Das Fleisch, die Bild und die FDP

Am Montag überschrieb die Bild-Zeitung einen Artikel zu dem alten Vorschlag der Grünen (und zahlreicher Umwelt- und Tierschützer), einen fleischfreien Tag in Kantinen einzuführen mit der Schlagzeile “Grüne wollen uns das Fleisch verbieten”. Die durch keinerlei Fakten gedeckte Zeile hat unter dem Schlagwort “Veggie Day” eine hitzige Diskussion entfacht. Unter anderem zeigt das unappetitliche Beispiel einmal mehr, wie sehr Bild und FDP mittlerweile Brüder im Geiste sind.

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Die FDP versucht schon seit einiger Zeit mit mal mehr mal weniger schrillen Wortmeldungen, die Grünen als “Verbots-Partei” zu stigmatisieren – im Gegensatz zu den per Definition libertären “Liberalen” selbstverständlich, die vermeintlich gelassen jedem Tierchen sein Pläsierchen lassen, bzw. jedem Kantinengänger sein Ekel-Schnitzel auf industrieller Massentierhaltung.

Da wird in Facebook-Wortmeldungen von FDP-Bundestagskandidaten schon mal via Google gezählt, wie oft die Schlagzeile “Grüne fordern Verbot von …” fällt – im Gegensatz zu “FDP fordert Verbot von …”. Wobei ausgeblendet wird, dass, nur weil ein x-beliebiges Medium schreibt, die Grünen forderten ein Verbot von xy, das noch lange nicht so sein muss. Die Sache mit dem Fleisch ist nun ein besonders prägnantes Beispiel.

Im Wahlprogramm der Grünen steht schon seit Jahren dieser eher unspektakuläre Passus: "Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen. Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein Veggie Day sollen zum Standard werden.” Das Wort “Verbot” fällt nicht. Es ist eine eher allgemein gehaltene Forderung, die womöglich sogar sinnvoll wäre. Industrielle Massentierhaltung sorgt für nicht unbeträchtliche ökologische, gesundheitliche und moralische Probleme. Dass Kantinen ein Vorbild geben und fürs Erste an einem Tag pro Woche auf Fleisch beim Mittagessen verzichten, wäre da ein kleines, feines Signal. Ein kleiner Schubser. Wer es nicht aushält ohne seine tägliche Portion Fleisch, hätte ja trotzdem noch die Wahl, sich am Imbiss oder sonstwo einzudecken.

Die Bild-Berichterstattung verzerrt den Vorschlag ins Groteske. Gerade so, als wollte die böse Frau Künast von den Grünen nun dem Deutschen Michel sein Schnitzel per Gesetz ganz und gar verbieten und uns alle übermorgen mit Brokkoli zwangsernähren. Stefan Niggemeier und Zeit Online haben bereits ausführlich über die mediale Veggie-Hysterie nach dem Bild-Bericht geschrieben.

Bemerkenswert ist aber auch, wie die Bild hier einmal mehr voll auf der Linie der Anti-Grünen-Wahlkampfmasche der FDP liegt. Am Dienstag kam prompt FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle mit einem seiner berüchtigten Scherze in der Bild zum Thema zu Wort: “Was kommt als nächstes: Jute-Day, Bike-Day, Green-Shirt-Day?” Es ist billig, sich über Umwelt- und Tieraktivisten auf solche Weise lustig zu machen. Für einen wie Brüderle aber nicht zu billig.

Den Bogen nochmal kräftig überspannt hat dann aber der  FDP-Politiker Lars Lindemann, der auf Facebook das Logo der Grünen auf ein Propagandabild der Nazis mit dem Aufruf “Esst Vollkornbrot”  packte. Der Beitrag wurde schnell wieder entfernt, die Nazi-Komponente beim Fleisch-Skandal dreht aber seither medial ihre Runden. Schon erstaunlich, was manche Politiker für Einfälle haben.

Die FDP und die Bild sind auch abseits von Kantinen-Content ein eingespieltes Team. Mal trommelt die Zeitung mit einer “Netto-Tabelle” für die Steuersenkungspläne der Liberalen, in der mittlerweile fast schon wieder vergessenen Sexismus-Debatte rund um FDP-Mann Brüderle stand die Zeitung fest an dessen Seite, FDP-Wirtschaftsminister Philipp Rösler ist für die Bild “Mr. Cool”, wofür er Bild-Chef Kai Diekmann in den USA dann auch ganz doll herzte. FDP-Spitzenleute finden in der Bild stets einen verständigen Gesprächspartner. Die Liste ließe sich fortsetzen.

In der Titelstory “Die Brandstifter” behauptete der Spiegel, die Bild agiere gar nicht mehr wie eine Zeitung, sondern wie eine rechtspopulistische Partei. Da mag einiges gewackelt haben an dieser These. Allerdings tritt die Bild des öfteren tatsächlich auf wie der publizistische Arm der FDP. Ob die Bezeichnung “rechtspopulistische Partei” auf die heutige FDP zutrifft, das wäre noch zu klären.

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