SpOn-Debatte: Phrasenland ist abgebrannt

Publishing Auf kleiner inhaltlicher Flamme wird mit einer Reihe von Gastbeiträgen bei Spiegel Online gerade die Debatte zur Zukunft oder Nicht-Zukunft der Zeitung geköchelt. Die üblichen Verdächtigen nutzen die Gelegenheit, noch einmal ihre gut abgehangenen Thesen zum digitalen Wandel unter der Dachmarke Spiegel aufzuschreiben. Dabei geht es weniger um Erkenntnisgewinn oder eine echte Debatte als vielmehr um ein gewisses Adabei-tum und selbst-herrliche Ego-Pflege.

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Dass Sprach-Papst a.D. Wolf Schneider in einer aktuellen Folge schwadroniert, für junge Menschen würden “echte Informationen zunehmend an Wert verlieren” und er für seine Altmännerthese die erwartbaren verbalen Prügel der zornigen, jungen Twitterer bekommt, ist dabei fast das debattenmäßigste an der aktuellen SpOn-Schein-Debatte. Schneiders Text ist zwar auch nicht klüger, als die seiner Vorschreiber, aber angenehm kurz und wenigstens ein ganz kleines bisschen provozierend und nicht ganz so nervenzerfetzend langweilig.

Vor ihm haben sich u.a. Christian Jakubetz, Mario Sixtus, Thomas Knüwer, Jeff Jarvis, Christian Lindner, Armin Wolf, Stephan Weichert, Wolfram Weimer und andere zum Thema “Zukunft der Zeitung” ausgelassen. Dabei fällt es schwer, in dem selbstverliebten Gelaber einen halbwegs originellen, noch nicht gefühlt tausendfach zuvor gehörten Gedanken zu finden. Revolutionen seien “unangenehme Zeiten”, meint Mario Sixtus. Ach? Die Lektüre von Medienrevolutionstexten kann auch unangenehm sein. Berater Thomas Knüwer ruft mal wieder “R.I.P. Tageszeitung”, Medienprofessor Weichert plädiert nicht zum ersten Mal für alternative Finanzierungsmodelle (Nachricht aus dem Glashaus: hat er bei uns auch schon gemacht), Richard Gutjahr bemüht schon wieder das Bild vom Restaurantgast, der gezwungen wird, das komplette Menü zu bestellen, obwohl er nur den kleinen Vorspeisenteller will, Wolfram Weimer spult in schwer verständlicher, verquaster Sprache seine These vom kulturellen Bankrott der Medien runter. Und Jeff Jarvis packt tatsächlich nochmal den ollen Gutenberg aus.
Positive Ausnahme ist der Beitrag der einzigen Frau unter den Herren der Selbst-Herrlichkeit. Die deutsch-türkische Journalistin Hatice Akyün kritisiert an der Presselandschaft: “Für mich als Konsument an, gibt es einen Redundanz-Overkill.” Damit ist auch für die ganze Zeitungs-Zukunfts-Debatte bei Spiegel Online treffend umschrieben: Redundanz-Overkill.

Nun könnte man argumentieren, dass der Spiegel und sein Reporter Cordt Schnibben, der Initiator der Aktion, diese mehr oder weniger gehaltvollen Thesen und Debattenbeiträge auf der SpOn-Plattform endlich einem breiteren Publikum nahebringen wollen. Warum aber bemüht man sich dann nicht um einen verständlichen Tonfall oder einen originellen Gedanken? So wie sie jetzt dastehen, handelt es sich bei den Beiträgen um das immergleiche Insider-Geschwätz von vorgestern.

Statt Otto-Normal-Nutzer diesen vermaledeiten Medienwandel zu erklären, geht es darum, dass jeder Medien-Prophet, der was auf sich hält, nun auch bei der SpOn-Debatte unbedingt dabeisein will und seine üblichen fünf Cent zum Thema beisteuert. Dabei sein ist alles. Nur dabei sein ist hier eindeutig zu wenig. Wenn irgendwann die angekündigte super-duper animierte Snowfall-mäßige SpOn-Story zur Zeitungszukunft endlich online geht, wurden bereits so viele abgestandene Beiträge serviert, dass der Appetit aufs Thema gründlich vergangen sein dürfte.

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