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Olli Schulz: „Ich schäme mich für nichts“

Sänger, Songwriter und jetzt auch TV-Gesicht. Nach neoParadise und Circus HalliGalli geht es für Olli Schulz karrieretechnisch steil bergauf. Am 26. August startet Schulz seine erste eigene Comedy-Show "Schulz in the Box" auf ProSieben, in der er unter anderem bei Porno-Hippies haust. Im MEEDIA-Interview verrät der 38-jährige, warum er dem Mainstream-Erfolg skeptisch gegenübersteht und ob er sich als Allroundtalent vorstellen könnte, in die Fußstapfen von Markus Lanz zu treten.

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Am 26. August startet Ihre erste eigene Show "Schulz in the Box" auf ProSieben. Wie kann man sich die Sendung vorstellen?
Es handelt sich um ein 45-minütiges Format, in dem ich der Hauptprotagonist bin. Ich werde ja jetzt bald vierzig und will daher mein Leben überprüfen und mit anderen Lebensentwürfen abgleichen. Dafür werde ich in eine Box gesteckt, irgendwo hingebracht und versuche dann mich in diese Welt hineinzufinden und gucke, ob ich etwas verpasst habe. Das Ganze ist kein reines Comedy-Format aber auch keine ernsthafte, philosophische Aufklärung. Es ist ein Spagat aus beidem. Aber wir hatten jetzt auch weder die zeitlichen, menschlichen oder finanziellen Ressourcen, um die Welt der Unterhaltung neu zu erfinden.
Wo landen Sie zum Beispiel?
In der ersten Folge lande ich bei einer Hippie-Kommune, die sich dazu entschlossen hat zu siebt oder acht in einer Wohnung zu wohnen, Pornofilme zu drehen und damit den Regenwald zu retten. Es werden Herausforderungen sein, die normalerweise nicht in meinem Leben stattfinden.
In einem Interview mit der Zeit sprachen Sie von zahlreichen Konzepten auf Ihrem Schreibtisch, die sie nicht interessieren würden. Warum haben Sie sich dann ausgerechnet für "Schulz in the Box" entschieden?
Weil ich das Konzept zusammen mit Thomas Schmitt (Anm.:Redaktionsleiter "Circus HalliGalli") selbst entworfen habe. Irgendwann haben wir mal rumphilosophiert und überlegt, ob es etwas gibt, das in meinem Rahmen liegt und was für mich interessant ist. In "Schulz in the Box" gibt es sauwitzige, absurde Momente aber auch sehr ernste. Das ist wie mit meiner Musik. Hier kann ich machen, was ich will.   
Durch Circus HalliGalli sind Sie endgültig im Medien-Mainstream angekommen. Wieso erst jetzt? Wollten Sie nicht? Ließ man Sie nicht?
Ich hatte 2008 schon eine Late-Night-Show im NDR, die nach einer Sendung abgesetzt wurde und auch in den Neunzigern habe ich schon viele Aufnahmen gemacht. Es ist also nicht komplett neu für mich. Aber ich bin nie sonderlich motiviert gewesen und war auch nie ein karrieregeiler Typ, der überall stattfinden wollte. Natürlich war es immer ein Wunsch von mir, eine eigene Sendung zu haben und Sachen auszuprobieren aber ich bin dem nie hinterhergerannt. Mir fehlt da einfach der Ehrgeiz. Ich bin glücklich über den Erfolg, weiß aber auch, dass die Ersten die ihn feiern, diejenigen sind, die mir auf einmal sagen, dass ich nicht mehr der Alte bin. Aber es war in der Tat ein glücklicher Wurf, dass Klaas mir das Team von neoParadise vorgestellt hat.
Würden Sie sagen, dass sie ohne Joko und Klaas niemals den momentanen Erfolg gehabt hätten?
