So präsentieren sich die Parteien im Web

Die heiße Phase des Wahlkampfs für die Bundestagswahlen hat begonnen. Neben Plakaten, TV-Spots und zahlreichen Medienauftritten, buhlen die Parteien auch im Netz um Wähler. Dabei wählen die Parteien durchaus unterschiedliche Strategien und Herangehensweisen. Mal ganz modern und interaktiv, mal eher traditionell bis konventionell. MEEDIA hat die Web-Auftritt der Parteien angeschaut und bewertet. Dabei machen keineswegs die vermeintlichen Modernisierer die beste Figur.

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CDU/CSU

Ein bildschirmfüllendes Foto von Kanzlerin Angela Merkel begrüßt Besucher auf der CDU-Homepage. Es gibt einen direkten Link zu einem Merkel-Interview in der FAZ und darunter –  übersichtlich sortiert – weitere Inhalte und Rubriken. Wer links klickt, kann Social-Media-Inhalte der Kanzlerin-Partei abrufen. Wer rechts klickt, bekommt Multimedia-Inhalte, meist Videos, serviert. Es gibt auch eine persönliche Website der Kanzlerin, die ganz auf optische Opulenz  und Emotion setzt. Die CDU präsentiert sich im Web so ganz anders als auf ihren nichtssagenden Plakaten: erstaunlich modern und auf der Höhe der Zeit.

Nicht so die bayerische Schwesterpartei CSU. Deren Homepage ist wesentlich altbackener aufgeteilt in Ressorts wie “Aktuell”, “Politik”, “Partei” oder “Dialog”. Unter “Partei gibt es eine Namensliste mit Vorstandsmitgliedern. Gschaftlhuber ahoi! Unter “Dialog” wartet ein Frage-Formular und Kästen mit YouTube-, Twitter- und Facebook-Inhalten, die man verschieben kann. Nur: Warum sollte man dies wollen?

Beobachtung am Rande: Die Website angelamerkel.de gehört offenbar nach wie vor nicht der CDU, sondern einem Spaßvogel, der unter dieser Adresse auch schon mal die Weiberfastnacht ausgerufen hat. Aktuell hat ist angelamerkel.de auf eine veraltete Version der SPD-Homepage umgeleitet. Fragt sich, wem das hilft …

SPD

Die SPD-Homepage ist konventioneller als die der CDU, aber solide-professionell gemacht. Mit einer Uhr kann man festlegen, wieviel Zeit man mit den SPD-Themen verbringen möchte (1 Minute, 5 Minuten oder gar 1 Stunde) und es gibt den direkten Verweis auf die persönliche Kandidatenseite. Dort grüßt der glücklose Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in einem großformatigem Video und man kann direkt sehen, wie er von Beratern genötigt worden sein muss, in dem Video doch auch mal ab und an zu lächeln. Dabei heraus kommt ein gequältes, schiefes Grinsen hier und da. Und man darf Peer Steinbrücks  handschriftlichen Twitter-Notizen nochmal alle nachlesen. Muss es aber auch nicht.

FDP

Noch einmal deutlich konservativer (eher auf CSU-Niveau) präsentiert sich die FDP im Web. Eine Slideshow mit austauschbaren Sprüchen (Mitte entlasten, Aufschwung, Freiheit usw.) dominiert die Homepage. Es gibt eine “Aktion der Woche”, “News” und natürlich den Verweis auf die Seite des Spitzenkandidaten Rainer Brüderle. Dort wartet wieder eine 08/15-Slideshow sowie eine Videosammlung und ein tabellarischer Lebenslauf. Gerade im Vergleich mit der außergewöhnlichen Website der Kanzlerin wirkt das Konzept der FDP-Site nicht mehr ganz taufrisch.

Die Grünen

Die Grünen wollen ganz modern sein und präsentieren einen gesplitteten Web-Auftritt. Entweder man entscheidet sich für die konventionelle Homepage, die dann auch genau das ist: konventionell. Oder man wählt eine Art interaktive Variante in Tablet-Optik, die einem in zwei Minuten das Wahlprogramm der Grünen in großen, bildschirmfüllenden Bildern einbimsen soll. In der Realität landet man auch aus Versehen schnell auf der 2-Minuten-Variante, die sehr schick aussieht, aber eine hoffnungslos verkorkste Navigation besitzt. Mit Maus, Wischen und Pfeiltasten kann man hin und her und rauf und runter flitzen. Und zwischendurch grüßen “Karin” und “Jürgen”, die locker-flockige Grünen-Doppelspitze. Die 2-Minuten-Version sieht gut aus und bringt Inhalte griffig rüber. Da man der Sache aber wohl nicht traute, packte man die “normale” Homepage aber noch dazu und verheddert sich so im Klick-Dschungel. Irgendwie auch typisch grün.

Die Piraten

Und was machen die politischen Vorkämpfer in Sachen Web? Die Website der Piratenpartei ist eine einzige Enttäuschung. Das Wahlprogramm zum Runterladen, Spenden-Bettelei (gibt’s bei den anderen auch) und seltsame Mikro-Themen (“Proteste gegen Flüchtlingsunterkunft in Berlin: “Wir brauchen breites Bündnis für ein friedliches Miteinander”) Bei den “Top-Themen” kann man noch nicht mal die Überschriften in der Slide-Show komplett lesen. Unten auf der Seite: ein Wust aus Kategorien, Schlagworten und Verweisen auf ältere Artikel. Daneben gibt es noch die Seite Piraten-zur-Wahl.de, die mit schlechten Amateurfotos Piratenkandidaten ohne Namen zeigt. Wer sich über Ziele und Spitzenpersonal der Piraten informieren will, dem wird es hier gewiss nicht leicht gemacht.

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