ressortleiter wollen Blome nicht

Die Ressortleiter des Spiegel haben den designierten Chefredakteur Wolfgang Büchner am Montagvormittag aufgefordert, Nikolaus Blome nicht zu seinem Stellvertreter zu machen. Stefan Willeke, Co-Ressortleiter Gesellschaft, trug diese Forderung in der Redaktionskonferenz vor. Büchner, der auch dabei war, obwohl noch nicht formal im Amt, blieb in diesem Punkt hart: Er müsse als Chef auch seinen Vize bestimmen können. Die Stimmung in der pickepackevollen Konferenz sei feindselig gewesen.

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Eine einstimmige Erklärung der Ressortleiter gegen die Ernennung eines Vizechefs gab es beim Spiegel vermutlich noch nie. Am Sonntagabend hatten sich die Spiegel-Topjournalisten zu der Erklärung entschlossen, in der es u.a. heißt, die Ernennung Blomes verstoße gegen bestehende Regeln und schade der "Kultur" des Hauses.
Insofern wiegt diese Ablehnung Blomes in der Spitzenposition fast stärker als die Haltung der Geschäftsführung der Mitarbeiter KG, die Blome ebenfalls ablehnt. Wie es nun weitergeht, ist offen. Wolfgang Büchner wird in dieser Woche vermutlich sehr viele Gespräche führen müssen, um die verhärteten Fronten überhaupt halbwegs auflösen zu können. Büchner sagte gegenüber seinen neuen Kollegen, seine Verkündung der Blome-Personalie am vergangenen Mittwoch in Hamburg habe zu "Missverständnissen" geführt.
Vor Willeke sprach Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe in der Redaktionskonferenz. Es gebe keine geheime Agenda der Geschäftsführung, es herrsche auch "kein Machtkampf" zwischen Geschäftsführung und Redaktion, habe er dort laut Teilnehmern gesagt. Die Ressortleiter seien das "Rückgrat" des Hauses. Um so problematischer ist freilich, dass nun die Ressortleiter den Chefredakteur-in-spe dazu auffordern, seine Personalentscheidung zurückzunehmen. Was die KG-Führung bisher nur hinter vorgehaltener Hand sagt – Blome darf nicht Vize werden – sprechen die Ressortleiter nun offen aus. Unklar ist indes, was passiert, wenn sich Büchner der Forderung verweigert – was zu erwarten ist.
Sowohl Saffe wie auch Büchner sollen in der Konferenz, die etwa anderthalb Stunden dauerte, gesagt haben, die Personalentscheidung sei nach den "Grundregeln des Hauses" getroffen worden. Saffe habe gesagt, die Gesellschafter des Spiegel seien "immer informiert und involviert" gewesen. Mit anderen Worten heißt das wohl: Die KG-Spitze sei im Bilde gewesen über den Plan, Blome nicht nur zum Leiter des Hauptstadtbüros zu machen, sondern auch gleich zum Vize-Chefredakteur. Genau die Besetzung dieses Postens trifft aber einen empfindlichen Nerv. Büchner betonte in der Konferenz offenbar erneut, dass Blome ausdrücklich nicht als Blattmacher komme und damit auch keine Weisungsbefugnis gegenüber Ressortleitern habe.
Um die Frage, wann die KG-Spitze über die Personalie Bescheid wusste, soll es am kommenden Mittwoch gehen. Für den Nachmittag hat die Geschäftsführung der Mitarbeiter KG zu einer "Info-Veranstaltung" eingeladen. In der Redaktionskonferenz hatten die KGisten, unter ihnen Vertriebsmann Thomas Hass, zu dieser Frage keine direkte Stellung bezogen. Die Redaktionskonferenz sei nicht das richtige Gremium für dieses Thema. Gunther Latsch, ebenfalls KG-Geschäftsführer, hat laut Teilnehmern zumindest anklingen lassen, dass er die Darstellung Saffes nicht teile.
MEEDIA hatte bereits am Freitag über den Plan der Ressortleiter berichtet, sich gegen Blome an der Spitze auszusprechen. 

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