Joko, Klaas und ich haben uns gegenseitig kreativ befruchtet. Natürlich haben die beiden mir eine schöne Plattform geboten, auf der ich mich präsentieren kann – das hätten sie aber auch nicht gemacht, wenn ich nicht gut gewesen wäre. Ich kann schon seit 2005 von meiner Musik leben und es nervt mich ehrlich gesagt, dass mich Leute auf der Straße ansprechen und denken, ich rangel wirklich den ganzen Tag. Ich finde den Erfolg, den ich durch die Sendungen habe, nicht immer toll aber es ist gut, dass ich damit meine Familie ernähren kann und dass ich Jobs habe, die mir Spaß machen.
Für jemanden, der von sich behauptet ein Nischen-Künstler zu sein ist das sicher eine enorme Umstellung. Ist Ihnen die große Bühne mittlerweile lieber als die kleine?
Ich spiele immer noch kleine Konzerte. Mal mit 500, 600 Leuten und mal mit 300. Ich bin einfach ein Songwriter der Geschichten erzählt – und das für einen überschaubaren Kreis. Ich bin gerne Musiker und will wieder auf Tour gehen. Es ist ungesund, wenn man anfängt sich nur um seine eigene, kleine Welt zu drehen. Ich mache einfach das, was ich seit Jahren mache und das wird auch so bleiben.
Muss die Musik nun wegen der TV-Präsenz zurückstecken?
Dieses Jahr habe ich mal keine Konzerte gespielt aber nächstes Jahr möchte ich auf jeden Fall mit meiner neuen Platte auf Tour gehen. Es ist ja auch nicht so, dass das Fernsehen nun mein Fulltime-Job ist. So ein Einspieler für "Circus HalliGalli" ist innerhalb von zwei Tagen gedreht. Daher habe ich noch genug Zeit für meine Familie und um meine neue Platte vorzubereiten. Meine nächste CD wird wohl eher melancholisch, weil ich im Fernsehen momentan so viel Humor versprühe. Allerdings habe ich immer Angst, dass die Leute nur zu meinen Konzerten kommen, weil sie denken ich wäre Charles Schulzkowski und würde besoffen über die Bühne laufen. Das würde ich natürlich nie machen.
Was kommt als Nächstes? Vielleicht "Wetten, dass..?" ?
Das haben mir ganze viele Fans auf Facebook schon vorgeschlagen und gemeint ich wäre genau der Richtige. Aber dafür bin ich sicherlich zu verschroben und zu eigen. Da braucht man schon jemanden, der die breite Masse anspricht und das bin sicher nicht ich. Ich mache jetzt erst einmal meine eigene Sendung und wenn die floppt, hat sich das mit der "breiten Masse" eh wieder erledigt. Nerds und Leute, die gerade gelangweilt sind, finden mich vielleicht ganz witzig aber das war es dann auch schon. Was ich mache, ist eben auch kein Profi-Fernsehen, sondern eher aus dem Bauch heraus und das würde ich gerne beibehalten. Aber mal gucken, was noch passiert – ich lasse mich da gerne treiben.
Wenn man sich Ihre Rolle als Charles Schulzkowski anguckt oder die als Erotik-Experte bei neoParadise, scheinen sie ja für jeglichen "Blödsinn" zu haben. Wo setzen Sie ihre Grenzen? Beziehungsweise: Wo hört für Sie der Spaß auf?
Ich mache mich zum Beispiel nicht gerne über andere Leute lustig. Wenn ich mal blöd dastehe, habe ich damit kein Problem. Wenn die Leute in den Einspielern doof rüberkommen, dann sind sie meistens selber Schuld. Ich konfrontiere sie einfach nur mit Rollen, die ich spiele und stelle sie nicht absichtlich lächerlich dar. Deutschland ist comedytechnisch sehr überschaubar und es gibt viel zu viele Witze auf Kosten anderer. Solche Sachen möchte ich nicht machen. Ich schäme mich aber auch nicht für Irgendwas. Auch nicht, wenn ich betrunken vor der Kamera bin – immerhin bin ich dann wenigstens noch halbwegs annehmbar und werde kein Arschloch wie manch anderer. Ich bin einfach nur ein grinsender Typ, der Quatsch redet.

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