BuLi-Streit: Was Sky und Springer dürfen

Eigentlich sollten sich die Liga, Springer und Sky wie Bolle auf die kommende Bundesligasaison freuen. Stattdessen gibt es Streit, Drohungen und jede Menge Verwirrung. Springer-Chef Döpfner droht mit Klage, Sky-Boss Sullivan sieht sich im Recht und die DFL mit der Frage konfrontiert, ob man bei der Rechtevergabe im vergangenen Jahr nicht zu gierig war und darum geschlampt hat. Streitfall ist die Sky Sport News HD-App, von der Springer seine Bundesliga-Rechte bei Bild Plus bedroht sieht. MEEDIA schlüsselt die Positionen auf.

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Die Sky Sport News HD-App:
Stein des Anstoßes ist die Sky Sport News HD-App. Für 4,49 Euro im Monat streamt die App über das mobile Internet das Programm des Sky Sport-Nachrichten-Senders auf Smartphones und Tablets. Mit Abpfiff der jeweiligen Bundesligapartien, sind allerdings auch kurze Zusammenfassungen und Highlight-Berichte von den Spielen Teil des Programms. Das heißt: Lange bevor Bild Plus die längeren Zusammenfassungen der einzelnen Bundesliga-Spiele im Web zeigen darf, haben Fans über die neue Sky-App bereits die Möglichkeit die wichtigsten Ausschnitte aus den Matches zu sehen. Die Sky-App enthält allerdings keine kurzen Videozusammenfassungen.

Diese Rechte hat Sky gekauft:
Im Poker um die Bundesliga-Rechte war Sky in die Vollen gegangen und hat sowohl das Live-TV-Paket, wie auch das Recht, das komplette Bundesliga-Programm auf allen Internet-Wegen (IPTV und Web-TV) verbreiten zu dürfen, gekauft. Dafür zahlt der Pay-TV-Anbieter durchschnittlich 485,7 Millionen Euro pro Saison – fast doppelt so viel wie bisher. Im Kampf um die IPTV-Rechte war die Telekom leer ausgegangen. Das Paket des Bezahlsenders enthält laut DFL die Verwertung im Pay-Bereich "für die Übertragungswege Kabel, Satellit und Terrestrik sowie IPTV, Web-TV und Mobilfunk".

Bundesliga bei Bild Plus:
Die Bild wird ab dem morgigen Freitag immer eine Stunde nach Abpfiff für das gesamte Wochenende bis Sonntag 0 Uhr die Highlights aller Partien on demand zeigen. Der Preis, um alle Clips jederzeit und überall – auch via App – sehen zu können, liegt bei 7,98 Euro. Voraussetzung ist ein Bild Plus Basis Abo.

Diese Rechte hat Springer gekauft: 
Am 17. April 2012 erklärte die Deutsche Fußball-Liga via Pressemitteilung: "Ab der Spielzeit 2013/2014 kann Axel Springer somit von allen Spielen Clips im Web-TV und Mobilfunk anbieten. Deren Abruf ist ab eine Stunde nach Spielende als Pay-Angebot und ab 0.00 Uhr des Folgetages frei empfangbar möglich.“

Die Grauzone:
Tatsächlich ist offenbar nicht richtig geklärt, welchen Status eine App wie Sport Sky News HD hat. Bewegt sie sich noch im von der DFL nicht trennscharf definierten "Pay-Bereich" oder greift tatsächlich schon das Exklusivrecht von Springer "eine Stunde nach Spielende Clips im Web-TV und Mobilfunk anzubieten? Zudem: Ist der Stream der kompletten Sky-TV-Sendung eine direkte Konkurrenz für On-Demand-Highlight-Clips?

Die Haltung der DFL:
Die Liga ist davon überzeugt, "dass die Pakete aller Rechteinhaber klar definiert" sind. "Es sind nach unserer Auffassung weder Rechte doppelt vergeben worden, noch wird die DFL jemandem Rechte einräumen, die das Angebot eines anderen Lizenznehmers in seiner Wertigkeit berühren", heißt es in einer Stellungnahme aus Frankfurt.

Weiter erklärt die Liga, dass es "keine non-lineare oder on demand abrufbare
Berichterstattung" in dem zur Rede stehenden Sky Sport News-App-Angebot geben werde. Das stand aber (siehe oben) auch niemals zur Debatte. "Im Übrigen wird es dort mit Zustimmung der DFL keine lineare kurze Berichterstattung zur Bundesliga geben, die vertraglich eingeräumte Exklusivität von Rechtepaketen verletzt". Was aber ist unter "kurze lineare Berichterstattung" zu verstehen? Selbstverständlich zeigt Sky Sport News HD kurze Spielberichte, die ins lineare Programm des Kanals eingebettet sind. Aber der Sender löst diese Spielberichte nicht aus dem laufenden Programm heraus und bietet sie einzeln zum Abruf an.
Dieses Dilemma kann erst einmal nur die DFL klären. Oder später Gerichte. Zu einer konkreten Stellungnahme war die Liga am Morgen nicht bereit. Diese soll im Laufe des Tages folgen.

Die Deutsche Fußball-Liga befindet sich tatsächlich in einer Zwickmühle. Eigentlich zahlt Sky mit Abstand das meiste Geld. Dagegen sind die geschätzten sechs Millionen Euro von Springer nur Peanuts. Die Drohungen von Springer-Boss Döpfner ("Schadenersatz", "Betrug", "Strafanzeige") haben neben der juristischen auch eine publizistische Komponente. Gerade die Bundesligaklubs wissen um die riesige Meinungsmacht, die Springer im Fußball bei Fans und Sponsoren hat. Mit der Bild wird es sich die Liga auch nicht verscherzen wollen.
Sieht fast aus, als habe da jemand zu hoch gepokert.

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